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Fragen & Antworten:
Schluss mit Gewalt

Frage Nr. 38005 von 13.03.2024

Passiert „Grooming“ auch bei sexueller Gewalt in der Familie?
Ich bin jetzt erwachsen, ausgezogen und versuche, meine Vergangenheit zu bearbeiten. Um mich sicher zu fühlen, brauche ich Abstand von der Person. Aber er überhäuft mich mit Geld, Geschenken und lieben Nachrichten. Dann fühle ich mich wiederum wie eine schlechte, undankbare Tochter und zweifle an meinen Erinnerungen/ meiner Wahrnehmung. Ich will ihm nicht Unrecht tun, seine Gefühle nicht verletzen.
Aber wie unterscheidet man echtes liebevolles Verhalten ohne Hintergedanken von Manipulationsversuchen?

Unsere Antwort

Vielleicht möchtest du dir mal folgende Frage stellen: Was ist passiert, dass dieser Mann jetzt ein anderer Mensch ist? Hat er eine Therapie gemacht, an sich gearbeitet, dir gegenüber echte Reue gezeigt, wirklich Verantwortung für sein Verhalten übernommen? Welche Erfahrungen hast du mit ihm gemacht, die dir zeigen können, dass sein Verhalten jetzt liebevoll ist? Was spricht dafür, dass er nicht mehr manipuliert?

Wenn du ganz ehrlich hinschaust, siehst du wahrscheinlich, dass er sich nicht verändert hat. Denn du schreibst ja selbst, dass du Abstand von ihm brauchst, um dich sicher zu fühlen.

Ich bitte dich, diesen Text zu lesen darüber, warum Gewalt in der Familie so besonders schlimm ist. Ich bitte dich auch, diesen Text zu lesen darüber, wie man sich an ein Elternhaus anpasst. Die Texte zeigen dir, dass Schuldgefühle, Selbstabwertung und Loyalität gegenüber den Tätern gang und gäbe sind nach schlimmen Gewalterfahrungen im Elternhaus.

Du sagst, du bearbeitest deine Vergangenheit. So wie ich das sehe, hat die Gewalt immer noch nicht aufgehört. Sie geht weiter. Mit dem Geld, den Geschenken und den Nachrichten verwirrt und verstört er deinen Kopf.

Arbeitest du mit einer Fachperson? Wenn ja – bitte besprich mit ihr, wie du dich gegenüber diesem Mann abgrenzen kannst. Wenn nein, wende dich bitte an eine Opferberatungsstelle, damit du Unterstützung bekommst.

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Frage Nr. 38001 von 13.03.2024

Liebe Lilli

Ich habe mich gefragt, ob man auch traumatisiert sein kann ohne eine PTBS zu haben?
Ich leide unter Ängsten, zeitweise Panikattacken und habe auch körperliche und emotionale Flashbacks.
Danke für deine Antwort!

Unsere Antwort

Wenn du ein Trauma erlebt hast, kann das bei dir kurfristig oder längerfristig Folgen haben, unter denen du leidest. Wie das genau aussieht, ist von Person zu Person verschieden. Du scheinst sehr zu leiden. Bist du sicher, dass du keine PTBS hast? Ich weiss sehr wenig über dich, aber das wenige, was du beschreibst, klingt für mich nach PTBS.

Ich empfehle dir dazu unsere Texte über Traumaverarbeitung sowie Probleme nach Gewalterfahrungen und psychischen Störungen nach Gewalterahrungen.

Hast du Unterstützung? Wenn nicht, dann empfehle ich dir das dringend. Du musst da nicht allein durch. Lies dazu bitte diesen Text.

