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Berührungsängste bei Behinderung oder chronischer Krankheit?

Vielleicht fühlst du dich unsicher oder unwohl gegenüber Menschen mit körperlichen Behinderungen oder chronischen körperlichen Erkrankungen. Hier erfährst du, woher solche Berührungsängste kommen und wie du sie abbauen kannst.

Woher kommen Berührungsängste?

Berührungsängste entstehen oft dort, wo Erfahrung fehlt. Vielleicht hattest du bisher wenig Kontakt mit Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen. Was ungewohnt ist, kann Unsicherheit auslösen. Das bedeutet nicht, dass du diese Menschen ablehnst.

Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sind im Alltag oft weniger sichtbar, als man denkt. Deshalb haben viele Menschen wenig Erfahrung im Umgang mit ihnen.

Was, wenn ich mich unwohl fühle?

Vielleicht begegnest du einer Person mit einer sichtbaren Behinderung und weisst nicht, wohin du schauen sollst. Vielleicht bist du verunsichert, weil andere Menschen starren. Oder du merkst, dass dir der Anblick einer körperlichen Besonderheit unangenehm ist.

Vielleicht irritiert dich deine eigene Reaktion. Du möchtest offen und respektvoll sein, aber deine Gefühle passen nicht dazu.

Hinterfrage deine Vorstellungen

Oft hängt unser Unbehagen mit Vorstellungen darüber zusammen, was «normal» ist und was nicht. Solche Vorstellungen lernen wir von klein auf. Sie beeinflussen, wie wir andere Menschen wahrnehmen. 

Frag dich mal: Was genau macht mich unsicher? Was denke ich über die andere Person? Was weiss ich wirklich über sie? Und was stelle ich mir nur vor? Wenn du deine eigenen Reaktionen besser verstehst, kannst du auch lernen, anders mit ihnen umzugehen.

Will ich mit anderen Eindruck machen?

Vielleicht magst du jemanden mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit, möchtest aber nicht mit dieser Person gesehen werden. Du hast Angst, dass andere schlecht über dich denken. Vielleicht ist dir wichtig, mit besonders attraktiven oder bewunderten Menschen zusammen zu sein.

Dann lohnt es sich, deine eigene Haltung zu hinterfragen. Warum ist dir so wichtig, wie du mit anderen Menschen auf andere wirkst? Mehr dazu erfährst du in diesem Text über die Partnerwahl.

Habe ich Angst vor Verletzlichkeit?

Eine Behinderung oder chronische Erkrankung kann dich an Dinge erinnern, über die du sonst wenig nachdenkst: Krankheit, Abhängigkeit oder die Grenzen des eigenen Körpers.

Vielleicht macht dir die Vorstellung Angst, selbst einmal krank zu werden. Oder du hast Angst, auf Hilfe angewiesen zu sein und gewisse Dinge nicht mehr tun zu können. Vielleicht stellst du dir vor, dass ein Leben mit Behinderung vor allem schwierig und anstrengend ist.

Es kann sein, dass du dich deshalb lieber nicht mit solchen Themen beschäftigst. Vielleicht hat dein Unbehagen also gar nicht so viel mit der anderen Person zu tun. Die Begegnung erinnert dich vielmehr an etwas, das dir selbst Angst macht.

Stimmen meine Vorstellungen überhaupt?

Krankheit und Verletzlichkeit gehören zum Leben. Auch du kannst krank werden oder Hilfe brauchen. Aber eine Behinderung oder chronische Erkrankung bedeutet nicht, dass jemand kein schönes und erfülltes Leben führen kann.

Überleg dir mal: Was genau macht mir Angst? Wie stelle ich mir ein Leben mit Behinderung oder chronischer Erkrankung vor? Woher habe ich diese Vorstellungen? Und stimmen sie überhaupt?

Es kann helfen, Menschen kennenzulernen, die selbst mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen leben. Du wirst sehen, wie unterschiedlich sie ihren Alltag gestalten. Wie sie Beziehungen führen, Schwierigkeiten meistern und ihr Leben geniessen.

