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Fragen & Antworten:
Schluss mit Gewalt

Frage Nr. 41160 von 05.05.2026

Hey Lili.
Ich bin 13 und war in der 8. Klasse. Ich wurde seit der 3. Klasse stark gemobbt mit allem drum und drann. 2x wurde ich sogar geschlagen und zwinge mich zu reden obwohl ich gar nich will. Nun habe ich etwa vor 2 Monaten in die 7. Klasse gewechselt und es ist viel besser aber ich kann mich nie mehr konzentrieren. Ich sehe immer Bilder vor meinen Augen und in der Pause immer wenn ich der Person XXX sehe kriege ich so Angst und muss weg. Auch im Unterricht muss ich manchmal fast weinen und schreien und ich werde wütend wenn viele Leute im Raum dind jnd es Laut ist. Was soll ich tun?

Unsere Antwort

Nimm dich ernst. Deine Mobbing-Erfahrungen sind noch nicht lange vorbei. Die mobbenden Personen sind wohl auch noch in deiner Nähe. Du wirst also durch dein Gedächtnis und deine Umgebung dauernd an das schädigende und ängstigende Mobbing erinnert. Das stört deine Konzentration.

Wir raten dir mit deinen Eltern, deinen Lehrpersonen oder der Schulsozialarbeiter*in zu reden. Sinnvoll wäre eine Psychotherapie, in der du lernen kannst, dich sicher zu fühlen. Zu einem Teil kannst du das schon. Du merkst, dass es in deiner neuen Klasse besser ist als vorher. Deine Erinnerung stört aber noch. Deine Gefühle können noch nicht glauben, dass du in Sicherheit bist. Und da dir Person XXX begegnet, melden deine Gefühle Gefahr. Aufgrund ihrer Erfahrung haben sie recht. Sie haben aber noch nicht wirklich verstanden, dass du in deiner neuen Klasse sicher bist. Auch deine Angst bei Lärm und vielen Leuten ist logisch. Wenn du keinen Überblick mehr hast, wirst du unsicher. Und dann melden sich die Mobbingerfahrungen wieder. Du kannst lernen, deine jetzige Gefühlsaufregung zu beruhigen. Die meisten Menschen lernen viel besser, wenn sie wohlwollend unterstützt werden. Darum raten wir dir zu einer Psychotherapie.

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Frage Nr. 41141 von 01.05.2026

Hallo Lilli-Team
Meine Frage betrifft Freundschaften/ Beziehungen im Erwachsenenalter. Ich habe eine schwierige Vergangenheit (sexualisierte Gewalt in der Kindheit), was dazu beigetragen hat, dass ich wenige Freund:innen habe. Ich habe Mühe, auf andere zuzugehen, offen zu sein, andere nah ran zu lassen. Aber ich habe auch immer das Gefühl, hässlicher, weniger Wert und teilweise sogar abstossend/ ekelhaft zu sein. Das macht es sehr schwer, Kontakte aufzubauen. Wenn jemand nett zu mir ist, befürchte ich, dass das aus Mitleid geschieht.
Ich habe auch grosse Angst, irgendetwas tiefgründigeres zu teilen, oder darüber zu sprechen wie es mir geht, weil ich nicht so jemand sein möchte, der all seine Probleme ablädt und alle vollquatscht über intime Dinge. Ich möchte nicht belasten oder überfordern. Aber gleichzeitig habe ich den Eindruck, mich da so zurückzunehmen verhindert auch tiefere Beziehung, oder?
Ich denke auch über Liebe/ romantische Beziehungen nach. Ich war nie in einer und war nie verliebt. Ich habe teilweise Angst, gar nicht dazu in der Lage zu sein, dass ich das nie erleben werde. Das macht traurig, aber gleichzeitig wüsste ich auch nicht, wie ich da weiterkomme. Ich versuche Kontakte aufzubauen, Menschen kennenzulernen, Dinge zu unternehmen, wo ich andere treffen kann. Gleichzeitig ist auch nur begrenzt Energie da neben der Arbeit und wenn es mir schlechter geht, wird das alles fast unmöglich durch Schamgefühle und Ekel vor mir.

Unsere Antwort

Deine Erfahrungen in der Kindheit haben in dir Überzeugungen wachsen lassen. Dazu gehört, dass du besser niemandem zur Last fällst und auch niemanden vollquatscht. Mit Belastung kennst du dich also aus und auch mit Überforderung. Also hältst du dich fern. Du merkst jetzt aber, dass Beziehungen nicht so tief werden können, wenn du Abstand hältst.

Eigentlich ist es ja gut, dass du deine Angst bemerkt hast. Sie zeigt dir, dass dir nähere und tiefere Beziehungen fehlen. Die Angst zeigt dir allerdings auch, dass du im Führen einer Beziehung nicht geübt bist. Es gibt also etwas zu lernen. Auch dein Selbstwertgefühl kann noch dazu lernen. Es ist leider so, dass fiese Bemerkungen und Abwertungen immer schädlich sind. Wenn du sie schon in der Kindheit verarbeiten musst, hast du wahrscheinlich die Überzeugung entwickelt, dass du nicht wertvoll bist. Das stimmt nicht! Du hast nicht gelernt, dich wertvoll zu fühlen.

Es gibt keinen Schalter, der ohne dein Zutun einen anderen Menschen aus dir macht. Du kannst aber dein ganzes Leben lang Neues lernen. Der Schalter für das Lernen ist die Einsicht (die du schon hast). Der Schalter für Veränderung ist die Akzeptanz deiner eigenen Gefühle. Sie sind nicht falsch. Sie sind durch falsche Behandlung entstanden. Das solltest du nie vergessen. Du kannst einen neuen Umgang mit dir lernen und dich fragen: ‚Wie kannst du dich selbst wertschätzen?‘ ‚Wie kannst du deine Gefühle lesen und schätzen lernen?‘ ‚Wie kannst du dir andere Menschen erträglich machen?‘

Bisher kostet dein beschämtes Selbstwertgefühl viel Energie. Vielleicht kannst du diese Energie für den Aufbau deiner Beziehungsfähigkeiten einsetzen. Du könntest dir dabei von einer/m Psychotherapeut*in helfen lassen. Du hättest dort die Chance persönliche Dinge zu erzählen und würdest sicher verstanden werden. Du könntest auch üben, dich selbst zu akzeptieren.

Wissen solltest du, dass für die meisten Menschen nahe Beziehungen und Freundschaften schwierig sind. Die meisten Leute haben sich schon von besten Freund*innen und Liebespartner*innen getrennt. Beziehungen muss man wählen und führen. Schau dazu mal unser Kapitel «Beziehungen eingehen» an.

