Männlich, 41 Jahre.
Hallo,
kurzer Rückblick.......
Bei mir wurde mit ca. 39 Jahren ADHS festgestellt. Ich bekomme jetzt Medikamente dafür, damit ich besser im Leben zurecht komme.(Elvanse 20mg einmal Täglich morgens). Bin aber nicht mehr in Behandlung, sondern bekomme die Tabletten nur noch verschrieben, da es eine gesicherte Diagnose ist. Ich habe leider noch keinen freien Platz bei einem Psychologen gefunden. Diese Dosis nehme ich jetzt schon mehrere Monate, ohne irgendwelche Nebenwirkungen, oder anderen Problemen.
Aber seit ein paar Wochen habe ich sexuelle Schwierigkeiten bekommen.
Wenn ich mit meiner Freundin schlafen möchte, passiert es jetzt meistens, das ich entweder keine ausreichend harte Erektion bekomme, um in sie einzudringen, oder die Erektion lässt dabei nach. Wenn es Mal funktioniert, das ich eine harte Erektion habe, kommt es aber nur selten, oder gar nicht, zum Orgasmus bei mir, obwohl es sich total schön anfühlt und ich es mir sehr wünschen würde. Wenn wir aufhören, verwöhne ich meine Freundin dann oral und mit der Hand, bis sie gekommen ist. Sobald ich dann aber wieder bei mir zu Hause bin, mache ich SB, da sich einiges an sexuelle Energie aufgebaut hatte. Wenn sie mal Lust hat mir einen Blowjob zu geben, ist die Wahrscheinlichkeit, das ich auch einen Orgasmus bekomme, fast am größten, kann aber auch ziemlich lange dauern, bis ich dann komme.
Sie hat auch schon oft versucht mich mit der Hand zu befriedigen, aber dabei ist es noch nicht zum Orgasmus gekommen.
Vor ein paar Wochen hat es aber wenigstens, noch ein paar Mal geklappt, das wir miteinander schlafen konnten und ich auch manchmal einen Orgasmus gehabt habe.
Ich habe mit meiner Freundin auch schon darüber gesprochen. Sie ist total Verständnisvoll und sehr einfühlsam. Sie meint das es doch überhaupt nicht schlimm ist, wenn wir gerade nicht miteinander schlafen können, oder wenn es nicht bis zum Ende geht. Für mich ist es aber ein riesiges Problem und es belastet mich sehr. Es macht es auch nicht einfacher, das es jetzt die letzten Mal hintereinander nicht mehr geklappt hat. Beruflich bedingt, sehen wir uns leider nur zwei Mal in der Woche. Wir wohnen auch nicht zusammen.
Ich liebe meine Freundin und finde sie auch sehr anziehend und erregend. Wenn wir uns ein bisschen intensiver geküsst haben, passiert es immer, das meine Boxershorts von den ganzen Lusttropfen, total nass ist und das obwohl ich dann nicht Mal einen steifen Penis gehabt habe. Auch morgens habe ich oft eine wirklich harte Erektion, wenn ich aufstehe. Das zeigt mir ja, das eigentlich alles funktioniert.
Vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, das ich lange Zeit keine Freundin gehabt habe und ich meine Sexualität eigentlich bis vor ca. 1,5 Jahre ( da bin ich mit meiner Freundin zusammen gekommen) mit mir selbst ausgelebt habe. Täglich masturbiert und eigentlich immer Lust auf einen Orgasmus gehabt. War auch ein wenig Stress und Druckabbau. Natürlich habe ich auch den Drang gehabt, mich auszuprobieren, auch ohne Partnerin. Ich habe viel Pornos geschaut und mich eigentlich immer nur schnell erleichtert. Deshalb habe ich schon längere Zeit keine Pornos mehr geschaut und mir viel mehr Zeit gelassen, wenn ich SB gemacht habe. Jetzt habe ich sogar versucht, ganz auf SB zu verzichten, damit ich vielleicht besser erregt bleibe. Wie aber oben schon erwähnt, mache ich gelegentlich noch SB. Aber auch beim SB passiert es jetzt manchmal, das meine Erektion nachlässt.
Dadurch das ich gleich zum Anfang unserer Beziehung, mit meiner Freundin darüber gesprochen habe, das ich noch ziemlich unerfahren bin, haben wir alles ganz langsam angefangen. Wie gesagt, zum Anfang war es kein Problem, eine ausreichende harte Erektion zubekommen.