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Frage Nr. 37960 von 07.03.2024

Liebes Lilli-Team
Kennt ihr zufällig in der Schweiz eine Klinik, die Trauma und Essstörung gleichzeitig behandelt? Die Einzelbehandlung macht bei mir keinen Sinn, es kommt nur zu einer Symptomverlangerung, daher die Frage… Essen bzw. nicht Essen ist wie eine „Sucht“:
Sucht ist eine genetisch- und stressbedingte Störung der Dopamin-Glutamat-Interaktion. Ein umfassender Suchtbehandlungsplan, einschließlich einer trauma-informierten Therapie, bietet die größte Hoffnung auf einen Behandlungserfolg. Es ist wichtig, sowohl das Trauma als auch die Sucht zu behandeln. Leider fokusieren viele Behandlungszentren nur ein Gebiet, ohne das andere zu berücksichtigen. Doch beide müssen gemeinsam behandelt werden, weil sie so stark miteinander verbunden sind.
Ich finde in der ganzen Schweiz nichts, was eine Grundversicherung tragen würde, dabei wäre dies doch so wichtig. Weisst ihr zufällig weiter? So selten ist doch dies nicht…
herzlichst,
Eine Betroffene, die sehr verzweifelt ist…

Unsere Antwort

Denkbar wäre, dass du in der Privatklinik Aadorf Hilfe finden könntest. 

 

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Frage Nr. 37924 von 01.03.2024

Hallo, danke für eure wertvolle Arbeit.
Ich versuche, mich langsam der Sexualität zu nähern und diese nicht mehr mit Gewalt gleichzusetzen. Eure Seite hilft mir dabei sehr.
Was ich noch schwierig finde: Solosex löst bei mir oft Schwieriges aus von früher. Oft kommt das Gefühl, mich bestrafen zu müssen.
Ich habe das Gefühl, nach sexualisierter Gewalt in der Kindheit Sexualität nicht geniessen zu dürfen/ sollen. Es löst Schuldgefühle aus, dass ich das damals selbst zu verantworten hatte, was passiert ist.
Deshalb kommt es oft dazu, dass ich, auch wenn ich möglichst liebevoll angefangen habe und es angenehm fand, danach auf schmerzhafte Art weitermache und mich schrecklich fühle.

Könnt ihr mir da vielleicht Tipps geben? (25,w)

Unsere Antwort

Schön, dass unsere Seite dir schon helfen konnte!

Hast du eine Traumatherapie gemacht oder machst du eine Traumatherapie? Das könnte hilfreich sein in dieser Situation. Insbesondere die Arbeit mit verschiedenen Gefühlszuständen ("Anteilen"). Überleg dir mal folgendes: Was bringt es dir, dass du dir selbst die Verantwortung für das Passierte gibst? Was bringt es dir, dass du dich bestrafen möchtest? Oder: Was hat es dir damals gebracht?

Anders gefragt: Worin liegt die Logik, dass du so gedacht hast und so denkst? Überleg dir das auch aus kindlicher Sicht. Ich weiss nicht, wer die Person(-en) war(-en), die dir das Grausame angetan haben, aber möglicherweise war das jemand, mit dem du sehr verbunden warst. Das ist für das kindliche Gehirn völlig überwältigend. Und ein Kind muss Strategien entwickeln, um damit klarzukommen – um emotional zu überleben. Sich selbst die Schuld geben ist eine dieser Strategien. Denn selbst Schuld haben ist einfacher als den geliebten Bezugspersonen die Schuld zu geben. Vielleicht interessieren dich dazu dieser Text und dieser Text.

Heute geht es darum, dass du als erwachsene Frau diesen inneren, kindlichen Gefühlszustand Schutz und Trost bietest. Du kannst ihm beibringen, dass das Schlimme vorbei ist, und dass der Kopf sich nicht mehr einreden muss, dass du schuld bist, um andere Menschen schönzuzeichnen. Denn du brauchst diese Menschen nicht mehr zum Überleben. So etwas tust du am besten in Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Traumatherapeutin.

Diese alten Gefühlszustände werden in unserem Kopf wach wie Flashbacks. In diesem Text kannst du genauer nachlesen, wie es dazu kommt. Sie werden eher wach, wenn wir körperlich in einem Zustand sind, der dem ähnelt, wie er damals war, als die Übergriffe passierten. Daher ist es für dich besonders wichtig, dass du bei der Selbstbefriedigung darauf achtest, in einem aktiven, bewegten Körperzustand zu sein. Ich empfehle, dass du nicht auf dem Rücken liegst. Wichtig ist sowohl die Bewegung im Becken, als auch die Bewegung im Oberkörper.