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Frage Nr. 41129 von 28.04.2026

Guten Tag
Ich arbeite für die interne Präventions- und Meldestelle einer Stiftung im Kanton [...]. Nun haben wir an einem Standort in [...], aktuelle Thematik Sexueller Übergriff bei Minderjährigen Mädchen welchen dies während einer Entweichung geschehen ist. Dies wurde alles aufgefangen und die notwendigen Schritte wurden eingeleitet. Auch psychologisch sind die Klientinnen betreut. Nun meine Anfrage: Gibt es ein Angebot, welches Morgen Vormittag uns im Team unterstützen kann um diese Situationen zu reflektieren und auch das Thema Resilienz aufzugreifen?
Herzliche Grüsse

Unsere Antwort

Sorry, wir sind zu spät mit unserer Antwort. Ihr hättet unsere Unterstützung gern bereits gestern gehabt. Wir bieten aber nur anonyme Online-Beratung an. Persönliche Begleitungen und/oder Supervision machen wir nicht. Solch eine Begleitung könnte in einer spezialisierten Opferhilfestelle angefragt werden, z.B. bei Lantana. In Zürich kämen dafür  z.B. Kokon, Castagna oder frauenberatung:sexuelle Gewalt als Kontaktstellen in Frage, oder auch Limita, die Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung. Neben den Berner und Zürcher Fachstellen gibt es in vielen Kantonen spezialisierte Opferhilfestellen. Eine Liste ist unter opferhilfe-schweiz.ch zu finden. Wir hoffen, wir konnten euch etwas weiterhelfen.

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Frage Nr. 41127 von 27.04.2026

Liebes Lilli-Team

Ich gehe morgens häufig vor der Arbeit beim Bäcker vorbei. Dort sitzt fast immer ein älterer Mann (geschätzt über 75). Er grüsst mich seit einiger Zeit immer. Ich bin generell schüchtern und habe Mühe mit Grüssen etc. Aber ich wollte nicht „so sein“ und wünsche auch einen guten Morgen. Dann kam bald dazu, dass er einen guten Tag oder ein schönes Wochenende wünscht. Ich bedanke mich jeweils schnell und gehe. Heute Morgen sagte er dann, ich hätte „herzigi chlini häärli“ zu meiner Frisur. Ich habe „danke“ gemurmelt und bin schnell gegangen.
Es ist mir unangenehm. Ich möchte keine Kommentare zu meinem Aussehen, keine Bewertungen, nicht von alten Männern und schon gar nicht diese Verniedlichung. Vielleicht überreagiere ich. Es hat mich dran erinnert, wie icb mit 17 nach dem Schwimmen aus dem Wasser kam und ein alter Mann auf der Bank mich betrachtete und meinte „Sie haben ein schönes Figürchen“.
Wenn es mehr würde, ist mein nächster Schritt jeweils den Ort zu meiden. Es ist nicht gravierend oder schlimm, das ist mir klar. Und dennoch weiss ich nicht, wie ich damit umgehen soll (w, 27)

Unsere Antwort

Dein ganz persönliches Erleben ist entscheidend. Dir sind die Situationen mit diesem Mann unangenehm. Es geht ganz vielen Menschen so, dass sie unsicher sind, wie sie in dieser Situation reagieren sollen. Nur wenige Menschen wären bei einem unerwarteten Kommentar zum eigenen Aussehen schlagfertig und souverän. Hast du mal Freund*innen davon erzählt? Es kann spannend sein, unterschiedliche Perspektiven dazu anzuhören.

Du beschreibst eine Erinnerung an ein Ereignis vor 10 Jahren. Der Kommentar des Mannes war unangemessen. Wie hast du dich damals gefühlt? Hattest du Angst? Wie hast du gehandelt? Konntest du dich im nachhinein jemandem anvertrauen? Und was hättest du rückblickend gern getan?

Die Situation heute beim Bäcker hat einerseits Parallelen aber auch Unterschiede zu der Situation damals. Du bist bei der Bäckersituation vollständig angezogen, 10 Jahre älter als damals... In der Zwischenzeit sind in deinem Leben bestimmt einiges passiert und du hast vieles in deinem Leben erfolgreich bewältigt.

Du hast bereits einen Plan gemacht, was du tust, wenn es mehr wird. Ich möchte dich darin bestärken, dass du die unangenehme Begegnung meiden darfst. Du darfst ihm auch sagen, dass du lieber keine Kommentare zu deinem Aussehen bekommen möchtest. Das ist aber kein Muss. Ich möchte dich nur darin bestärken, dass du nicht höflich sein musst.

Wenn du magst, schau mal, wie du dich körperlich in der Situation verhältst. Stärkend wirkt zum Beispiel den Kontakt deiner Füße zum Boden zu spüren und in alle Richtungen Raum zu spüren um deinen Körper herum, die Zunge liegt entspannt im Mund, die Augen sind locker, der Bauch darf sich bei der Atmung sanft wölben. Vielleicht hast du Lust, damit zu experimentieren. Möglicherweise erlebst du, dass du anders in die Situation hineingehst. Das könnte dir auch in anderen Lebenslagen helfen, wo du dich unsicher fühlst.

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Frage Nr. 41116 von 25.04.2026

Triggerwarnung
Wenn schon junge Menschen (Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene) opfer von Missbrauch werden, dann ist das zusätzliche Trauma noch körperliche Verletzung durch Ansteckung und ungewollter Schwangerschaft ausgesetzt oder
Vor allem auch hpv schon, wie wirkt sich das aus bei den jungen opfern? Dann haben die opfer dann noch zusätzliche Körperverletzung erfahren oder
Ich finde sollte mehr Aufklärung für pädagogen geben, woran man m*ssbrauch bei Kinder etc erkennt

Unsere Antwort

Ja, du hast ganz recht. Es ist wichtig zu wissen, dass die Folgen von sexuellem Missbrauch weitreichend und vielfältig sind. Wir finden auch, dass alle Menschen darüber Bescheid wissen sollten. Wir müssen aber auch bedenken, dass Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, keine erkennbare Merkmale oder Verhaltensweisen haben. Es ist darum besonders wichtig, dass wir alle lernen, gut zuzuhören. Opfer von Gewalt erzählen ihre Erlebnisse eher einer Person, die gut zuhört und von der sie sich verstanden fühlen. Es ist leider häufig so, dass den Opfern nicht geglaubt wird. Oder, dass die Angesprochenen finden, das Erlebte sei doch nicht so schlimm. Solche Erfahrungen schüchtern Opfer ein. Das führt dazu, dass sie sich selbst beschuldigen. 

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Frage Nr. 41074 von 14.04.2026

Hii,
Ich hatte bereits eine Frage gestellt und möchte mich nochmals zurückmelden (41028).

Ich habe darüber nachgedacht.
Stimmt, wenn ich solche Angst habe, dass mich meine Mutter ignorieren könnte, dann bin ich wieder ein Kind.
Generell habe ich oft das Gefühl keine Ahnung vom Leben zu haben, einfach weil ich so lange in dieser „eigenen“ Welt war.

Unter Familie meinte ich meinen Vater, meine Mutter und meine Schwester (31).
Alle leben in dieser „eigenen“ Welt, obwohl ich glaube, dass mein Vater noch am „normalsten“ ist. Er sagt mir immer wieder, dass ich das schon richtig mache wie ich es mache.

Ich habe das Gefühl, erst seit ich mit meinem Freund zusammen bin lebe ich richtig.
Er hat mich irgendwie da raus geholt… Aber manchmal falle ich zurück und habe wieder solche Angstgefühle. Das nervt mich selbst sehr, weil mir oft garnicht bewusst ist wieso ich Angst habe.

Ich glaube, dass ich den Kontakt mit meinen Eltern bzw. Mit der Familie abbrechen muss, wenn ich weiter eine Zukunft mit meinem Freund haben möchte.