In dem Beipackzettel des Medikament steht drin, das es eine Nebenwirkungen sein kann, das man keine ausreichend harte Erektion mehr bekommen kann.
Was ich aber nicht verstehe ist, das es jetzt erst aufgetreten ist.
Ehrlich gesagt bin ich verzweifelt und enttäuscht da ich jetzt meine Sexualität mit einer andern Person zusammen ausleben könnte, aber es körperlich einfach nicht funktioniert.
Ich wollte mich jetzt als erstes an meinen Hausarzt wenden und mein Problem erklären? Auch wenn es mir total unangenehm und irgendwie peinlich ist.
Wie könnte er mir weiterhelfen?
Welche Fragen werden gestellt?
Wird man vielleicht auch untersucht?
Was gibt es für Behandlungen?
Ich bedanke mich schonmal für die Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Unsere Antwort
Ich würde es nicht ganz ausschliessen, dass das Elvanse mit der Erektion irgendwie zusammen hängt. Das kann manchmal erst nach einer Weile auftreten. Das hängt dann u.a. damit zusammen, wie sich der Körper an das Medikament gewöhnt. Es wäre daher schon sinnvoll, wenn du das mit dem Arzt besprichst, der dir das verschreibt. Du musst deshalb nicht untersucht werden. Du kannst dem Arzt sagen, dass du bis jetzt keine Probleme mit der Erektion gehabt hast und dass das vor ein paar Wochen aufgetreten ist, und dass du dich fragst, ob das mit dem Elvanse zusammen hängt. Du kannst ihm sagen, dass du am Morgen eine ausreichende Erektion bekommst. Möglicherweise ist das vor der Einnahme des Medikaments.
Aber ich kann dir wirklich nicht sagen, ob es zusammen hängt. Wenn das Elvanse dir gut hilft, ist es natürlich eine gute Idee, wenn du es weiter nimmst. Möglicherweise verschreibt ihr der Arzt auch PDE-5 Hemmer, die je nachdem auch die Erektion unterstützen können. Was das ist, er fährst du in diesem Text.
Es gibt bei ADHS neben Medikamenten und Psychotherapie auch andere Dinge, die sehr gut helfen, im Leben besser zurecht zu kommen. Es gibt Achtsamkeitsmeditation, es gibt Coaching, es gibt Selbsthilfegruppen, es gibt interessante Websites mit vielen Tipps. Wenn ich du wäre, würde ich mich schlau machen darüber, was du alles machen kannst. ADHS ist eine Besonderheit im Gehirn, mit der es sich gut leben lässt, wenn man es gut versteht und lernt, damit umzugehen.
Grundsätzlich funktionierst du sexuell gut. Natürlich stehst du jetzt unter Stress, und das macht das mit der Erektion auch nicht leichter. Ich finde, es ist bei dir sehr wichtig, dass du an der sexuellen Technik arbeitest. D.h., dass du dich dafür interessierst, wie du den Körper in der Sexualität einsetzt, und dass du ausprobierst und übst, wie du das auf eine Art und Weise machen kannst, dass du dich emotional beruhigen und gleichzeitig die Durchblutung in deinem Becken fördern kannst. Das ist für deine Erektion und deine sexuelle Erregung zentral.
Eine Erektion braucht eine gute Durchblutung. Was du während dem Sex mit deinem Körper machst, beeinflusst die Durchblutung. Eher hemmend ist starke Muskelspannung, hilfreich ist hingegen Bewegung im Becken und Spiel mit den Beckenbodenmuskeln. Angenommen, du hast gelernt, dich auf eine Weise zu stimulieren, wo der Körper eher angespannt war und die Hand gearbeitet hat. Dann wäre es eine sehr gute Idee, dass du lernst, mit dem Körper in Bewegung zu kommen. Ich möchte dich dafür auf unsere Tipps zur Beckenschaukel verlinken.
Ich würde dir empfehlen, dass du das übst und beim Sex lernst, einzusetzen. Damit machst du dich deine Erektion sicherer und weniger störbar durch äussere Einflüsse wie z.B. Medikamente. Es ist auch eine hervorragende Altersvorsorge. Das kannst du erst unabhängig vom Solosex üben, und dann kannst du beim Solosex die Bewegung immer mehr einsetzen. Solosex kann also eine sehr gute Übung für den Paarsex sein. Ich empfehle dir auch diese Tipps, wie du alleine für den Vaginalverkehr üben kannst. Mehr dazu, wie du grundsätzlich für Sex üben kannst, erfährst du in diesem Text.
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