Schau mal, was du mit meiner Antwort anfangen kannst. Wenn du weitere Fragen hast, schreib einfach wieder. Gib dann bitte diese Fragenummer an.

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Frage Nr. 37921 von 29.02.2024

Liebe Lilli

Danke für euren Beitrag zum Thema Flashbacks! Ich bin selber davon betroffen und werde auch von Flashbacks heimgesucht. Ich habe durch eine unprofessionelle Therapie leider die Erfahrung gemacht, dass ich mit dem Traumatischen allein gelassen wurde und in einen dysreguliereten Zustand geblieben bin. Ich bin zwar heute in einer professionellen Psychotherapie, jedoch habe ich bei jedem Flashback die Angst, nicht mehr aus diesem Zustand herauszukommen. Ich hätte zu diesem Thema noch eine offene Frage: Ich gerate häufiger in dysregulierte Zustände, bei denen ich das Gefühl habe eine nicht zu bewätigende Last liegt auf mir. Ich fühle mich dann häufig depressiv. Ich habe dann starke Kopfschmerzen und bin dann häufig für zwei Tage sehr müde. Ich habe aber häufig kein differenziertes Gefühl, sondern eher ein Gefühl von einer Belastung. Ich habe jedoch keine oder sehr wenige Flashback mit Bildern. Ich werde eher von Panikattacken oder anderen Gefühle heimgesucht. Teilweise auch von Zuständen. Ich habe aber das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt, da ich nicht von Bildern überwältigt werde. Damals suggerierte mir die Therapeutin, dass mein Leiden nicht sehr schlimm sei, da sie Menschen behandelt, welche nicht mehr normal leben können. Ich habe vermutlich daraus die Überzeugung entwickelt, dass mit meinem Leiden und mir etwas nicht stimmt. Nun zu meiner Frage, ist es normal, wenn man nur von Gefühlen oder der Belastung überflutet wird und keine Flashbacks mit Bildern hat?
Ich bedanke mich für eure Antwort!

Unsere Antwort

In unserem Text hast du gelesen, dass Flashbacks als Körperempfindungen und Gefühle auftreten und auch von Bildern begleitet sein können. Und wir betonen, dass Flashbacks keine psychische Störung sind. Sie sind eine Reaktion auf überwältigende Erfahrungen, die «hot» verarbeitet wurden. Im Flashback gibt es keine geordnete, chronologisch richtige Erinnerung. Flashbacks fühlen sich so bedrohlich an, weil deine Erinnerung nicht sagt: «Du weisst ja wie dein Vater dich sehr verhauen hat, als du fünf Jahre alt warst!» Im Flashback ist nur der Schrecken von damals da. Dein Körper zeigt Stress-Symptome (Herzrasen, Atemnot, erhöhte Muskelspannung, kalter Schweiss). Deine Gefühle (Angst, Panik etc.) sagen, dass du in akuter Gefahr bist. Beides schützt. Denn es bereitet dich auf Flucht oder Kampf vor. Wenn die Erinnerung einen Menschen völlig überwältigt, kann der Körper auch erstarren oder die ganze Person wird ohnmächtig. Im Wesentlichen ist ein Flashback also die bruchstückhafte Wiederholung des überlebten Schreckens und zeigt sich als Körper-Empfindung und als Gefühl. Bilder tauchen längst nicht jedes Mal auf. Sie sind meist bruchstückhaft und zusammenhanglos.

Flashbacks haben also oft keine Bilder. Dein Leiden wird durch Bilder auch nicht glaubhafter oder wirklicher (normaler). Nimm deine Flashbacks wie sie sind. Sie möchten nämlich gern ernst genommen werden und Teil deiner Biografie sein. Bis jetzt hören sie von dir: «Ich nehme euch erst ernst, wenn ihr in der richtigen Form auftretet.»