Habt ihr vielleicht Tipps wie ich mit meinen Eltern umgehen kann und wie ich Grenzen setzen kann, damit ich selbst entscheiden kann, wie ich leben möchte?

Unsere Antwort

Zuerst mal: ich finde es gut und wichtig, dass du die Situation schon ganz gut durchschaust. D.h., du siehst eigentlich, wie schädlich euer Familiensystem für dich ist.

Ganz klar: Solange du dir von deiner Mutter vorschreiben lässt, wie du zu leben hast, tut dir der Kontakt nicht gut. Mir gehen da verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf:

  • Du reduzierst den Kontakt aufs mindeste. Letzteres kann als erster Schritt einfacher sein. Hast du denn eine Möglichkeit, auszuziehen? Wenn das möglich wäre, würde ich dir das sehr empfehlen.
  • Der zweite Schritt wäre die Auseinandersetzung mit der Mutter irgendwann einmal. Also ich meine das Gespräch, in dem du ihr klar sagst, wie du die Beziehung definieren möchtest.
  • Interessant finde ich, was du über deinen Vater schreibst: du findest, er sei der normalste, und er scheint das auch gut zu finden, was du machst. Wie steht er dazu, wie deine Mutter mit dir umgeht? Hast du mit ihm schon mal darüber geredet? Hast du ihn mitgeteilt, wie sehr du darunter leidest? Könnte das Gespräch mit ihm allenfalls dazu führen, dass er dir hilft bei der Abgrenzung gegenüber der Mutter?
  • Grundsätzlich könnte es sinnvoll sein, dass du eine Psychotherapie machst oder zu einer psychologischen Beratungsstelle gehst, denn es ist nicht so einfach, sich aus so einem Familiensystem zu lösen; da kann fachliche Unterstützung sehr hilfreich sein. 
  • Ich empfehle dir sehr, dass du unsere Texte über schwierige Familien liest. Ich habe dich ja schon auf diesen Text über das Verhalten von Eltern verlinkt. Von dort kommst du auf weitere Texte, die ich dir auch sehr empfehle.

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Frage Nr. 41028 von 25.03.2026

Hallo Lilli Team,
Ich bin w24 und wohne noch zuhause.
Ich habe folgendes Problem: ich habe große Angst vor meiner Familie, bzw. Vor meiner Mutter.

Immer wenn ich etwas ihrer Meinung nach nicht richtig mache, dann wird sie böse. Das macht sie aber nicht, in dem wir streiten, sondern sie ignoriert mich dann Tagelang.
Wenn ihr etwas nicht passt, dann werde ich zu Luft, bzw. sie wird total gleichgültig.

Seit einem Jahr führe ich eine Beziehung mit einem Mann. Er ist, für mich, die tollste Person auf der Welt,
Aber meine Familie ist immer beleidigt, wenn ich etwas mit ihm unternehme.
Ich habe schon richtig Angst zu sagen, dass ich etwas unternehmen möchte (egal ob mit meinem Freund oder mit Freundinnen), weil in der Zeit ich nicht daheim bin, sondern wo anders.
Ich weiß langsam nicht mehr was ich machen soll, denn diese Angst etwas falsch zu machen (obwohl es ja nicht falsch ist, sich mit Freunden oder dem Partner zu treffen) ist so schlimm. Ich habe richtig Panik und weine viel.

Anstatt, dass meine Familie meinen Freund als neues Familienmitglied sieht, sehen sie ihn als Rivale.

Die ganze Situation findet mein Freund natürlich auch nicht cool.

Kann ich etwas gegen diese Angst tun?
Habt ihr vielleicht Tipps?

Ist es nicht normal, dass ich mein Leben selbst aufbauen möchte und nicht immer erst „bei Mama fragen muss, ob das in Ordnung ist“? So fühlt es sich zumindest immer an.

Unsere Antwort

Doch, es ist normal, wenn du dein Leben selbst aufbauen möchtest. Du bist eine erwachsene Frau. Ich kenne deine Lebensumstände nicht und weiss daher nicht, warum du noch bei deinen Eltern lebst. Ganz klar tun sie dir überhaupt nicht gut. Sie scheinen nicht an deinem Wohlergehen interessiert zu sein, und sie scheinen dir überhaupt nicht zu gönnen, dass du dein eigenes Leben hast. 

Es gibt einen guten Grund, warum du bei dem Verhalten deiner Mutter Angst bekommst – statt dass du dir entrüstet sagst: "So nicht! Das lass ich mir nicht bieten! Ich ziehe aus!" Du hast offenbar Angst davor, dass sie dich ignoriert, und dass du ihr gleichgültig wirst. Was ist daran so schlimm? Ich vermute, das ist eine ganz alte Geschichte. Ich vermute, das sind alte Emotionen, die viel mehr zu dir als kleinem Mädchen passen als zu dir als erwachsene Frau: Wenn die Mutter das Mädchen ignoriert, ist es schlimm, ja eigentlich lebensbedrohlich. Wenn sie die erwachsene Frau ignoriert, ist das allenfalls ärgerlich (oder sogar entlastend, weil sie dich dann in Ruhe lässt). Aber ich glaube die Gefühle des Mädchens sind in dir noch sehr wach. Verstehst du was ich meine? Wenn du von diesen Gefühlen des kleinen Mädchens heimgesucht wirst, dann fällt die Ablösung natürlich wahnsinnig schwer. Siehst du dich als erwachsene Frau? Es würde mich wundern nehmen, was du über diesen Abschnitt denkst. Gern kannst du uns das schreiben.

Du beziehst dich in einem Satz auf deine Familie. Du schreibst, dass sie deinen Freund nicht als neues Familienmitglied, sondern als Rivale sieht. Wer genau ist deine Familie? Mutter, Vater – wer sonst noch? Es kommt mir so vor, als habe deine Familie eine eigene Welt aufgebaut, aus der man nicht ausbrechen darf. Ist das so? Eigentlich geht es ja nicht primär darum, dass dein Freund in die Familie aufgenommen wird, sondern viel mehr darum, dass du deine eigene Familie aufbaust. Da gehört dein Freund dazu, da gehören deine Freund:innen dazu – Menschen, die du dir wählst, und die dir gut tun. Und vielleicht dann irgendwann mal, wenn du das möchtest, auch deine Kinder.

Vielleicht möchtest du uns noch einmal schreiben, uns deine Gedanken zu dem, was ich dir geschrieben habe, mitteilen, und deine Situation etwas genauer erklären. Ich bitte dich zudem, dass du dir diesen Text über das Verhalten von Eltern ansiehst. Du wirst da wahrscheinlich einiges wieder erkennen.

Wenn du uns nochmal schreibst, gib bitte die Nummer dieser Frage an.

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Frage Nr. 41017 von 23.03.2026

Hallo, ich bin eine Frau, 17 Jahre alt. Ich habe seit ich denken kann sexuelle Handlungen an sich selbst von meinem Vater mitbekommen. Ich bin in Therapie deswegen, jedoch lebe ich noch zu Hause und sehe meinen Vater jeden Tag. Manchmal wenn ich ihn sehe fühle ich mich sexuell "erregt". Dieses Gefühl werde ich nur mit masturbation los. Ich habe Albträume über das was ich mitbekommen habe. Wieso werde ich erregt? Ist das Angst oder habe ich gelernt das dass so normal ist? Wie kann ich das loswerden auch ohne Therapie?

