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Behindert/chronisch krank: Fragen zur Verhütung

Deine Eltern wollen dir sagen, welche Verhütung für dich die richtige ist? Oder dir wird nahegelegt, dich sterilisieren zu lassen? Lies, was deine Rechte sind und was du tun kannst.

Wer entscheidet über die Verhütung?

Ganz einfach: du selbst. Wichtig ist, dass du  bist. Was das ist, erfährst du in diesem Text. Mehr zu deinen Rechten erfährst du in unseren Texten Müssen meine Eltern vom Frauenarztbesuch erfahren? und Müssen meine Eltern vom Arztbesuch erfahren?

Welche Verhütung passt für mich?

Über Möglichkeiten der Verhütung kannst du dich in diesem Text und diesem Text informieren. Es ist ausserdem sehr sinnvoll, dass du mit den Fachpersonen, die dir das Verhütungsmittel geben, sprichst, worauf du speziell bei deinen gesundheitlichen Voraussetzungen achten solltest. Eine verantwortungsvolle Entscheidung für deine Verhütungsmethode berücksichtigt auch die gesundheitlichen Folgen deiner Entscheidung.

Verhütungsberatung bekommst du bei einer Fachstelle für sexuelle Gesundheit in deiner Nähe. Am besten sagst du schon bei der Anmeldung, welche Anforderungen du an die Barrierefreiheit hast.

Wie rede ich mit Ärzt*innen?

Ärzt*innen sind dazu da, dich über die Vorteile und Nachteile von verschiedenen Verhütungsmethoden aufzuklären. Sie sollen dir ermöglichen, eine informierte Entscheidung zu treffen. Mehr nicht. Am Ende entscheidest du.

Falls dich deine Ärzt*innen dazu auffordern, dich sterilisieren zu lassen oder eine langfristige Verhütungsmethode zu nutzen, mischen sie sich in deine freie Entscheidung ein, ob oder wann du Kinder bekommen möchtest oder nicht. Das steht ihnen nicht zu. Genauso wenig, wie es ihnen bei Menschen ohne Behinderung oder chronische Krankheit zusteht.

Wieso mischen sich meine Eltern ein?

Vielleicht wollen deine Eltern für dich entscheiden, was die richtige Verhütungsmethode für dich ist. Deine Eltern sind es möglicherweise gewöhnt, viele Gesundheitsentscheidungen für dich zu treffen. Das haben sie vielleicht immer so gemacht, während du ein Kind warst. Aber heute kannst du selbst entscheiden. Auch zu Verhütung.

Es kann sein, dass diese Veränderung deinen Eltern schwer fällt. Das berechtigt sie aber nicht dazu, über deinen Kopf hinweg zu entscheiden. Vor allem wenn es um dauerhafte Formen der Verhütung geht, braucht es dein Einverständnis. Du darfst zum Beispiel nicht ohne dein Einverständnis sterilisiert werden. Dazu interessieren dich vielleicht auch unsere Texte zu Sterilisation bei Frauen und Sterilisation bei Männern.

Wie rede ich mit meinen Eltern?

Du kannst ihnen sagen, dass du langsam erwachsen wirst oder bereits volljährig bist und Entscheidungen selbst triffst. Du kannst ihnen auch Fragen stellen, um die Hintergründe zu verstehen. Du kannst ihnen sagen, was du nachvollziehen kannst und was nicht. Du kannst begründen, warum du dich so entscheidest, wie du es willst. Du musst deine Eltern aber nicht überzeugen. Denn du brauchst ihre Zustimmung nicht.

Wie begegne ich behindertenfeindlichen Einstellungen?

Wenn wir ein paar Jahrzehnte zurückblicken, gab es rund um die Fortplfanzung weit verbreitete behindertenfeindliche Einstellungen. Kurz gesagt, vertraten viele die Meinung: «Gesunde Menschen sollten Kinder bekommen und kranke und behinderte Menschen nicht». Es kann passieren, dass dir solche Einstellungen auch heute noch begegnen. Viele Menschen haben diese Einstellung einfach übernommen, weil sie noch nicht die Gelegenheit hatten, sie zu hinterfragen. Du könntest Menschen zum Nachdenken anregen, wenn du zum Beispiel sagst: «Ich bin ein vollwertiger Mensch und mir steht es ebenso wie jedem anderen Menschen zu, selbst zu bestimmen ob ich Kinder bekommen möchte oder nicht, und auf welche Weise ich verhüten will.»

Wir empfehlen zum Weiterlesen über Ungleichbehandlung rund um Reproduktion die Broschüre "Reproduktive Gerechtigkeit" vom Gunda-Werner-Institut.