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Frage Nr. 40975 von 16.03.2026

Hallo zusammen

Ich (w>25) bin mit meinem Freund über ein Jahr zusammen und wir würden gerne meinen weiblichen Orgasmus verbessern beim gemeinsamen Sex. Befriedige ich mich selbst, auch mit einem Vibrator, habe ich krasse intensive Orgasmen. Das ist toll, aber langweilig. Ich hätte gerne diese Orgasmen auch mit ihm. Wenn er mich und die Klitoris v.a. aussen berührt/reibt, dann werde ich sehr erregt und auch feucht. Ich geniesse von ihm berührt zu werden und auch die anschliessende Penetration. Allerdings bleibt es bei sehr erregt und endet nicht in einem Orgasmus egal was ich/wir tun. Irgendwann kapituliere ich jeweils, weil ich mich dann eher überstimuliert/überreizt fühle.

Ich finde wir sind aktiv, bewegen us mit Beckenschaukel, benutzen den Beckenboden und versuchen auch aussen zu stimulieren oder verschiedene Positionen auszuprobieren. Was kann ich tun oder wie kann ich mich verhalten, dass ich meine Erregung auch im gemeinsamen Liebesspiel so weit steigern kann, dass ich auch zum Orgasmus komme?

Nun ist es manchmal so, dass wir sehr schönen Sex haben, er kommt und meine Erregung dann unbefriedigt in sich zusammenfällt, ich friere sofort und fühle mich deprimiert. Das möchten wir gerne verändern.

Vielen Dank für eure Tips

Unsere Antwort

So wie du es beschreibst, hast du schon viele sexuelle Fähigkeiten erworben und bist dabei, sie noch weiter zu verfeinern. Das merkt man daran, wie du Interesse zeigst und ausprobierst und deinen Körper schon auf verschiedene Arten einsetzt.

Sexualität ist ein Lernprozess. Sexuelle Fähigkeiten können wir nicht einfach von Anfang an, sondern wir erwerben sie uns durch Ausprobieren und mit zunehmender Erfahrung. Insbesondere mit einem weiblichen Körper ist das Erreichen eines Orgasmus ein Lernprozess, vor allem der Orgasmus beim Sex zu zweit beziehungsweise beim Geschlechtsverkehr. Es geht vielen Frauen so wie dir, dass sie relativ einfach zu intensiven Orgasmen kommen können bei der Selbstbefriedigung, indem sie ihre Klitoris stimulieren und einen Vibrator einsetzen. Der nächste Lernschritt, ist auch mit einem Partner (oder einer Partnerin) zu einem Orgasmus kommen zu können. Und das ist meist zu Beginn etwas schwieriger. Und es lohnt sich, sich dafür genügend Zeit zu geben und es sich entwickeln zu lassen.

Als Sexualtherapeutin sehe ich öfter die Situation, wie du sie beschreibst: ihr probiert beide, dass du zum Orgasmus kommen kannst, und wenn es nicht gelingt, wird es irgendwie zum Stress. Meist führt das zu einer Anspannung im Körper und einem starken Fokussieren auf den Orgasmus, und zu Frust und schlechten Gefühlen, wenn es nicht gelingt. Und je mehr man probiert, desto weiter scheint der Orgasmus in die Ferne zu rücken.

Die Ursache liegt darin, dass der Orgasmus ein Reflex ist. Es ist also etwas, das man nicht willentlich machen kann. Es braucht einen Auslöser beziehungweise gewisse Vorbedingungen, und dann passiert der Reflex. Ein Reflex kann unterdrückt werden, insbesondere durch starkes Fokussieren darauf oder durch Anspannung, so wie man einen Niessreflux durch Luftanhalten unterdrücken kann. Beim Orgasmus muss einerseits eine genügend hohe Erregung da sein, und dann braucht es ein gewisses Loslassen, damit der Orgasmus passieren kann. Und dieses Loslassen ist sowohl körperlich wie mental. Ich sehe oft, dass Frauen gut in eine sehr hohe sexuelle Erregung kommen können, aber sich dann nicht in das Orgasmusgeschehen fallen lassen können wegen der hohen Spannung und Fokussierung darauf. Manchmal kann auch eine Angst vor Loslassen beziehungsweise ein hohes Kontrollbedürfnis Teil des Problems sein. 

Ich würde euch empfehlen, im Moment den Druck etwas rauszunehmen und das Ziel deines Orgasmus für den Moment weniger im Zentrum zu haben. Denn der wird kommen, wenn du deine Fähigkeiten im Loslassen, im Geniessen und im Fliessen lassen noch weiter verfeinerst. Jede Frau kann lernen, beim Geschlechtsverkehr zum Orgasmus zu kommen, aber es braucht gewisse Entwicklungsschritte, und die brauchen meist auch viele Wiederholungen und somit auch einige Zeit.

Es ist toll, dass du schon mit der Beckenschaukel arbeitest und dass du mit den Beckenbodenmuskeln spielst. Auch den Atem bis in den Bauch fliessen zu lassen ist sehr hilfreich. Auch die obere Schaukel, also die Bewegung des Brustkorbs, kann dir helfen, im "oben" loszulassen und zu fliessen.

Konzentriert euch im Moment auf die Erregungsphase und deren Genuss, ohne den Orgasmus als Ziel. Es ist viel schwieriger, in den Genuss der Erregung zu kommen, wenn der Kopf dauernd mit dem Ziel Orgasmus besetzt ist, beziehungsweise das Risiko für einen Frust ist viel höher. Bedenke, dass bei einer sexuellen Begegnung der Orgasmus nur wenige Sekunden dauert, hingegen die Erregungsphase sehr viel länger. Da macht es Sinn, diese möglichst interessant und genussreich zu gestalten. wink

Und je mehr du in der Gelassenheit und dem Genuss fliessen kannst, desto bessere Voraussetzungen schaffst du dafür, dass der Orgasmusreflex passieren kann. Ich bin überzeugt, dass du es erlernen wirst. Versuche ins Vertrauen in deinen Lernprozess zu kommen und gib dir Zeit für deine sexuelle Lernkurve. 

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