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Frage Nr. 34599 von 21.02.2022

Hallo,
ich bin männlich und 39 Jahre alt.
Leider leide ich schon seit geraumer Zeit an sexuellen Problemen, welche manchmal mehr und manchmal stärker ausgeprägt waren, mich aber insgesamt in meinem allgemeinen Wohlergehen massiv beeinträchtigen und aktuell v.a. was die Erektionsstörung angeht andauern (siehe unten).
Zum einen leide ich unter einer Orgasmusstörung mit der es sich so verhält: Mit meiner Frau wurde es über die Jahre immer schwieriger zu kommen und seit inzwischen ca. 2,5 Jahren kann ich mit ihr überhaupt nicht mehr kommen. Die einzigen Wege für mich zu kommen sind Pornos oder erotische Massagen. Selbstbefriedigung ohne Pornos klappt auch nicht. Mein Pornokonsum war aber nach meinem Empfinden nie sehr stark (aktuell ca. 1x alle zwei Wochen), früher max. 1x alle 2 Tage (mit starken Schwankungen, aber nie jeden Tag oder mehrere Tage hintereinander mehrmals täglich). Pornokonsum komplett einzustellen habe ich versucht, aber es ist schwierig wenn man sonst keine Möglichkeit hat zu kommen.

Zum anderen habe ich schon seit vielen Jahren die Angst beim Sex zu Versagen und große Angst impotent zu werden. Bis noch vor kurzem war es so, dass ich eigentlich (fast) immer meinen Mann stehen konnte beim GV, aber seit einiger Zeit (genaugenommen seit 2,5 Monaten) geht gar nichts mehr mit ihr (allerdings haben wir es seit einem "Fehlschlag" Mitte Dezember auch nicht nochmal versucht, da meine Angst so riesengroß ist). Aktuell ist meine Frau Schwanger und erwartet unserer 3. Kind (Bechermethode), wobei ich eigentlich gehofft hatte, dass es mit der lang ersehnten SS vielleicht bei mir etwas entspannter wird. Ich habe aber überhaupt keine Lust auf Sex.

Erschwerend kam hinzu, dass ich auch in der Vergangenheit v.a. Sex hatte, um ihr einen Gefallen zu tun und um Sie zum Orgasmus zu bringen (das kann ich wenigstens noch habe ich mir dann immer gesagt, aber eigene Lust habe ich nur sehr selten empfunden). Zuletzt hatte ich aber das Gefühl, dass die Erektion auch nicht mehr sehr stark und zudem instabil ist und auch wenn ich mich selbst berühre lässt die Erektion direkt nach wenn ich mit dem Berühren aufhöre (allerdings wird er durch Berühren auch ohne Pornos hart).
Ich habe seit Jahren Angst davor impotent zu werden und habe jetzt Angst, dass es entgültig passiert ist. Beim Urologen war ich vor einigen Jahren, da war alles ok (war mir aber auch klar, dass es nicht organisch bedingt ist).

Meine Frau hatte für mich nie den großen Sex appeal. Einmal hatte ich auch eine Affäre mit der ich auch kommen konnte. Allerdings möchte ich meine Ehe nicht zerstören und mein größter Wunsch ist es zu einer entspannten Sexualität mit meiner Frau zurückzufinden, sofern das überhaupt noch möglich ist.
PD5-Hemmer (Sildenafil) hatte ich vor einiger Zeit 1x genommen aber keinen Effekt festgestellt, dafür aber Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, verstopfte Nase). Ein paar Sitzungen Sexualtherapie, Hypnotherapie, Akupunktur habe ich auch gemacht. War aber bislang leider auch alles nicht so richtig was. Habe das Gefühl mich in einer Spirale zu befinden und alles wird immer weniger (Erektion, Orgasmus). Gibt es Möglichkeiten da wieder raus zu kommen? Ich freue mich auf eure Antwort und bin über eine Einschätzung und ggf. hilfreichen Rat dankbar. Herzliche Grüße!

Unsere Antwort

So wie du das beschreibst, ist es klar, dass dein Penis nicht steif bleibt und du die sexuelle Erregung nicht bis zu einem Orgasmus steigern kannst. Die gute Nachricht ist: Es stimmt alles mit dir. Hinter deinem Problem steht eine klare Logik. Und wenn du diese Logik berücksichtigst, kannst du die Ursachen zu deinem Problem angehen. Da gibt es viel, was du tun kannst. Die schlechte Nachricht ist: Es wird nicht einfach per Knopfdruck klappen, sondern du musst dir Zeit nehmen und viel üben.

