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Frage Nr. 41487 von 04.07.2026

Hallo liebes Lilli Team,

ich männlich, 52 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder - beide bereits erwachsen.

Vorweg, ich bin ein zerrissener Mann... zum einen bin ich liebevoll, verständnisvoll, zuvorkommend und hasse Gewalt jeglicher Art. Aber zum anderen, wenn es um Sexualität geht und ich dringend Sex benötige, habe ich Gewaltfantasien übelster Art. Ich komme später explizit darauf zurück.

Die Grundproblematik ist, dass meine Frau, die ich wirklich liebe, und ich schon seit Jahren keinen Sex mehr hatten. Meine Frau nimmt Sertralin, was zu einer Unlust führt und ich bin wegen vieler Medikamente, faktisch Impotent. Das dumme ist, die sexuellen Gefühle sind da und ich muss mich täglich selbst befriedigen, damit ich am Folgetag keine Lust verspüre. Aber manchmal kommt sie doch durch.

Ich habe Angst, dass ich irgendwann mal austicken und jemanden anfalle - verschiedene Szenarien habe ich schon durchexerziert

Mich hält lediglich mein Glaube, davon ab, als auch, dass ich nicht ins Gefängnis gehen möchte und dass meine Familie von mir enttäuscht wäre.

Jetzt kommt aber noch etwas anderes hinzu, was mich wahnsinnig belastet... seit fast einem Jahr bin ich jetzt in einer neuen Filiale tätig und habe die Ausbildung einer Auszubildenden übernommen. Meine Auszubildende ist 25 Jahre alt und hat auch schon eine andere Ausbildung hinter sich gebracht. Sie ist keine besondere Schönheit und eigentlich stehe ich nicht auf kleine schlanke Frauen. Aber diese Person hat mich schon fasziniert, als ich die das erste Mal gesehen habe. Ich kann nicht mal sagen warum. Jetzt, wo wir zusammenarbeiten und das wirklich intensiv, habe ich mich in sie verliebt. Es ist zum Mäuse melken, wie kann das passieren? Ich erhoffe mir zwar, dass sie mir gegenüber irgendwelche unmissverständliche Signale aussendet, aber da kommt nichts. Heute musste ich sie als Auszubildende bewerten. Sie arbeitet wirklich sehr gut und ich musste auch objektiv ihr gute bis sehr gute Noten geben. Ich bin mit ihr die Bewertung durchgegangen und sie fing vor Rührung an zu weinen an, weil sie noch nie so gesehen wurde. Ich hätte sie jetzt gerne einfach in den Arm genommen und ihr liebevoll auf die Stirn geküsst, aber ich konnte mich gerade so zurück halten.

Solche und ähnliche Situationen tauchen immer wieder auf und ich halte das bald nicht mehr aus.

Ihr könnte ich keine bösen Dinge antun. Witzigerweise sind auch Frauen geschützt, die tätowiert sind oder Pearcings haben. Ich hasse das nämlich und ich finde es unerotisch.

Angenommen ich sehe eine Frau, dann ist der erste Blick ins Gesicht, der zweite auf die Füße. Wenn Sie zwar gutaussehend ist, aber Sneakers an hat, wird sie bereits aussortiert, weil unerotisch. Hat sie offene Schuhe z.B. Ballerinas oder Pumps an und evtl. eine enge Leggins, klappt es sogar, dass mein Penis hart wird.

Ich würde niemals einer Frau gegen ihren Willen etwas tun, aber ich würde gerne soweit gegen, ihr Geld anzubieten und sie fesseln, foltern und penetrieren, bis sie ohnmächtig wird. Sie soll leiden. Aber ich hasse die Frau dabei nicht, sondern ich finde das einfach erotisch. Dabei würde ich mich selbst befriedigen und alles auch filmen.

Wenn ich ornaniert habe, denke ich immer, gut dass Du es nicht getan hast. Ich bin wieder der Alte.

Professionelle Hilfe gibt es sozusagen hier, wo ich wohne nicht. Es gibt zwar Psychologen, die über zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind und diesbezüglich nicht praktizieren.

Das aller schlimmste aber ist, so finde ich es, dass ich Vergewaltiger verstehen kann und ich nehme es Ihnen nicht mal übel. Aber trotzdem tun mir die Frauen leid und ich fühle auch mit Ihnen. Gleichzeitig finde ich es Mist, dass ein Vergewaltiger nur 3 Jahre bekommt und ein Steuerbetrüger 7.

Was ist mit mir falsch?

Unsere Antwort

Danke für deine offene Schilderung. So, wie du deine Situation beschreibst, spürt man gut, wie groß deine Not ist.

