Dating | Beziehung / Menschen mit Behinderung oder Krankheit begegnen und daten:
Vielleicht bist du unsicher, wann du Hilfe anbieten, persönliche Fragen stellen oder Kritik äussern sollst. Hier erfährst du, wie du Menschen mit Körperbehinderung oder chronischer Erkrankung respektvoll und auf Augenhöhe begegnen kannst.
Was muss ich über die Person wissen?
Eine Behinderung oder chronische Krankheit kann den Alltag eines Menschen stark beeinflussen. Sie ist aber nur ein Teil seines Lebens. Menschen mit der gleichen Diagnose können ganz unterschiedliche Fähigkeiten, Bedürfnisse, Interessen und Persönlichkeiten haben.
Vielleicht begegnest du jemandem in der Schule, in der Ausbildung, bei der Arbeit oder in deiner Freizeit. Du musst nicht zuerst alles über die Behinderung oder Krankheit wissen, um mit der Person in Kontakt zu kommen. Du kannst sie kennenlernen wie andere Menschen auch.
Darf ich Fragen stellen?
Vielleicht fällt dir eine körperliche Besonderheit auf oder du möchtest wissen, wie sich eine Krankheit auf den Alltag auswirkt. Neugier ist verständlich. Gleichzeitig kann es für dein Gegenüber unangenehm sein, immer wieder persönliche Fragen beantworten zu müssen.
Überlege dir, ob deine Frage gerade zum Gespräch passt. Du kannst auch fragen, ob die Person darüber sprechen möchte. Sie entscheidet selbst, was sie erzählen will.
Niemand ist verpflichtet, dir eine Diagnose, Krankengeschichte oder körperliche Besonderheit zu erklären.
Soll ich meine Hilfe anbieten?
Vielleicht siehst du, dass jemand eine Aufgabe auf eine Weise erledigt, die dir schwierig erscheint. Du möchtest helfen, weisst aber nicht, ob das erwünscht ist.
Du kannst einfach fragen: «Kann ich dir helfen?» Wenn die Person deine Hilfe ablehnt, ist das in Ordnung. Vielleicht kann sie die Aufgabe gut selbst erledigen. Vielleicht möchte sie es ausprobieren oder hat ihre eigene Technik entwickelt.
Wenn du beispielsweise jemanden im Rollstuhl siehst, solltest du den Rollstuhl nicht einfach schieben. Wenn jemand mit einer Gehhilfe unterwegs ist, solltest du die Person nicht ungefragt stützen. Eine Person mit Sehbeeinträchtigung solltest du nicht einfach am Arm nehmen. Solche Eingriffe können nicht nur unangenehm sein, sondern auch das Gleichgewicht stören oder gefährlich werden.
Wen spreche ich an, wenn eine Assistenzperson dabei ist?
Sprich die Person mit der Behinderung selbst an, nicht ihre Assistenz- oder Begleitperson.
Vielleicht spricht dein*e Gesprächspartner*in undeutlich, hat Schwierigkeiten mit der Atmung oder kann die Gesichtsmuskeln nicht gut kontrollieren. Vielleicht brauchst du etwas mehr Zeit, um zu verstehen, was die Person sagt.
Auch dann bleibt sie dein*e Gesprächspartner*in. Schau sie an, höre zu und gib ihr Zeit, sich auszudrücken.
Wenn du etwas nicht verstehst, kannst du nachfragen. Du kannst auch fragen, wie ihr euch am besten verständigen könnt. Wende dich nicht einfach an die Begleitperson, nur weil die Kommunikation mit ihr leichter ist.
Wie kann ich der Person auf Augenhöhe begegnen?
Manchmal reagieren Menschen auf eine Behinderung mit Mitleid, übertriebener Fürsorge oder besonderer Bewunderung. Sie loben beispielsweise alltägliche Tätigkeiten als aussergewöhnliche Leistung oder sprechen mit der Person, als wäre sie ein kleines Kind.
Das ist unangenehm. Es vermittelt der anderen Person, dass du sie nicht ernst nimmst. Alle Menschen sollten ernst genommen werden, unabhängig von ihren Lebensumständen und ihrem Zustand.
Auf Augenhöhe bedeutet, dass du die Person als eigenständigen Menschen mit eigenen Fähigkeiten, Bedürfnissen, Wünschen und Entscheidungen wahrnimmst.
Was, wenn ich anderer Meinung bin?
Vielleicht findest du es schwierig, einem Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit zu widersprechen. Du möchtest ihn nicht verletzen oder zusätzlich belasten.
Aber wenn du aus Rücksicht immer nachgibst, entsteht keine gleichberechtigte Beziehung. Du nimmst damit weder deine eigenen Bedürfnisse noch dein Gegenüber ernst.
Du kannst anderer Meinung sein, Kritik äussern und Grenzen setzen – genauso wie gegenüber anderen Menschen. Entscheidend ist, dass du das respektvoll tust.
Was, wenn ich die Person unsympathisch finde?
Vielleicht merkst du, dass du mit jemandem nicht gut auskommst. Vielleicht stört dich ein bestimmtes Verhalten oder du fühlst dich in der Gegenwart der Person unwohl.
Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit können genauso humorvoll, selbstbewusst, unsicher, sympathisch, zurückhaltend, direkt, anstrengend, kompliziert oder schwierig sein wie andere Menschen.
Eine Behinderung oder chronische Krankheit verpflichtet dich nicht dazu, jemanden sympathisch zu finden, mit ihm befreundet zu sein oder seine Wünsche zu erfüllen.
Was, wenn ich etwas Falsches sage?
Vielleicht verwendest du einmal eine unpassende Formulierung oder schätzt eine Situation falsch ein. Das kann passieren.
Wenn du merkst, dass etwas unangenehm war, kannst du dich entschuldigen und daraus lernen. Du musst nicht perfekt informiert sein oder immer die richtigen Worte finden.
Entscheidend ist, dass du deinem Gegenüber mit Interesse und Respekt begegnest.