  • Du stellst deine eigenen Bedürfnisse beim Sex mit der Partnerin hintenan. Das Ziel ist Funktionieren, nicht Genuss. Du hast ihr zuliebe Sex gemacht, nicht dir zuliebe. Als junger Mann geht das vielleicht. Aber wenn du älter wirst, brauchst du mehr Erregungsquellen, denn da ist nun mal weniger Testosteron, und die Blutgefässe werden auch etwas träger. Für dich ist es jetzt also wichtig, dass du mehr Erregungsquellen für dich entdeckst. Bei dir passiert aber das Gegenteil: Statt Erregungsquellen hast du stressige Gedanken. Und die wirken gegen deine sexuelle Erregung und deine sexuelle Lust an. Da wirkt auch kein Sildenafil - Sildenafil löst nicht sexuelle Erregung oder Lust aus, es fördert nur die Durchblutung bei vorhandener sexueller Erregung und Lust. Zentral ist, dass du dich interessiert dir selbst zuwendest und deine sexuelle Lust entwickelst.
  • Dein Penis ist für dich offenbar vor allem ein Mittel zum Zweck. Er muss stehen bei Berührungen – und offenbar auch ohne Berührungen. Wie es ihm dabei geht, was er braucht, damit er stehen möchte, rutscht in den Hintergrund. Ein Penis wird und bleibt nicht dann steif, wenn er muss, sondern wenn er will. Zentral ist ein Beziehungsaufbau zu deinem Penis. Du kannst das zum einen in die Körperpflege einbauen. Zum anderen haben wir ganz konkrete Übungstipps.
  • Du hast ganz grundsätzlich deinen eigenen Körper als Erregungsquelle noch nicht entdeckt. Ich vermute, dass du deinen Penis nicht sehr gut wahrnimmst. Bei einer geringen Selbstwahrnehmung werden Pornos als "externe" Erregungsquelle unumgänglich. Zentral ist bei dir also, dass du die Wahrnehmung auf dich richtest und lernst, da mehr zu erleben. Lies dazu bitte unseren Text über Abhängigkeit von Pornos.
  • Bei der Selbstbefriedigung stimulierst du deinen Penis völlig anders als beim vaginalen Geschlechtsverkehr. Möglicherweise ist da viel mehr Druck und/oder Reibung, als das eine Vagina je hinkriegt. Damit hast du dir eine Erregungstechnik angeeignet, die für den Geschlechtsverkehr nicht gut einsetzbar ist. Ich empfehle dir hierzu den Text mit Übungstipps für den Geschlechtsverkehr.
  • Du hast noch nicht gelernt, deine Partnerin zu erotisieren. Das heisst, du hast sie noch nicht als Quelle deiner sexuellen Erregung und sexuellen Lust entdeckt. Reizt dich ihre Vulva? Reizt dich ihre Vagina? Welche Beziehung hast du mit ihrem Geschlecht? Auch wenn der Penis nicht steif wird, hast du Lust, mit einem oder mehreren Fingern in ihre Vagina einzudringen? Je mehr du lernst, das weibliche Genitale als Erregungsquelle zu sehen, desto weniger spielt es eine Rolle, was deine Frau sonst für Sex Appeal hat. Die Übungstipps für den Geschlechtsverkehr helfen dir, erregendere Fantasien rund um das Penetrieren zu entwickeln, wodurch deine Partnerin für dich sexuell attraktiver wird.

Ganz entscheidend ist, dass du dich und deinen Körper ins Zentrum stellst und dir Zeit für dich nimmst. Ich weiss nicht, was für eine Sexualtherapie du angefangen hast. Ging es da auch ums Üben? Das wäre gut. Wenn du es nochmal probieren möchtest, würde ich dir eine Sexualtherapie nach Ansatz des Sexocorporel empfehlen.

Ausserdem empfehle ich diesen Text über Erektionsschwierigkeiten und Klappt's - ein Übungsbuch für Männer von Michael Sztenc. Das ist ein gutes Buch mit praktischen Übungstipps rund um das sexuelle Funktionieren und deine Beziehung zu dir selbst als Mann und zu deinem Penis.

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