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Mein*e Partner*in hat eine Behinderung oder Krankheit

Wie viel Unterstützung möchtest du geben? Wo liegen deine Grenzen? Hier erfährst du, warum deine Bedürfnisse genauso wichtig sind und wie du deine Eigenständigkeit in der Beziehung bewahrst.

Muss ich für meine*n Partner*in sorgen?

Dein*e Partner*in ist zu 100 Prozent für sich selbst verantwortlich. Das gilt auch dann, wenn er*sie aufgrund einer Behinderung oder Krankheit auf Unterstützung angewiesen ist. Genauso bist du zu 100 Prozent für dich selbst verantwortlich.

Vielleicht braucht dein*e Partner*in bei bestimmten Tätigkeiten Hilfe. Vielleicht gibt es Zeiten, in denen die Krankheit mehr Raum einnimmt oder gemeinsame Pläne angepasst werden müssen.

Du kannst Unterstützung anbieten und bestimmte Aufgaben übernehmen. Aber du entscheidest selbst, welche Aufgaben du übernehmen möchtest und wo deine Grenzen liegen. Dein*e Partner*in trägt die Verantwortung dafür, sich um die notwendige Unterstützung zu kümmern – auch wenn dazu gehört, andere Menschen oder professionelle Angebote einzubeziehen.

Und meine Bedürfnisse?

Deine Bedürfnisse zählen genauso viel wie die deines*deiner Partner*in. Eine Behinderung oder chronische Krankheit macht die Bedürfnisse eines Menschen nicht wichtiger als die eines anderen.

Vielleicht fällt es dir trotzdem schwer, deine Wünsche anzusprechen. Du denkst, dass dein*e Partner*in ohnehin schon stark belastet ist. Vielleicht hast du Schuldgefühle, wenn du Zeit für dich brauchst, etwas allein unternehmen möchtest oder eine Bitte ablehnst.

Wenn du deine eigenen Bedürfnisse ständig zurückstellst, können sich mit der Zeit Unzufriedenheit und Groll aufbauen. Das belastet dich und eure Beziehung.

Was bedeutet Gegenseitigkeit in meiner Beziehung?

In einer Beziehung müssen nicht beide Menschen immer gleich viel leisten. Vielleicht übernimmst du mehr körperliche Aufgaben, während dein*e Partner*in auf andere Weise zum gemeinsamen Leben beiträgt.

Gegenseitigkeit bedeutet nicht, dass du alles genau aufrechnen musst. Es bedeutet, dass du deine Bedürfnisse und die deines*deiner Partner*in gleich ernst nimmst.

Du kannst dich fragen: Kann ich meine Anliegen offen ansprechen? Kann ich Nein sagen? Werden meine Grenzen respektiert? Habe ich genügend Einfluss darauf, wie ich meine Beziehung gestalte?

Was, wenn ich mich mehr als Betreuungsperson fühle?

Wenn du regelmässig pflegerische Aufgaben übernimmst, kann das eure Beziehung verändern. Vielleicht bleibt weniger Zeit für Zärtlichkeit, gemeinsame Unternehmungen oder Sexualität. Vielleicht fühlst du dich zunehmend für deine*n Partner*in verantwortlich.

Du kannst mit deinem*deiner Partner*in darüber sprechen, welche Aufgaben du übernehmen möchtest und wo Unterstützung von aussen sinnvoll wäre. Professionelle Pflege, Assistenz oder Entlastungsangebote können dazu beitragen, dass eure Beziehung nicht nur aus Betreuung besteht.

Das kann besonders wichtig werden, wenn du mit deinem*deiner Partner*in zusammenlebst, Kinder hast oder schon seit vielen Jahren in der Beziehung bist.

Kann ich Nein sagen?

Ja. Du kannst Bitten ablehnen und Grenzen setzen, auch wenn dein*e Partner*in krank ist oder Unterstützung braucht.

Vielleicht reagiert dein*e Partner*in enttäuscht oder wütend, wenn du etwas ablehnst. Das kann schwierig sein, besonders wenn du weisst, wie stark die Person durch ihre Einschränkungen belastet ist.

Aber egal, in welchem Zustand jemand ist und wie schlecht es ihm*ihr geht: Alle Menschen sind dafür verantwortlich, wie sie andere behandeln.

Eine Behinderung oder Krankheit rechtfertigt nicht, dich zu beschimpfen, zu bedrohen, unter Druck zu setzen oder deine Grenzen zu missachten.

Wenn du dich zunehmend eingeschränkt, kontrolliert oder schlecht behandelt fühlst, nimm das ernst. Du kannst mit einer Vertrauensperson sprechen oder dir Beratung holen.

Was, wenn wir immer wieder über dieselben Dinge streiten?

Vielleicht entstehen Konflikte darüber, wie du und dein*e Partner*in eure Zeit verbringen, wer welche Aufgaben übernimmt oder wie viel Rücksicht du nehmen sollst. Unterschiedliche Bedürfnisse können besonders dann zu Spannungen führen, wenn Krankheit, Schmerzen oder Erschöpfung den Alltag beeinflussen.

Vielleicht hast du das Gefühl, zu kurz zu kommen. Dann ist es wichtig, dass du deine Bedürfnisse und Grenzen wahrnimmst und ansprichst.

Du kannst mit deinem*deiner Partner*in besprechen, welche Veränderungen du dir wünschst und welche Unterstützung du geben möchtest.

Wenn Konflikte festgefahren sind, kann eine Beratung helfen, neue Möglichkeiten zu finden. Auch dabei bleibt jede Person für das eigene Verhalten und die eigenen Entscheidungen verantwortlich.