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Frage Nr. 41225 von 22.05.2026

Liebes Lili Team

Ich (m, 24) habe schon seit langer Zeit, schon seit Beginn meiner Pubertät eine gewaltvolle sexuelle Fantasie gegenüber Frauen. Ich habe alles zu diesem Thema bereits gelesen und kann mich trotzdem nicht voll und ganz damit abfinden. Meine grösste Sorge ist, dass ich ohne die Fantasie sexuell nicht erregt werden kann. Ich würde niemals etwas tun, ohne den kompletten Konsens meiner Partnerin zu bekommen und selbst dann wäre es mir zu riskant. Leider merke ich, wie ich unbewusst Situationen vermeide, in denen ich mit einer Person intim werden könnte, um eine peinliche Situation, in der ich nicht erregt werde, zu vermeiden. Gleichzeitig fühle ich mich nicht wohl genug, es offen anzusprechen, weil solche Gewaltfantasien auf "normale" Menschen abstossend wirken, was ich auch komplett nachvollziehen kann. Ich wäre als Frau auch nicht gerne mit einer Person zusammen, die solche Fantasien hat. Ich habe versucht die Fantasie zu ignorieren aber sie kommt öfter auf, wenn ich sie nicht gedanklich befriedige oder einen Porno dazu schaue/lese. Zudem habe ich sehr hohe moralische Standarts und hohe Erwartungen an mich selbst, die es fast unmöglich machen, mich wirklich mit positiven Gefühlen diese Fantasie anzuerkennen. Auch habeich gehört, dass ein vermehrtes fantasieren die Fantasie noch zusätzlich verstärkt, soll ich sie nun gedanklich und durch lesen ausleben oder eben eher in den Hintergrund rücken? Und wie überwinde ich die Angst vor dem sexuellen "Versagen" ? (bin Jungfrau). Tut mir leid für die lange Nachricht aber dachte Kontext hilft vielleicht. Vielen Dank euch ihr seid Klasse!

Zudem merke ich fühle ich mich auch nicht wohl mit meiner Sexualität im Allgemeinen. Nur schon im Verein mit anderen nackt duschen habe ich sofern möglich immer gemieden. Könnte gut sein, dass es in einer Beziehungen, in der tiefes Vertrauen herrscht, gar nicht so ein grosses Problem wäre wie ich mir das vorstelle aber der Gedanke daran Dinge auszuprobieren und mal zu erkunden was mir und der Partnerin gefällt stelle ich mir sehr schwierig vor. Beim Gedanken daran werde ich schon nervös und habe in diesem Bereich einfach ein niedriges Selhstwertgefühl auch auf Grund mangelnder Erfahrung. Es gibt Momente da bin ich damit im reinen und akzeptiere mich so wie ich bin und bin bereit mich auf neue Erfahrungen einzulassen aber diese Unsicherheit holt mich früher oder später immer wieder ein.

Unsere Antwort

Zunächst einmal empfehle ich dir diesen Text über sexuelle Fantasien. Es ist wichtig, dass du verstehst, wie sie entstehen, und wie man lernen kann, mit ihnen umzugehen. Ja, sexuelle Fantasien haben eine Lerngeschichte, und wenn du sie explizit suchst, dann übst du sie eher.

In unserer sexualtnerapeutischen Arbeit gehen wir sexuelle Fantasien gezielt auch über den Körper an. Es hat sich herausgestellt, dass das, was man mit dem Körper macht während der sexuellen Erregung, die Gedanken und Bilder beeinflusst, die man im Kopf hast. So wie du über Beziehung zur Sexualität schreibst, denke ich, dass du sowohl während der sexuellen Erregung, als auch grundsätzlich im Leben, tendenziell in einem Spannungssystem unterwegs bist, also in einem System, wo du eher muskulär angespannt bist.

Beim Sex kann andauernd hohe Muskelspannung verschiedene Folgen haben, die störend sind – das kannst du in diesem Text nachlesen. Unter anderem sind Fantasien mit gewaltvollen Inhalten gar nicht so selten. Sie sind so gesehen normal, und haben nichts damit zu tun, dass die Personen irgendwelche gewalttätigen Handlungen machen möchten. Es geht nicht wenigen Leuten damit nicht so gut, du bist also gar nicht alleine.

Wenn du mit einer Frau eine sexuelle Begegnung hast, hemmst du dich zu sehr, wenn du jetzt probierst, die Fantasie zu verbieten. Sie ist eine Fähigkeit, die du dir angeeignet hast, um die sexuelle Erregung zu steigern. Bevor du neue Formen der sexuellen Erregung gelernt hast, die mit anderen Bildern ein hergehen, ist es völlig verständlich, dass die Fantasie aufpoppt. Es kann sogar sein, dass du sie ein Leben lang haben kannst, aber sie wird, je mehr du sexuell dazu lernst, desto weniger wichtig.

Was kannst du dazu lernen? Für dich ist es zentral, dass du während dem Sex in Bewegung kommst. Da beruhigst du dein Nervensystem, hast eher angenehme und sinnliche Gedanken und Bilder, spürst mehr im Körper, wodurch Fantasien sind mehr so wichtig werden, und kommst mehr in ein Gefühl von dynamischer Kraft. Das ist auch Übungssache. Ich möchte dir dazu vorderhand diese Tipps empfehlen. Ich glaube, sie könnten dir sehr helfen, selbstbewusster an das Projekt einer Beziehung mit einer Frau zu gehen.

Alternativ könntest du es auch probieren mit dem Buch Klappt's von Michael Sztenc, das ist ein guter Übungsbegleiter. Es ist auch geeignet, wenn du deine männliche Selbsticherheit fördern möchtest und dich grundsätzlich mit dir als Mann auseinandersetzen möchtest.

Eigentlich fände ich es eine gute Idee, wenn du eine Sexualberatung oder Sexualtherapie machst. Denn das ist einfach am effizientesten. Wichtig ist, dass du dir jemanden suchst, der nach dem Konzept des Sexocorporel arbeitet (andere Therapieformen gehen nicht so auf den Körper ein). Manche Fachpersonen rechnen Sexualtherapie über die Grundversicherung der Krankenkasse ab, andere über Zusatzversicherungen, und bei anderen muss man selbst zahlen. Schau dich doch mal um, was es in deiner Gegend hat.

Diese Antwort gilt auch für Frage 41226.

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