Wie kann ich Berührungsängste abbauen?

Berührungsängste werden oft kleiner, wenn dir etwas vertrauter wird. Dabei helfen Begegnungen. Je mehr unterschiedliche Menschen du kennenlernst, desto weniger musst du dich auf deine Vorstellungen verlassen. Solche Begegnungen können überall entstehen: in der Schule, bei der Arbeit, in einem Verein, in der Nachbarschaft, beim Dating oder einfach im Alltag.

Du musst nicht alles über Behinderungen und chronische Krankheiten wissen. Wenn du Menschen kennenlernst, erfährst du mit der Zeit auch mehr über ihr Leben. Und manches, was dir vorher fremd vorkam, wird ganz normal.

Was bringen Social Media?

Social Media können ganz schön Druck machen. Überall sieht man scheinbar perfekte Körper, schöne Gesichter und Menschen, die ein tolles Leben führen. Das kann dazu führen, dass wir uns mit anderen vergleichen und uns selbst weniger attraktiv oder erfolgreich finden.

Aber Social Media haben auch eine andere Seite. Sie geben Menschen eine Stimme, die in den üblichen Medien oft wenig Platz bekommen. Viele setzen sich kritisch mit Schönheitsidealen auseinander. Sie zeigen, dass Körper ganz unterschiedlich aussehen und dass es viele Arten gibt, ein gutes Leben zu führen.

Auf Instagram, TikTok oder YouTube gibt es viele Menschen mit körperlichen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, die regelmässig Beiträge veröffentlichen. Du bekommst mit, was sie beschäftigt, worüber sie lachen, was sie ärgert und was ihnen Freude macht. Du siehst, wie sie ihren Alltag gestalten, Beziehungen führen und mit Schwierigkeiten umgehen. Wenn du ihnen folgst, werden sie mit der Zeit ein vertrauter Teil deines Alltags. Vielleicht merkst du, dass du viel mit ihnen gemeinsam hast. Und manches, was dir vorher fremd oder beängstigend vorkam, wird ganz selbstverständlich. 

All diese Menschen zeigen nur ihre Sicht und einen Teil ihres Lebens. Es lohnt sich deshalb, verschiedenen Personen zu folgen. So bekommst du ein vielfältigeres Bild.

Wo finde ich gute Beiträge in Social Media?

Nutze die Suchfunktion auf Instagram, TikTok oder YouTube. Gib zum Beispiel «körperliche Behinderung», «chronisch krank» oder «Leben mit Behinderung» ein. Du kannst auch nach Hashtags suchen. Das sind Schlagwörter, die mit einem # beginnen. Mit ihnen findest du Beiträge zu bestimmten Themen. Probiere zum Beispiel:

  • #behinderung
  • #chronischkrank
  • #lebenmitbehinderung
  • #disabled
  • #chronicillness
  • #disabilityawareness

Schau dir verschiedene Profile an. Suche Menschen, die offen über ihren Alltag berichten und die dich interessieren. Vielleicht findest du jemanden, der*die ähnliche Hobbys hat wie du oder über Themen spricht, die dich beschäftigen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Auf diesen Websites kannst du mehr über körperliche Behinderungen und chronische körperliche Erkrankungen erfahren:

Wichtig ist: Menschen mit derselben Behinderung oder Erkrankung können ganz unterschiedlich leben. Manche brauchen viel Unterstützung, andere kaum. Alle haben ihre eigenen Interessen, Wünsche und Ziele. Je mehr du über sie erfährst, desto eher kannst du deine bisherigen Vorstellungen hinterfragen.

Wie verhalte ich mich richtig?

Vielleicht möchtest du wissen, ob du nach einer Behinderung fragen darfst, wann du Hilfe anbieten solltest oder wie du dich verhältst, wenn du unsicher bist. Dazu interessieren dich vielleicht diese Verhaltenstipps.