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Frage Nr. 40657 von 11.01.2026

Hallo Lilli-Team

Ich beobachte, wie andere (natürlich unterschiedlich stark) im Alltag viel eher mal berühren. Also zB ein:e Freund:in umarmen/ kuscheln, oder die Schulter/ den Arm/ etc berühren im Gespräch oder einfach so.
Irgendwie würde ich mir das auch mehr wünschen, aber ich weiss nicht so recht, wie. Ich habe eine Autismus-Diagnose und habe körperliche/ sexualisierte Gewalt erlebt als Kind. Beides spielt wohl dabei eine Rolle, dass mir das nicht so leicht fällt. Ich bin auch selbst nicht immer in einer Stimmung, angefasst zu werden. Aber manchmal eben schon. Gleichzeitig möchte ich auch auf keinen Fall Grenzen Anderer übergehen und möchte Konsens herstellen, wenn ich in eine Berührung gehe.
Ich würde mir wünschen, dass es einfacher wird und nicht schnell für mich in Angst kippt. Ich glaube, dass eben auch andere dadurch dann sehr vorsichtig sind, mir nicht zu nahe zu kommen.
Ich hoffe es macht Sinn, was ich schreibe. Meine Frage wäre, wie ich darauf hinarbeiten könnte, mehr Berührung zu haben im Alltag, auch auf freundschaftlicher Ebene (ich wünsche mir auch eine Liebesbeziehung, aber auch das habe ich nie erlebt bisher). (afab, 28)

Unsere Antwort

Du sprichst von Angst. Ich denke da an dein autonomes (vegetatives) Nervensystem. Dieses Nervensystem ist stark daran beteiligt, wie wir uns und andere Menschen erleben. Es könnte sein, dass du schnell in den so genannten Kampf-Flucht-Zustand kommst. Das ist ein Zustand deines autonomen Nervensystems, der einhergeht mit Gefühlen von Angst und auch damit, dass man andere Leute eher als Feinde sieht.

Typisch ist dabei eine erhöhte Körperspannung. Menschen, die Gewalt erlebt haben als Kinder, bauen manchmal so eine Schutzspannung auf. Das heisst, sie sind eher angespannt. Überleg dir mal, wie das bei dir ist. Diese Muskelspannung triggert ihrerseits das autonome Nervensystem auf eine Weise, dass man schneller in den Kampf-Flucht-Zustand kommt.

Ich fände es sinnvoll, wenn du unsere Texte über das autonome Nervensystem nach liest, damit du das wirklich gut verstehst und dir überlegen kannst, wie das mit dir sein könnte. Ich verlinke dich auf den ersten Text, von dort wirst du auf die weiteren Texte verlinkt.

Beim Autismus-Spektrum kann die Arbeit mit dem autonomen Nervensystem sehr hilfreich sein. Insbesondere geht es darum, die Aktivität des ventralen Vagus zu fördern. Was das ist, erfährst du in den Texten, auf die ich dich verlinkt habe.

Besonders interessant ist, dass du manchmal gerne angefasst wirst. Die Frage ist, was ist dann anders als in den Momenten, wo du nicht gerne angefasst wirst? Was mich besonders interessieren würde: Was machst du mit dem Körper? Liegst du da, stehst du da, bist du in Bewegung? Wie atmest du? Tief oder flach? Wie angespannt/entspannt bist du?

Je nachdem was du mit dem Körper machst, wirst du möglicherweise ein ganz anderes Erleben haben, denn der Körper hat eine Wirkung auf dein autonomes Nervensystem und damit auf die Weise, wie du fühlst und andere Menschen erlebst. 

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