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Frage Nr. 40785 von 03.02.2026

Hallo, ich bin männlich und 26 Jahre alt. Ich versuche schon seit vielen Jahren von meiner Pornosucht loszukommen aber leider ohne richtigen Erfolg. Ich habe sehr früh mit dem Pornokonsum (und dazu Selbstbefriedigung) begonnen als ich ca. 9 oder 10 war, damals haben ältere Freunde die schon 11, 12 waren mir Videos gezeigt und dann ging es los.

Ich weiss nicht mehr genau in welchem Tempo aber 2-3 Jahre später war es schon problematisch. Mehrmals am Tag, in der Schule auf dem Klo, in der Lehre auf dem Klo usw. Einfach wenn mir langweilig war oder wenn ich Bock hatte, es war wirklich schlimm und wenn ich zurückdenke ist es mir total unangenehm, z.B das in der Schule. Damals war der Jugendschutz im Internet auch noch nicht so wirklich vorhanden, ich denke meine Eltern wussten auch nicht, was ich da mache als kleiner Junge. Zumindest haben sie keine Blocker installiert oder mich konfrontiert mit der ganzen Thematik. Und ich wusste eben auch nicht was ich da mache und wie sehr es mich später belasten würde.

Ich schaue schon immer so ungefähr den gleichen Content von einem Darsteller, der ziemlich explizites Zeug macht. Aber es ist nie irgendwie in illegalen Sachen oder viel extremeren Dingen ausgeartet. Aber es hat halt schon auf einem hohen Niveau begonnen. Perfekte Belichtung, hohe Qualität, immer der gleiche männliche Darsteller, die schönsten Frauen, die extremsten Szenen etc.

Ich habe schon unzählige Versuche gestartet, es sein zu lassen. Manchmal halte ich ein paar Tage durch, manchmal sind es ein paar Wochen, letztes Jahr habe ich sogar mal zwei Monate ohne Pornos geschafft. Die Abstinenzphasen wurden also mit der Zeit länger, als ich 18 war konnte ich nicht Mal 3 Tage lang pausieren, es war wie ein Zwang. Ich benutzte und benutze das ganze gegen Einsamkeit, Stress oder halt um kurz Druck abzulassen.

Aber auch als ich eine Partnerin hatte, war der Konsum da. Immer wenn wir nicht beieinander waren und daher keinen Sex hatten, war wieder der Porno und die Selbstbefriedigung da. Und sogar beim Sex mit ihr dachte ich manchmal an Szenen, die ich auf dem Bildschirm geschaut habe. Es war sehr lange einfach wie eine Routine vor dem Schlafen gehen oder wenn mir kurz langweilig war. Es ist wie ein Droge, von der ich nicht wegkomme. Jedes Mal nachdem ich fertig bin ärgere ich mich über mich selbst und bin angewidert von mir.

Ich habe auch viele Erfahrung im echten Leben nicht gemacht, wegen dem ganzen. Wenn ich zurückschaue kommen mir viele Erinnerungen in den Sinn, wo ich hätte Erfahrungen sammeln können mit einer echten Frau aber ich war dann nicht mutig genug bzw. habe mich gar nicht bemüht weil ich wusste ok, später gehe ich einfach nach Hause, schaue Pornos und w. mir einen. Und leider war es oft so.

Ich dachte auch sehr lange ich hätte eine erektile Dysfunktion wegen den Pornos (habe ich zum Glück nicht) aber das habe ich erst später herausgefunden, als ich eben schon 22,23 war. Es ist nicht so, dass ich heute jeden Tag stundenlang Pornos schaue und mir mehrmals einen w. aber trotzdem geht viel zu viel Energie verloren, ich schäme mich dafür und es hat einfach allgemein einen negativen Einfluss auf mein Leben, sei es Job, Beziehungen, Sport etc.

Im Schnitt mache ich es einmal täglich. Ich benutze seit Dezember einen Tracker, damit ich wenigstens den Überblick habe. Eben manchmal drei Tage lang Pause, dann 3 Mal am gleichen Tag. Ich ärgere mich über die Vergangenheit und die verpassten Chancen aber mir ist bewusst, dass ich daran nichts mehr ändern kann. Aber ich will nicht mit 35 immer noch am gleichen Punkt sein.