Unsere Antwort

Zu deinem Thema haben wir den Text «Sexuelle Erregung bei einem Übergriff» geschrieben. Lies ihn doch bitte. Sexuelle Handlungen bringen sexuelle Erregung mit sich. Dabei ist es ganz egal, ob Zwang im Spiel ist oder die Handlung gegen den Willen einer Person geschieht. Dein Vater hat dich über Jahre mit seinen Handlungen sexualisiert. Diese Erfahrung zeigt sich jetzt manchmal bei dir als sexuelle Erregung - sozusagen aus Gewohnheit. Wichtig ist, dass du deine Erregung nicht bezweifelst. Du hast Albträume. Das Verhalten deines Vaters ist nicht normal für dich. Es macht dir Angst. Um die Erfahrungen zu bewältigen, gehst du in Therapie. Wichtig ist auch, dass du nicht beginnst, gegen deine sexuelle Erregung zu kämpfen. Die willst du ja nicht loswerden. Du möchtest den Einfluss deines Vaters verringern. Also brauchst du eine eigenen sexuelle Welt. Es ist in der Sexualität genauso wie in allen anderen Bereichen des Erwachsenwerdens. Mit der Zeit löst man sich von seinen Eltern und entwickelt Eigenständigkeit. Wenn die Eltern stark eingewirkt haben, braucht man dazu etwas mehr Aufwand. Zu starke Wirkung haben Eltern wenn sie sehr streng sind, aber auch, wenn sie ihr Kind überstimuliert haben. 

Für die Entwicklung von sexueller Eigenständigkeit haben wir diese Website gemacht. Du findest also viele Infos und Anregungen für deine Entwicklung. Hier drei Beispiele: «Wie funktioniert sexuelle Erregung?», «Sexuelle Erregung bei einem Übergriff - warum?», «Wie komme ich mit meinen sexuellen Fantasien besser klar?». In jedem Text findest du weiterführende Links. Unser Rat ist: Wenn du dich mit deiner Sexualität und deinen Beziehungswünschen beschäftigst, mach dir klar, dass es um dein Eigentum geht. Akzeptiere, dass du ab und zu durch unangenehme Reize sexuell erregt wirst. Nimm das nicht so ernst. Mach dich selbständig.

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Frage Nr. 40977 von 17.03.2026

Ich wende mich mit einer Beobachtung an dich. Mir ist aufgefallen, dass ich immer wieder in Erschöpfungszustände gerate bei Prüfungs- oder Konfliksituationen. Zudem habe ich mit Prüfungsangst zu kämpfen.

Mir ist dann aufgefallen, dass dies vermutlich von zuhause kommt. Meine Eltern haben immer irgendein Problem. Meine Mutter ist auch immer erschöpft. Mein Vater ist immer im Tun. Früher als Kind musste ich beispielsweise teilweise Freunden absagen, um mit ihm die Hausaufgaben zu machen. Später durfte ich nicht in die Ferien gehen, da ich für die Prüfungen lernen musste. Wenn ich eine selbstverschuldete schlechte Note hatte, bekam ich nur Vorwürfe.

Meine Mutter war ständig überfordert. Mein Vater hat dann bis ins Erwachsenenalter mit den Lehrern sprechen wollen. Das ist alles für mich sehr schwierig. Ich merke, wie ich in verschiedenen Bereichen immer nach ihren Regeln und Vorstellungen verlief. Ich merke wie mich dieses Muster belastet, da ich mir vermutlich unbewusst immer Druck mache und auch immer wieder Versagensängdte habe.

Von aussen höre ich immer wieder das mein Vater streng ist und das ich mich emanzipieren muss. Ich weiss aber nicht so recht was ich tun kann. Als ersten Schritt bin ich ausgezogen. Dennoch habe ich das Muster in mir. Ich habe auch das Gefühl meine Meinung wird gar nicht wirklich gehört. Wenn ich sage, dass ich beispielsweise müde/erschöpft bin dann höre ich von nichts kommt nichts oder ähnliche Aussagen. Es fällt mir daher auch schwer mich durchzusetzten. Was kann ich tun und wieso sind meine Eltern so?

Unsere Antwort

Deine Eltern haben ihre eigene Geschichte, die ich nicht kenne. Darin wirst du die Antwort finden auf die Frage, warum sie so sind. Entscheidend ist, dass du sehr leidest unter deiner eigenen Geschichte. Es geht darum, dass du dich von dieser Geschichte emanzipiert. Es ist ein guter Schritt, dass du ausgezogen bist. Aber deine Eltern schwingen in dir noch mit.

Wenn du schreibst, dass deine Meinung gar nicht wirklich gehört wird, dann frage ich dich, von wem? Wer sagt, dass von nichts nichts kommt? Welche anderen Bezugspersonen hast du neben deinen Eltern? Das wäre sicher ein wichtiger Schritt, dass du anfängst, auf andere Meinungen zu hören. Wer sagt, dass dein Vater streng ist? Wie stehen diese Leute zum Thema von nichts kommt nichts? Wie stehen sie zur Frage, ob man wer weiss nicht was alles erreichen muss – oder ob man einfach sein darf, und so wie man ist, ist man gut?

Wenn du dir andere Meinungen anhörst, wird dir das helfen, zu relativieren, was dein Vater sagt. Vielleicht hilft das schon. Vielleicht merkst du aber auch, dass du das Muster nicht los wirst. Dann würde ich dir eine Therapie empfehlen. Das sollte bei einer Therapeutin sein, die sich mit interpersonellem Trauma auskennt – und vielleicht eine Weiterbildung in hypnosystemischer Therapie oder Ego States-Therapie hat.

Wir haben übrigens Texte geschrieben über subtile Gewalt in der Familie. Das ist es eigentlich, womit du zu kämpfen hast. Ich empfehle dir darum, dass du diesen Text liest und auch die Texte, auf die er verlinkt.

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Frage Nr. 40914 von 03.03.2026

Ich bin 17 Jahre alt, weiblich und erlebe gewalt durch einen security der an einem bahnhof arbeitet in einer stadt wo ich fast täglich bin. Ich weiss nicht was ich tun soll. Ich kenne mehrere leute denen er dinge angetan hat..
Und noch eine andere Frage was kann ich tun wenn ich ständig anrufe und Nachrichten bekomme mit sätzen wie zb. " schneid dir die pulsschlagªder auf" usw.

Unsere Antwort

Als erstes würde ich dir raten, dich an eine Beratungsstelle für Opfer von Gewalt zu wenden. Die können mit dir zusammen einen genauen Plan erarbeiten, was du tun kannst. Eine Strafanzeige bei der Polizei wäre auch sinnvoll. Dort solltest du aber unbedingt klar machen, dass du Schutz brauchst. Kennst du die anderen Leute, denen er Gewalt antut? Vielleicht könntet ihr euch zusammentun und gemeinsam zur Beratungsstelle oder zur Polizei gehen? Wichtig ist, dass du nicht allein handelst. Gewalt braucht Öffentlichkeit. Der Security kann seine Gewalt nur ausüben, so lange sich niemand wehrt. Wenn eine Gruppe Betroffener auftritt, der Arbeitgeber informiert wird und ein Strafverfahren eingeleitet wird, hört er wahrscheinlich mit seinen Gewalttaten auf. Wenn du dich allein wehrst, könnte es sein, dass er Wege findet, dich einzuschüchtern. Geh dieses Risko nicht ein!