Lies doch in unserem Flashback-Text nochmals die Abschnitte «Wie kriege ich Flashbacks unter Kontrolle?» und «Wie räume ich mit hot memories auf?». Du hast ja professionelle psychotherapeutische Begleitung. Du kannst dort sicher üben, den Flashbacks aus dem Schrecken zu führen und sie zu einem Teil deiner Vergangenheit zu machen.

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Frage Nr. 37851 von 19.02.2024

Hallo, ich habe euren Text zu „Warum ist Gewalt in der Familie besonders schlimm?“gelesen.
Darum dreht es sich in meinem Kopf gerade sehr viel: Wie kann ich das verstehen, wie kann ich das zusammenbringen? Wie kann es Sinn machen, dass die gleiche Person liebevoll, fürsorglich ist und im nächsten Moment bedrohlich, mir weh tut, Dinge mit meinem Körper macht?
Ich habe ein Durcheinander in mir seit die Erinnerungen hochgekommen sind. Es macht mich so traurig. Ich verstehe es nicht und ich fühle mich so einsam, aber brauche gleichzeitig die Distanz zur Familie, um mich überhaupt sicher fühlen zu können.
Ich fühle mich schlecht, schuldig, beschämt, ekelhaft.
Wie kann ich die Beziehung zu den Eltern bei so einem Durcheinander im Kopf gestalten/ aufrechterhalten? Wie kann ich aufräumen?
Bitte entschuldigen Sie mein Durcheinander.

Unsere Antwort

Dein Durcheinander ist eine gute Beschreibung dessen, was im Kopf vorgeht, wenn du Gewalt in der Familie erlebt hast, wie wir das in dem Text beschreiben, den du gelesen hast. Das Gehirn ist schlicht nicht fähig dazu, Liebe und Grausamkeit unter einen Hut zu bringen. Es findet Wege, das Schlimme auszublenden und schönzuzeichnen. Aber das Ausgeblendete kommt irgendwann hoch. Und du erkennst, was du als Kind durchgemacht hast. Diese unbeschreibliche Verwirrung und Überforderung. Jetzt spürst du sie.

Du bist jetzt älter, und du hast mehr Ressourcen. Das ermöglicht dir vielleicht, die Dinge klarer zu sehen und zu begreifen. Du scheinst nicht mehr bei deinen Eltern zu wohnen. Das hilft: Du bist auf sie nicht mehr auf Gedeih und Verderb angewiesen, das heisst, die gute Beziehung ist für dich nicht mehr überlebensnotwendig. Sie sind nicht die Eltern, die du als Kind gebraucht hättest. Von dieser kindlichen Sehnsucht nach den liebenden Eltern musst du dich aus meiner Sicht verabschieden. Möglich ist aber, dass du eine Beziehung zu deinen Eltern aufbaust von erwachsener Person zu erwachsenen Personen. Zentral ist hier, dass du eine gute Beziehung zu dir selbst aufbaust, so dass du dir selbst die Liebe und die Fürsorge geben kannst, die du als Kind gebraucht hättest.

Das ist nicht einfach. Ich empfehle dir dazu unbedingt fachliche Begleitung. Möchtest du dich vielleicht mal an eine Beratungsstelle der Opferhilfe wenden?

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Frage Nr. 37829 von 03.02.2024

Kann ein Hymen eng/ wenig dehnbar sein, obwohl bereits Penetration stattgefunden hat (vor längerer Zeit)? Oder wäre es ein „Beweis“, dass es nie der Fall war?
Ich habe Erinnerungen an sexuellen Missbrauch, aber glaube dass mein Hymen/ Vaginaleingang eng ist.

Unsere Antwort

Der Hymen kann unterschiedlich stark dehnbar sein. Aber ich frage mich, ob du nicht etwas anderes bemerkst: Hohe Muskelspannung im Beckenboden. Die macht den Vaginaleingang nämlich auch eng. Am besten du ertastest das für dich selbst. Ich empfehle dir dazu diese Tipps.