Zu deiner größten Sorge möchte ich dir zuerst etwas sagen: Du hast Angst, irgendwann zum Straftäter zu werden. So, wie du deine Situation schilderst, spricht für mich allerdings vieles dagegen. Du schreibst immer wieder, dass du niemandem etwas antun möchtest, dass dir die Frauen leidtun und dass dich deine Fantasien selbst erschrecken. Du schreibst auch, dass dein Glaube dir Halt gibt und dass du deine Familie nicht enttäuschen möchtest. Das alles zeigt für mich, dass du dir große Sorgen machst, wie du mit diesen Fantasien verantwortungsvoll umgehen kannst.

Ich glaube auch nicht, dass mit dir grundsätzlich etwas "falsch" ist. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass mehrere Dinge zusammenkommen: eine für dich unbefriedigende Sexualität in deiner Partnerschaft, Probleme mit deiner sexuellen Funktion und eine sexuelle Erregung, die sich im Lauf der Jahre immer stärker auf bestimmte Reize und Fantasien eingeengt hat. Daran kann man arbeiten. Das braucht Zeit. Und ich würde dir dafür dringend eine sexualtherapeutische Begleitung empfehlen.

Auch deine Verliebtheit überrascht mich nicht. Du beschreibst eine Sexualität, die dich seit Jahren belastet. Dass du dich in einer solchen Situation in eine Frau verliebst, die dich fasziniert und mit der du viel Zeit verbringst, finde ich gut nachvollziehbar.

Damit ich deine Situation besser verstehe, hätte ich ein paar Fragen:

  • Du schreibst, du seist wegen der Medikamente praktisch impotent. Gleichzeitig machst du täglich Solosex. Das passt für mich nicht zusammen. Bekommst du beim Solosex eine Erektion? Einen Orgasmus? Eine Ejakulation? Welche Medikamente nimmst du ein und weshalb?
  • Du schreibst außerdem, dass du dich täglich selbst befriedigen musst, damit du am nächsten Tag keine Lust mehr verspürst. Deshalb vermute ich, dass es dabei weniger um Genuss als darum geht, irgend etwas möglichst schnell wieder loszuwerden. Was ist es, was du loswerden möchtest? Du schreibst, du willst "Lust" loswerden. Lust auf was?
  • Was machst du beim Solosex? Schau dir bitte diesen Text an und überleg dir, wie du deinen Körper dabei einsetzt. Es könnte sein, dass deine Fantasien damit zusammenhängten, wie du den Körper beim Sex einsetzt. Oft hängen Gewaltfantasien mit hoher Muskelspannung in der sexuellen Erregung zusammen. Ich bitte dich dazu, diesen Text und diesen Text zu lesen. In einer Sexualberatung oder Sexualtherapie könntest du lernen, dich auf andere Weise zu erregen, damit andere Bilder in deinem Kopf entstehen als solche mit gewaltvollem Inhalt.
  • Könntest du dir außerdem vorstellen, dass deine Frau bereit wäre, gemeinsam mit dir eine Paar- oder Sexualberatung zu besuchen, falls ihr eine passende Fachperson finden würdet?

Du schreibst, dass du Angst hast, irgendwann die Kontrolle zu verlieren. Diese Angst nehme ich ernst. Gleichzeitig sehe ich in deiner Schilderung viele Anzeichen dafür, dass du alles daransetzt, genau das zu verhindern. Weil ich deine Situation aus der Ferne aber nicht vollständig einschätzen kann, finde ich wichtig, dass du dir dafür persönliche Unterstützung suchst. Vielleicht kommst du über das Männerberatungsnetz zu einer Beratungsstelle.

Falls du irgendwann merken solltest, dass deine Angst größer wird oder du dir selbst nicht mehr traust, such dir bitte sofort persönliche Hilfe – in Deutschland gibt es zum Beispiel bei einer psychiatrischen Notaufnahme, einer Klinik für Psychiatrie oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Sag dort klar, dass du Angst hast, die Kontrolle zu verlieren und jemandem etwas anzutun.

Wenn du magst, schreib uns doch noch mal und gib die Nummer dieser Frage an. Mit deinen Antworten können wir besser beurteilen, welche Möglichkeiten es gibt, wie du weiterkommt. Ich finde wie gesagt eine Sexualtherapie sehr sinnvoll. Ich empfehle, dass sie nach dem Sexocorporel-Konzept ist. Könntest du im Internet schauen, ob es da irgend jemanden in deiner Gegend gibt? Du könntest uns auch angeben, in welchem Land oder in welcher Region du lebst. Wir würden das aus deiner Frage herausstreichen.

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