Die Nachrichten die du bekommst, sind nervig und machen Angst. Gehen sie auch auf das Konto des Security? Das Wichtigste ist: Lass dich auf keinen Fall beeinflussen! Denk nicht darüber nach, die Nachrichten zu befolgen! Sammle sie als Beweismittel. Dokumentiere sie mit Absender, Datum und Uhrzeit. Auch in dieser Frage kann dich eine Opferhilfeberatungsstelle unterstützen. Bei der Polizei kann man z.B. Strafanzeigen gegen Unbekannt machen, wenn du nicht weisst, wer dir schreibt.

Für deine beiden Fragen gilt: Such eine Gemeinschaft (Beratungsstelle, andere Opfer, Familie, Freund*innen etc.), die dich unterstützt und schützt! Wehr dich wirkungsvoll, d.h. so offiziell (Polizei, Arbeitgeber d. Täters etc.) wie möglich. Ausführliche Infos findest du in unseren zwei Kapiteln «Gewalt erlebt» und «Stalking und Cyberstalking».

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Frage Nr. 40892 von 25.02.2026

was ist die definition von cybergrooming

Unsere Antwort

«Cybergrooming» ist ein englischer Begriff. Von Cybergrooming ist die Rede, wenn Erwachsene Kinder und Jugendliche im Internet gezielt mit sexuellen Absichten kontaktieren. Ziel sind virtuelle oder echte sexuelle Handlungen mit den Kindern oder Jugendlichen. Manchmal nützen sie ein Fake Profil und geben sich als Gleichaltrige aus. Der Begriff Cybergrooming kommt aus dem Englischen: to groom = putzen, sich zurechtmachen. Die lockere Bedeutung ist das «Vorbereiten» oder «Zurechtstutzen» eines Opfers. Die Vorsilbe Cyber- heisst einfach, dass es online stattfindet. Mehr über Cybergrooming erfährst du in diesem Text.

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Frage Nr. 40868 von 19.02.2026

Ich habe eine Frage ich habe oft Sex mit meinem Freund obwohl ich es nicht will, er kommt und will immer und ich draue mich dann nicht nein zu sagen, der grund wieso ich nicht mit ihm sex will ist weil er immer so grob ist und es einfach weh tut. Ich habe aber Probleme damit Nein zu sagen und auch so sprach Schwierigkeiten ich stottere. Ich weiss nicht was ich machen soll ich habe das gefühl ich komme nicht mehr da raus

Unsere Antwort

Was glaubst du, was passieren würde, wenn du Nein sagst? Und was glaubst du, was passieren wird, wenn du weiterhin mitmachst?

Manchmal sind bestimmte Bedürfnisse so stark, dass wir etwas, was eigentlich sinnvoll wäre, nicht tun. Welchen Sinn erfüllt es für dich, nicht Nein zu sagen? Bist du der Überzeugung, dass du dann mehr geliebt wirst oder er bei dir bleibt?

Es ist wirklich wichtig, dass du deinem Freund mitteilst, wie es dir geht rund um euren Sex. In einer gegenseitig wertschätzenden Beziehung ist es allen Beteiligten wichtig, dass es allen gut geht. Gehen wir mal davon aus, dass dein Freund sich nicht über deinen Willen hinwegsetzen möchte. Dann wäre er vielleicht total erschrocken darüber, dass der Sex dir weh tut und möchte dazu beitragen, dass sich das ändert.

Wie ist denn eure Beziehung sonst? Wo fällt es dir leicht, Nein zu sagen? Wie verständigt ihr euch sonst? Ist da das Stottern auch schwierig oder wird das mehr, wenn du besonders aufgeregt bist?

Eine erste Möglichkeit, um dir etwas Zeit zum Nachdenken zu verschaffen wäre auch, eins eurer nächsten Treffen abzusagen. Dann kommst du gar nicht in die Situation ja oder nein zu Sex zu sagen. Ich kann mir vorstellen, dass das leichter fällt.

Du kannst uns einfach wieder schreiben. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.

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Frage Nr. 40864 von 19.02.2026

Weshalb sind Vergewaltigungsfälle nicht immer und grundsätzlich strafbar, sondern nur bei Opfern im Alter bis 12J.? - Wenn eine Vergewaltigung erst nach 30 Jahren bewiesen werden kann (beispielsweise durch Filmmaterial, neue Zeugenaussagen usw.) , egal ob das Opfer dann noch lebt, sollte die Tat doch bestraft werden können, egal wie alt das Opfer zur Tatzeit war?

Unsere Antwort

Verjährungsfristen spiegeln vor allem die gesellschaftliche Meinung. In der Schweiz und in Europa haben fast alle Straftaten Verjährungsfristen. Unverjährbar ist in der Schweiz nur die Verfolgung sexueller oder pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät. Dies wurde aufgrund der sogenannten «Unverjährbarkeits-Initiative» möglich, die von der Bevölkerung angenommen wurde. Vergewaltigung muss in der Schweiz innerhalb von 10 Jahren angezeigt und innerhalb von 15 Jahren rechtskräftig beurteilt werden. Mord verjährt nach 30 Jahren.

In Deutschland sind Mord, Völkermord und bestimmte Kriegsverbrechen absolut unverjährbar. Dies beruht auf den Erfahrungen aus den Weltkriegen. Für Vergewaltigung gilt eine Verjährungsfrist von 20 Jahren.

Das europäische Parlament berät gerade darüber, ob sexueller Missbrauch von Kindern unverjährbar werden soll.

Du siehst, die Rechtslage ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Die Tendenz geht dahin, die Verjährungsfristen für schwere Sexualstraftaten zu verlängern, damit auch eine spätere Bestrafung möglich ist.

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Frage Nr. 40811 von 10.02.2026

40416 - Ich habe seit ein bis zwei Monaten Sexualität allein gefunden, die schön ist, ohne Gewalt, nicht wehtut, sondern mit Lust und Neugier zu tun hat. Ein Gefühl, meinen Körper zurückzubekommen.
Vor zwei Tagen war aber irgendwas und ich war stattdessen zurück in dem in unlogischer Aneinanderreihung kamen seine Sätze/ Bilder.
Bitte kürzen: [...]
Am Folgetag war ich nicht richtig da, es war, wie durch einen Sumpf zu waten, durch ganz viel Nebel hindurch zu versuchen, bei der Arbeit nicht aufzufallen. Am Abend hat der Körper unwillkürlich gezuckt/ gekrampft.
Ich war gleichgültig/ taub vorher, aber habe den Eindruck dass die Epstein files doch mehr mit mir machen. Es ist so häufig. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Und immer noch empören sich Männer, wenn man diese Dinge (ausserhalb von dem konkreten Kontext sie zB dem Fall Pélicot) anspricht. Es wird so getan als seien es tragische Einzelfälle. Geglaubt wird den Betroffenen nicht. Folgen für die Täter hat es in der riesigen Mehrzahl nicht. Ich fühle mich demgegenüber machtlos. Es macht es auch nicht einfacher, mir selbst zu glauben/ mich ernst zu nehmen. Gerade fühle ich mich auch in meinem
Körper ekelhaft: es ist zu viel da. Zu viel Angriffsfläche, zu viel Sichtbares.
Ich fühle mich irgendwie mutlos gerade, weil Jahre an Therapie, aber richtig an das Thema komme ich nie, traut sich scheinbar niemand und ist wohl auch berechtigt mit dem Risiko der Destabilisierung. Aber es fühlt sich an als würde sich kaum etwas bewegen. Ich weiss nicht wie weiter.