Es ist aus unserer Sicht nicht möglich, aufgrund der Beschaffenheit des Hymen Schlüsse darüber zu ziehen, ob eine Frau schon Vaginalverkehr hatte. Er kann dir daher nicht helfen bei deinen Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch.

Wenn dich das beschäftigt, empfehle ich dir sehr, dass du das mit einer Fachperson besprichst. Hast du dir mal überlegt, irgendeine Form von Therapie zu machen?

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Frage Nr. 37824 von 02.02.2024

Zu Frage 37714
Ja, ich bin in Therapie, jedoch nicht spezifisch für Trauma.

Vielleicht ist es noch nicht gleich der Zeitpunkt, aber manchmal frage ich mich: Ich hatte noch nie eine Beziehung. Männer machen mir Angst. Ich habe auch grosse Mühe mit meiner Sexualität: Sie wirkt auf mich „abstossend“, „falsch“, „ekelhaft“ und beängstigend.
Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit mehr Gedanken daran. Ich kenne zB SB nur als Gewalt-Reinszenierung von früher. Nicht auf eine liebevolle Art.
Gleichzeitig fühlt es sich „falsch“ an, überhaupt eine Sexualität erleben zu wollen. Ich wünsche mir, mein Körper hätte kein Interesse daran.

Soll und kann ich mich dem Thema überhaupt wieder nähern? Und wie kann das aussehen? Wie kann ich meine Sexualität weniger ablehnen?

Unsere Antwort

Ich glaube, dein Körper und dein Kopf haben Interesse an Sexualität. Aber dein Kopf erlebt gleichzeitig starke Ablehnung oder Aversion. Dieser innere Zwiespalt ist nach traumatischen Erfahrungen normal.

Du allein entscheidest, ob du dich dem Thema wieder näherst und wie genau. Wenn es dich gedanklich nicht loslässt, wäre das sicherlich empfehlenswert. Dazu würde ich dir fachliche Unterstützung bei einer Person empfehlen, die sich mit Trauma auskennt. Was sagt dazu deine Therapeutin? Sprichst du mit ihr über die traumatischen Erlebnisse? Sprichst du mit ihr über deine Probleme bezüglich deines Geschlechts und deiner Sexualität? Wenn nicht, wäre das allenfalls möglich?

Es ist möglich, das eigene Geschlecht wieder "zurückzuerobern" und einen neuen, liebevollen Umgang damit zu lernen. Dazu würde ich dir (zusätzlich zur Traumatherapie oder danach) fachliche Unterstützung durch eine Sexualtherapeutin empfehlen. Vielleicht interessiert dich dazu unsere Linkliste.

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Frage Nr. 37799 von 29.01.2024

Halli Hallo
Darf man mit 12 Heiraten? Ist das Legal ? Muss sie/er auch 12 sein?

Unsere Antwort

Beide müssen mindestens 18 Jahre als sein, wenn sie heiraten wollen. Das Durchschnittsalter bei der Eheschliessung ist in der Schweiz bei Männern 32.5 Jahre und bei Frauen 30.4 Jahre. In Deutschland, bzw. in der ganzen Europäsichen Union heiraten die meisten Menschen zwischen 28 und 35 Jahren.

Das Mindestalter für Eheschliessungen in der Schweiz ist 18 Jahre. Zudem muss die heiratswillige Person urteilsfähig sein und darf nicht  bereits verheiratet sein oder in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Die Länder der Europäischen Union haben ebenfalls 18 Jahre als Mindestalter für die Heirat festgelegt. In manchen Ländern gibt es Ausnahmen, wenn z.B. eine Schwangerschaft besteht. Jugendliche, die nicht volljährig sind, brauchen immer das Einverständnis der Eltern.