Daher meine Frage: Wie komme ich endlich weg davon? Geht es nur mit professioneller Hilfe? Für mich geht es auch nicht zu reduzieren, ich kenne mich da schon zu gut. Früher oder später wird aus einmal in der Woche wieder jeden Tag und mehr. Es wäre wirklich mein allergrösster Wunsch, von diesem Teufelszeug wegzukommen.

Da ist noch was, was nicht direkt mit dem Porno zu tun hat aber ich denke doch relevant sein könnte. Ich wurde als Kind mal sexuell missbraucht von einem anderen Kind in meiner Familie, ich will da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Es war „nur“ Oralverkehr (wenn ich mich richtig erinnere) und ich war der passive Teil. Aber ich war da noch extrem jung, müsste um die 6 oder 7 gewesen sein und die andere Person (ein Junge) war 2 oder 3 Jahre älter aber auch noch ein junges Kind. In dem Moment habe ich es nicht als etwas Negatives wahrgenommen, ich konnte es ja auch noch unmöglich richtig einschätzen. Ich habe das lange Zeit verdrängt und wenn ich mich mal daran erinnerte als „naja, das ist damals halt passiert“ abgestempelt. Aber in letzter Zeit denke ich regelmässig daran und es belastet mich. Ich habe das noch nie jemandem erzählt, keiner einzigen Person.

Ich hoffe ich habe nicht zu viele Details genannt oder zu viel geschrieben aber ich wollte so genau wie möglich sein und ich danke eurem Team schon im Voraus vielmals für die Antwort.

Unsere Antwort

Ja es war super, dass du so ausführlich geschrieben hast. Da kann ich besser darauf eingehen. Du schreibst über dranghafte Sexualverhalten. Das ist ein Anliegen, dass man in einer Sexualtherapie gut angehen kann. Die Geschichte mit dem sexuellen Missbrauch kann eine Rolle spielen, muss aber nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es zielführender ist, wenn du dich damit auseinandersetzt, in welchem Milieu dieser Übergriff passiert ist: Mit welchen emotionalen Zuständen, in welchem Beziehungsumfeld bist du durch die Kindheit gegangen? Wie wurde dir beigebracht, mit unangenehmen Zuständen und Situationen umzugehen?

Dranghaftes Verhalten hängt eigentlich immer damit zusammen, dass wir Schwierigkeiten haben, mit uns selbst klarzukommen und mit unangenehmen Emotionen und Zuständen, die wir haben. Es kommt häufiger vor bei Menschen, die ein ADHS haben oder bei Menschen, die schwierige Erfahrungen gemacht haben in ihrer Kindheit rund um zwischenmenschliche Beziehungen, die wenig getröstet wurden resp. die nicht gelernt haben, sich selbst zu trösten und mit unangenehmen Situationen klarzukommen.

Ich empfehle dir, dass du dir eine Fachperson suchst, die Sexualtherapie nach Sexocorporel anbietet. Je nach Therapeut:in kann es von der Grundversicherung oder von einer Zusatzversicherung für Psychotherapie übernommen werden, oder du zahlst es selbst.

Ich würde dir auf jeden Fall einen therapeutische Begleitung empfehlen, denn du hast es schon so lange selbst probiert, dein Problem zu lösen. Ich kann dir aber trotzdem sagen, was ein sinnvolles Vorgehen wäre: Abstinenz ist keine gute Idee, wenn du sonst nichts hast, was dieses Loch füllt. Rein sexuell gesehen ist es wichtig, dass du lernst, mehr Fülle und Befriedigung aus deinem sexuellen Körper zu schöpfen, denn nur so wirst du "Sex-satt". Bitte lies dazu unseren Text über dranghaft erlebte Sexualität, da beschreiben wir das genauer. 

In der Sexualtherapie nach Sexocorporel verbietet man die Pornos erst mal nicht, sondern man übt, andere Erregungsquellen zu entwickeln und ein intensiveres Erleben während dem Sex zu haben. So werden Pornos mit der Zeit immer weniger wichtig und du wirst eher "Sex-satt".

Was den Umgang mit unangenehmen Emotionen und Situationen angeht, so wäre allenfalls eine Psychotherapie auch sinnvoll – oder du machst die Sexualtherapie bei einer Person, die auch psychotherapeutisch geschult ist. Zum Umgang mit negativen Emotionen empfehle ich dir diesen Text. 

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