Unsere Antwort

Wie schön, dass es dir gelungen ist, deinen Körper lustvoll und neugierig zu erkunden und erleben. Wir raten dir zum Weiterüben, trotz deiner aktuellen Mutlosigkeit und deinem verständlichen Ohnmachtsgefühl.

Du hast recht. Häufig wird Täterschaft nicht zur Verantwortung gezogen und bestraft. Es gibt immer noch Menschen und Institutionen, die Täterschaft mehr schützen als Opfer. Das kann aber nicht der Grund sein, dass du aufhörst zu lernen.

Du schreibst, dir ist die Erfahrung gelungen, dich ohne Gewaltanwendung sexuell zu erregen. Herzlichen Glückwunsch! Du merkst, dass du auf dem richtigen Weg bist. Nun ist (andauernde) Gewalterfahrung sehr prägend. Darum ändern sich die durch sie hervorgerufenen Gefühle und Verhaltensformen weder schnell noch leicht. Jede erarbeitete Änderung ist zunächst mal labil. Störungen, wie die genannten Medienberichte, können wie Trigger wirken. Alte Gefühle und Verhalten tauchen wieder auf. Es kann sich so anfühlen, als würden die Traumafolgen sich regelrecht an dich klammern. Lass dich dadurch nicht einschüchtern.

Du hast schon lange Therapie gemacht. Geh davon aus, dass du «richtig» an deinem Thema dran bist. Du kannst deine Situation sehr gut beschreiben. Du ahnst, dass Destabilisierung ein Risiko ist. Dir sind selbständig angenehme Körpererfahrungen gelungen. Das sind die «richtigen« Sachen. Du bist verständlicherweise ungeduldig. Ungeduld ist leider selten ein hilfreiches Gefühl. Sie lenkt deine Aufmerksamkeit auf Wünsche, deren Erfüllung in einer unbekannten Zukunft liegen. Deine Lebensrealität verliert dann an Wert. Deine Leistung, dein Einsatz, deine Mühe - alles umsonst. Wenn deine Ungeduld mithilft, deine Ziele im Auge zu behalten und Schritt für Schritt deinen Selbstwert aufzubauen, wäre sie nützlich. Es lohnt sich, zu akzeptieren, dass Heilung von komplexen Traumatisierungen lange dauert. Die Wunden brauchen zur Heilung viel Zuwendung, Verständnis und Fürsorge.

Also: wende dich wieder deinem Körper und deiner Sexualität zu. Es gibt nichts Wichtigeres als dich! Wenn dich die Medienberichte und die aktuellen gesellschaftlichen Realitäten wieder mutlos machen, such nach den Fortschritten. Die Epstein-Files werden z.B. veröffentlicht. Das war lange nicht sicher. Jetzt können wir uns alle empören und die Kraft nutzen, Veränderungen in Gang zu setzen. Mme Pélicot hat uns den Satz: «Die Scham muss die Seiten wechseln» geschenkt. Du kannst dich für den Satz einsetzen, indem du deine Scham gehen lässt. Dann kann sie den Weg auf die richtige Seite finden. Und du wirst dich ohne die Täterschafts-Scham auch anders fühlen. Auch hier müssen wir wohl alle akzeptieren, dass die gesellschaftlichen Veränderungen zum Wohl und zum Schutz der Opfer Zeit brauchen. Ungeduld hilft hier leider auch nicht. Mit Geduld dranbleiben hilft.

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Frage Nr. 40577 von 15.12.2025

Anmerkung zu eurer Antwort zu Frage Nr. 40561:
Wenn eine Person etwas nicht wollte und es wurde trotzdem (also gegen ihren Willen) gemacht, dann ist es doch Gewalt, oder?
Die Person schreibt, auch wenn es ihr danach „gefallen“ hat: Das könnte man auch zB so verstehen, dass eine ungewollte sexuelle Handlung an ihr zu sexueller Erregung oder einem Orgasmus geführt haben könnte. Auch dann wäre es immer noch eine ungewollte Handlung und somit Gewalt, oder?
Ich stelle die Fragen auch zu meinem eigenen Verständnis, ich bin nicht die ursprüngliche Fragestellerin.

Unsere Antwort

Vielen Dank, dass du uns darauf aufmerksam machst. Es wurde tatsächlch etwas gegen den Willen der fragenden Person gemacht. Und das bleibt natürlich Gewalt. Wir hatten die Frage falsch verstanden und gingen davon aus, dass die fragende Person ihre Meinung zu der sexuellen Handlung geändert hätte.

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Frage Nr. 40571 von 13.12.2025

Ich bin 18 Jahre alt und weiblich. Ich habe letzte Woche etwas Belastendes erlebt. Ich habe mich mit einem Typen getroffen, den ich aus dem Internet kannte. Mein Handy hatte nur noch 1% und ich konnte es nicht aufladen. Meine Freunde machten sich Sorgen, da ich nicht erreichbar war und riefen meine Eltern an und erzählten ihnen was ich machte. Mein Vater sagte ihnen "ich mache immer wieder Probleme". Als ich später nachhause kam, sah ich Notize auf der stand, dass er sehr viel für mich getan habe und dies so nicht gehe. Am nächsten Morgen nahm ich all meinen Mut zusammen und ging zu ihm um mit ihm zu sprechen. Er sagte mir, er werde erst mit mir sprechen, wenn Mutter da ist. Er reagierte auch nicht, als ich sagte es sei nichts passiert. Ich schäme mich total dafür und frage mich teilweise ob etwas mit mir falsch ist, dass ich mich mit Typen treffe oder Sachen mache und es meinen Eltern nicht sage. Habe ich etwas falsch gemacht? Ist etwas falsch mit mir?

Unsere Antwort

Nein, du hast nichts falsch gemacht und es ist auch nichts falsch mit dir. Du bist volljährig und darfst selbst entscheiden, wann und mit wem du dich treffen möchtest. Und du entscheidest auch, mit wem du darüber sprechen möchtest und was du lieber für dich behältst. Es ist absolut ok, wenn du deinen Eltern nichts davon erzählen möchtest.

Was das Ganze so belastend macht, ist nicht dein Verhalten, sondern die Reaktion deines Vaters. Er wollte dir ein schlechtes Gewissen machen, indem er dir erst diesen Brief geschrieben und dich dann mit Schweigen bestraft hat. Das ist nicht ok. Es ist nachvollziehbar, dass deine Eltern sich Sorgen gemacht haben, aber das rechtfertigt nicht, dich abzuwerten und dir das Gefühl zu geben, "immer Probleme zu machen". Ich empfehle dir, einmal diesen Text zu lesen. Er hilft dir, genauer zu erkennen, womit dir deine Eltern nicht gut tun. Und dieser Text hilft dir dabei, dich davon zu emanzipieren. Das Ablösen vom Elternhaus dauert in der Regel lange und vielleicht möchtest du dir zu irgendeinem Zeitpunkt in deinem Leben Unterstützung dabei holen.