Es ist wichtig, dass Menschen die heiraten wollen, volljährig und geschäftsfähig sind. So können sie sich besser schützen, wenn Eltern oder Partner*innen mit Druck oder Überredung zu einer Heirat drängen. In internationalen Konventionen, z.B. in Art. 12 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten von 1950, wird die freie Partner*innen-Wahl und der freie Wille zur Eheschliessung festgelegt. Trotzdem gibt es immer noch Zwangsheirat oder arrangierte Ehen gegen den Willen der Beteiligten. In der Schweiz gibt es ein Gesetz, dass Zwangsheirat verbietet. ebenso in Deutschland. 

Du siehst, das Heiraten ist eine ernste Angelegenheit, für die du erwachsen sein musst. Du darfst aber auch mit 12 Jahren eine beste Freundin oder einen allerbesten Freund haben, die/den du sehr lieb hast. Dazu braucht es keine Heirat.

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Frage Nr. 37768 von 26.01.2024

Guten Abend
Meine Tochter (20) wurde mir gegenüber Gewalttätig. Sie hatte mich angelogen. Da Sie Ihr Auto was Leasing ist pro Monat getunint hat. 1000.- ( ich kannte die Preise) Zuerst eine geknallt ins Gesicht bekommen. Dan zu boden gerissen mir mund und Nase zugedrückt verreck du Sau. Seit 5.1 ist Sie bei einer Kollegin unterhetaucht. Ich Mami 42 Verstehe die Welt nicht.

Unsere Antwort

Es ist verständlich, dass du deine Welt nicht mehr verstehst. Wenn die eigene Tochter sich gewalttätig gegen dich verhält, wird dich das sehr belasten. Deine Tochter scheint gemerkt zu haben, dass sie deine Grenzen massiv verletzt hat. Sonst würde sie sich wohl nicht bei einer Freundin verstecken. 

Wir raten dir, dich an eine Opferberatungsstelle in deiner Nähe zu wenden. Dort kannst du erzählen, was du erlebt hast und unter welchen Folgen du leidest. Es ist sicher auch gut, wenn du zusammen mit einer Beraterin prüfst, ob du weiterhin in Gefahr bist. Vielleicht müssen Massnahmen zu deiner Sicherheit getroffen werden. Möglicherweise wäre es aber auch gut, wenn du die Gewalterfahrung mit einer professionellen Psychotherapeutin besprechen könntest. Du könntest dir helfen lassen, den Schaden, den deine Tochter mit ihrer Gewalttat bei dir angerichtet hat, zu verarbeiten. In der Schweiz gibt es spezialisierte Opferhilfeberatungen. In Deutschland wirst du über das Hilfetelefon mit der Telefonnummer 116016 an die richtige Stelle weiter geleitet.

Lass dir unbedingt professionell helfen. Die Folgen von Gewalttaten in der eigenen Familie wiegen schwer.

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Frage Nr. 37752 von 24.01.2024

Hallo
Könnt ihr Bücher zu Trauma/ sexueller Gewalt in der Kindheit empfehlen?
Ich habe bis jetzt „The Body Keeps the Score“ gelesen. Ich bin auch in Therapie, aber würde gerne mehr tun…
Danke :)

Unsere Antwort

Du hast mit dem Buch von Bessel van der Kolk schon ein sehr gutes Buch gefunden. Ergänzend dazu könnten dicc von Deb Dana «Die Polyvagal-Theorie in der Therapie» oder «Der Vagus-Nerv als innerer Anker» interessieren. Traumatische Erfahrungen hinterlassen Spuren im Körper. Darum ist es sinnvoll, die Wahrnehmung auf das Befinden des eigenen Körpers zu legen. Für die Bearbeitung deiner Erinnerungen, Gefühle und Gedanken bekommst du sicher viel Anregungen in der Psychotherapie.