Kannst du mit deinen Freund*innen über diese Situation sprechen? Haben sie Verständnis für dich? Dann kannst du vielleicht auch mit ihnen besprechen, wie ihr in Zukunft mit einer ähnlichen Situation besser umgehen könnt.

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Frage Nr. 40561 von 11.12.2025

wenn ich etwas zuerst nicht wollte, das dann aber trotzdem gemacht wurde und ich habe es schön gefunden, ist das dann auch Gewalt? Ich bin 15 Jahre alt

Unsere Antwort

Nein, dann ist es keine Gewalt. Wenn jemand mit dir Sex machen wollte und du nicht willst, darf diese Person keinen Sex mit dir machen. Wenn du es dir dann anders überlegst und das auch deutlich sagst, dann macht ihr ja einvernehmlich Sex. Ihr wollt es beide. Und du sagst, du hast es schön gefunden. Es ist also alles in Ordnung. Wichtig ist, dass du übst, eindeutig Ja oder Nein zu sagen.

Wenn du zuerst willst und Ja sagst und erst später merkst, dass du nicht weiter mitmachen willst und dein*e Partner*in hört nicht auf, wären das Gewalt, bzw. sexuelle Handlungen ohne Einvernehmen. Allerdings musst du deutlich Nein sagen, wenn du nicht willst.

Es gibt eine Ausnahme: Nach Schweizer Recht bist du noch im Schutzalter. Die Person, mit der du Sex gemacht hast, darf nicht mehr als drei Jahre älter sein als du. Sonst macht diese Person verbotene sexuelle Handlungen, weil du im Gesetz noch als Kind angesehen wirst. Kinder und Jugendliche sollen mit dem Gesetz vor allen sexuellen Handlungen durch Ältere geschützt werden. 

Nachtrag am 22.12.2025: Unsere Aussage: «Nein, dann ist es keine Gewalt.» ist falsch. Wir haben nicht aufmerlsam geantwortet. Wenn eine Person gegen deinen Willen mit dir sexuelle Handlungen macht, ist das immer Gewalt. Auch wenn du das hinterher schön gefunden hast, waren die Handlungen ja gegen deinen Willen. 

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Frage Nr. 40435 von 22.11.2025

Aktuell hat die Schweiz eine Campagne gegen häusliche/ geschlechterspezifische Gewalt lanciert. Ich unterstütze das sehr. Aber finde es schwierig, zu lesen: Es fange bereits dort an, wo eine Person regelmässig laut wird, um das Gegenüber einzuschüchtern.

… [...] …

Mittlerweile fühlt es sich krass an, dass das für mich „normal“ war (und meine Familie das immer noch verharmlost und normalisiert. Es ist aber Gewalt, oder?

Ich habe gelernt, immer wie auf rohen Eiern zu leben um andere herum. Ich mache das auch jetzt noch, um die Menschen, mit denen ich zusammenlebe, obwohl sie sehr friedlich sind. Wie kann ich das ablegen und selbstsicherer werden?

Ich mache auch Therapie, aber es geht kaum voran.

… bitte den Teil wenn möglich rauslassen. [...]

Unsere Antwort

Ich verstehe dich so, dass die aktuelle Kampagne für dich schwierig ist, weil sie dich daran erinnert, was du als Kind erlebt hast. Gleichzeitig findest du es wichtig und unterstützenswert, dass es diese Kampagne gibt.

Wenn durch die Kampagne Erinnerungen bei dir wach gerufen werden, ist es eine gute Idee, dich im Hier und Jetzt zu orientieren. Heute ist nicht damals und während du die Kampagneninhalte siehst, bist du in Sicherheit. Hast du dafür bereits Methoden in der Therapie gelernt? Falls nicht, empfehle ich dir als ersten Schritt, deine Füße auf dem Boden zu spüren, wenn die alten Gedanken und Gefühle hochkommen.

Ja, das, was du erlebt hast, ist Gewalt (hier auf deinen Wunsch gekürzt). Es geht vielen Gewaltopfern so wie dir. Sie normalisieren, was Betrachter von außen niemals als normal einschätzen würden. Es ist bereits ein grosser Schritt, dass du erkennst, dass du in der Vergangenheit zum Normalisieren tendiert hast und das heute anders handhaben möchtest.

Es ist verständlich, dass du Überlebensstrategien entwickelt hast und die bis heute anwendest, selbst wenn dein Umfeld heute eigentlich friedlich und sicher ist. Auch diese Erkenntnis, dass du die Überlebensstrategien von damals heute eigentlich nicht mehr brauchst, ist ein wichtiger Schritt zu einem leichteren Leben in Zukunft.

Es ist eine wichtige Rückmeldung, wenn du den Eindruck hast, dass du kaum Fortschritte machst in der Therapie. Es wäre aus meiner Sicht sehr wichtig, deinen Eindruck mit deiner therapeutischen Fachperson zu teilen. Wie lange bist du schon in Therapie? Welche Fortschritte hast du bereits gemacht? Und wo wünschst du dir Fortschritte und sie bleiben aus? Woran würdest du Fortschritte erkennen? Es ist eine gute Idee, wenn du das für dich selbst klar benennen kannst, denn dann kannst du es auch im therapeutischen Prozess einbringen. Es kann auch sein, dass deine therapeutische Begleitung viel mehr Fortschritte erkennen kann als du. Auch darüber wäre es sinnvoll ins Gespräch zu gehen.

Zum Weiterlesen empfehle ich dir sehr unser Kapitel Gewalt in der Familie: Was tun?

Meine Einschätzung ist, dass deine Vergangenheitsbewältigung in therapeutischer Begleitung gut aufgehoben ist. Und wir möchten dich zum offenen Ansprechen deiner Anliegen in Therapie ermutigen. Falls es zusätzlich etwas gibt, womit wir dir weiterhelfen können, lass es uns wissen. Du kannst uns einfach wieder schreiben. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.

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Frage Nr. 40416 von 18.11.2025

Ich habe eine Frage, die mir schwer fällt zu stellen. Es geht um „mir wehtun“. Ich habe sexualisierte Gewalt erlebt. Ich habe Unterstützung, aber traue mich nicht, über das zu sprechen, weshalb ich es euch schreibe.
Könnt ihr den Teil hier kürzen?
[...]
Ich bin unsicher, wie ich das einordnen soll? Eine Art „Reenactment“? Oder Ausdruck meiner Gestörtheit?
Habt ihr Ideen, was ich tun kann? Kommt so etwas auch bei anderen vor? (w, 28)
Aktuell habe ich auch den Drang, meinen Körper
irgendwo anzubieten bzw. zu bewirken, dass ein Mann ihn wieder so braucht wie früher.

Ich habe das nie gemacht und bis jetzt habe ich mich auch noch nie so nah an einer Handlung gefühlt. Es macht mir irgendwie Angst; Ich lebe ein ganz anderes Leben, bin ein ganz anderer Mensch und möchte das eigentlich nicht. Es ist wie ein anderer Anteil in mir, der findet, dass ich nur das verdient habe, nur dazu zu brauchen bin.

Unsere Antwort

Du merkst bei den beschriebenen Szenen selbst, dass du dir nicht irgendwelche beliebige Verletzungen zufügst. Du spielst immer wieder die gleichen Szenen durch. Darin kommen zwei emotionale Persönlichkeitsseiten vor. Eine kontrollierende, tätliche Seite verletzt. Die andere leidende Seite schluchzt und fleht. Das entspricht deinem Erleben während der Gewalttaten. Man könnte es Reenactment nennen. Es könnte aber auch als komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-11/6B41) beschrieben werden. Ein wesentliches Symptom ist dort: «schwere und anhaltende Überzeugungen über die eigene Person als erniedrigt, unterlegen oder wertlos, begleitet von Scham-, Schuld- oder Versagensgefühlen im Zusammenhang mit dem traumatischen Ereignis». Dieses Symptom ist nicht auf Gedanken und Gefühle beschränkt. Menschen, die ein sehr negatives Selbstbild haben, behandeln sich selbst auch schlecht. Du kennst das.

Du schreibst, dass du Unterstützung hast. Wir gehen davon aus, dass du eine psychotherapeutische Fachperson meinst. Wenn sie traumatherapeutisch erfahren ist, solltest du dich mit ihr zusammen an die Arbeit machen. Du hast schon vieles verstanden. In der Psychotherapie kannst du lernen, die erlittenen Gewalttaten als eine Realität in deiner Biografie anzusehen. D.h. Du lernst zu akzeptieren und dich innerlich zu distanzieren. Genauso wichtig ist, dass du dich selbst genau verstehst. Dein Verhalten zeigt dir, was du erlebt hast. Du hast das ja selbst schon herausgefunden. Du darfst es nicht vergessen, weil die traumatisierte Seite in dir, deine Unterstützung braucht. Dazu musst du lernen, zu dir selbst freundlich und zugewandt zu sein. Und dazu brauchst du psychotherapeutische Begleitung, weil du in dem Bereich noch nicht viele Möglichkeiten zu denken, zu fühlen oder zu handeln gelernt hast.

Zur Sexualität: Du wiederholst die harte sexuelle Erregung in der Selbstbefriedigung, weil du nichts anderes kennst. Da Sex lernbar ist, könntest du selbst schon in kurzen Übungen ausprobieren, in welchem Mass du weichere Selbstberührungen erträgst. Beginn mit einfachen Körperberührungen. Wie wohl fühlst du dich mit feinem Streicheln, mit versicherndem Auflegen der ganzen Hand oder festem Kneten der Muskulatur? Wie lange hältst du die verschiedenen Berührungen aus? Versuch solche Übungen wie eine interessierte Forscherin zu machen. Quäl dich nicht, sondern hör auf, wenn es unangenehm wird. Dann kannst du deinen ganzen Körper kräftig schütteln, um das unangenehme Gefühl abzustreifen. Am besten übst du jeden Tag. Denn wir lernen nur, wenn wir Sachen oft und möglichst regelmässig wiederholen. Du findest auf unserer Seite viele Übungen. Schau mal, was dich interessiert.

Unsere Vorschläge zielen auf die Verarbeitung deiner traumatischen Erfahrungen. Du hast auch klug verstanden, dass du gelernt hast, viel Schmerz zu ertragen. Typischerweise fällt dir ein, das Gelernte in der Sexarbeit zu verkaufen. Wir raten dir davon ab. Wir wünschen dir, dass du deine Kraft für deine Entwicklung einsetzt und Geduld mit dir hast.

Diese Antwort gilt auch für Frage 40430.

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Frage Nr. 40356 von 07.11.2025

Guten Morgen, die Tochter meiner Partnerin, die mit mir im gleichen Haushalt leben, hat diese Woche berichtet, dass eine Lehrperson in einer Kantonsschule im Kanton Aargau im Unterricht einen falschen Klick getätigt habe und ein Pornobild erschienen sei. Dasselbe erlebte eine Klasse einen Tag zuvor und es soll noch in einer dritten Klasse passiert sein (das mit der 3. Klasse ist bisher ein Gerücht). Die Kinder sind im Alter von 16 Jahren, die Tochter meiner Partnerin hat sehr sensibel und empört reagiert. Sie weigert sich nun, weiter zu dieser Lehrperson in den Unterricht zu gehen und überlegt sich, ihre beruflichen Pläne zu schmeissen, weil sie eng mit dieser Lehrperson verknüpft sind. Die Schulleitung hat nach Intervention einer Schülerdelegation bagatellisiert, das sei normal und nichts Schlimmes. Die betroffene Lehrperson musste dann die Situation klarstellen und sagte, es handle sich um alte Bilder die von KI wegen vieler Klicks ausgewählt wurde (ich wusste gar nicht, dass KI ein Laufwerk auf einem Schulcomputer automatisch öffnen kann). Die Aussage belegt aber, dass die Foto auf der Festplatte abgelegt ist und einige Schüler behaupten, es sei eine ganze Galerie vorhanden gewesen. Die Lehrperson hat dann die Schüler ermahnt, man solle nicht dramatisieren, sie hätten seine berufliche und familiäre Situation in der Hand (Nötigung?). Meine Partnerin hat darauf scharf reagiert und Massnahmen gefordert. Sie überlegt sich auch eine Intervention im entsprechenden Departement des Kantons Aargau und eine Anzeige. Empfehlen Sie uns sogar eine Anzeige und was kann ich als Partner tun? Freundliche Grüsse

Unsere Antwort

Wenn wir Sie richtig verstehen, möchten Sie, Ihre Partnerin und deren Tochter, dass die Schule den Vorfall ernst nimmt. Dazu würde gehören, dass Massnahmen getroffen werden, die verhindern, dass die Bilder nicht nochmals gezeigt werden. Dazu gehört wohl auch, das das gesamte Bildmaterial überprüft wird. Es müsste auch sicher gestellt werden, dass Lehrpersonen die Unterrichtsmaterialien, die sie veröffentlichen, geprüft haben. Dies und die Übernahme der Verantwortung durch Schulleitung und Lehrperson könnten zur Deeskalation beitragen. Die Schülerschaft könnte dann vielleicht glauben, dass die Lehrperson die Bilder nicht absichtlich gezeigt hat. Wenn die Schulleitung hingegen bagatellisiert und die Lehrperson auf die Schüler*innen Druck ausübt, wird der Konflikt verschärft und trägt zur Dramatisierung bei.

Wir raten Ihnen und Ihrer Partnerin mit Tochter, Ihre Forderungen klar zu formulieren, ohne den Konflikt anzuheizen. Wenn Sie nochmals das Gespräch mit der Schulleitung suchen, wäre es günstig, wenn Sie sich Ziele für das Gespräch gesetzt haben. Was soll wie anders gehandhabt werden? Arbeiten Sie mit an zufriedenstellenden Lösungen. Dazu kann auch gehören, das entsprechende Departement mit einzubeziehen.

Da wir keine fachqualifizierte Rechtsberatungsstelle sind, möchten wir zu Erfolgen von Strafanzeigen keine Stellung nehmen. Um zu prüfen, ob es sich um einen Verstoss gegen Art. 197 StGB Schweiz handelt, sollten Sie eine Rechstberatung zu Rate ziehen.

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