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Frage Nr. 37714 von 16.01.2024

Hallo
Ich habe Frage 37672 gestellt, danke für die Antwort. Ich habe noch eine etwas andere Frage:
Ich habe sehr starke Dysmenorrhoe (brauche eine Kombi von Schmerzmitteln/ Buscopan, dass es überhaupt erträglich bleibt) und verliere immer viele (auch grössere) Koagel.
Ich habe in eurem Beitrag gesehen, ich sollte evt zu einer Frauenärztin gehen.
Mein Problem: Ich war noch nie dort, weil ich (wegen der Erinnerungen) nicht möchte, dass mich irgendjemand dort anfasst.
Ich weiss aber nicht, was ich nun tun soll.
Ich hatte nie einvernehmlichen Sex und dachte, ich brauche daher auch kein Pap-Screening. Ist das anders, wenn in der Kindheit jemand etwas mit mir gemacht hat?

Unsere Antwort

Es stimmt, dass das Risiko für Zellveränderungen am Gebärmutterhals kleiner ist bei Frauen, die keinen Geschlechtsverkehr praktizieren, weil sie so weniger in Kontakt mit Papillom-Viren kommen. Falls es bei dir beim nicht einvernehmlichen Sex zu Geschlechtsverkehr kam, wäre eine Übertagung möglich gewesen. Grundsätzlich wird allen Frauen empfohlen, regelmässige Vorsorgeabstriche vom Gebärmutterhals zu machen, unabhängig von ihrer sexuellen Situation. Denn durch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen kann das Auftreten einer fortgeschrittenen Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung um 80% reduziert werden. Von dem her würde ich dir empfehlen, in eine regelmässige frauenärztliche Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

Wenn du bisher noch nie bei einer Frauenärztin warst und du Angst davor hast, lohnt es sich, wenn du dich ein wenig darauf vorbereitest. Schau dir unsere Texte Was passiert bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung und Tipps zur Entspannung bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung an. Frage bei deinen Freundinnen nach, ob sie dir eine gute Frauenärztin empfehlen können. Möglich ist auch, dass du dich bei einer Beratungsstelle zur sexuellen Gesundheit in deiner Nähe meldest. Dort kann man dir wahrscheinlich auch geeignete Frauenärztinnen empfehlen. Mehr zu diesem Beratungsstellen erfährst du in diesem Text.

Ich empfehle dir, beim ersten Besuch vorerst nur um ein Gespräch zu bitten und eine Untersuchung erst für einen zweiten Besuch zu planen. So kannst du die Frauenärztin zuerst mal kennenlernen und ihr deine Situation schildern. Im Verlauf des Gesprächs kannst du beurteilen, ob du dich mit der Ärztin wohl fühlst und dir eine Untersuchung durch sie vorstellen kannst. 

Hast du wegen der Übergriffe in der Kindheit fachliche Unterstützung? Ich würde dir das auf jeden Fall empfehlen. Ziel ist eine gute Verarbeitung und Befreiung von dem, was dich jetzt belastet. Ich empfehle dir, dich bei einer Beratungsstelle der Opferhilfe zu melden. Mehr über diese Beratungsstellen erfährst du in diesem Text.

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Frage Nr. 37674 von 07.01.2024

(27,w)
Kommt es vor, dass Selbstbefriedigung als Selbstverletzung angewandt wird, wenn jemand sexuellen Missbrauch in der Kindheit erlebt hat?
Ich bin ansonsten überhaupt nicht sexuell aktiv, war es auch nie. Es ist mir länger nicht mehr passiert (von 11-14 Jahren war es häufig), aber kürzlich nun doch:
Mein Körper war erregt und die Folge war, mir sexuell weh zu tun. Habe dabei geweint und mich entsetzlich gefühlt. Ich verstehe nicht, was los ist.

Unsere Antwort

Ja, Selbstbefriedigung als Selbstverletzung gibt es. Dabei muss es nicht unbedingt sexuelle Gewalt gewesen sein, die du in der Kindheit erlebt hast.

Möglich ist folgendes: Du hast sexuelle Gewalt erlebt, und dabei wurde dein Geschlecht verletzt. Dabei wurde bei dir auch sexuelle Erregung ausgelöst. Das Gehirn hat gelernt, das eine mit dem anderen zu verbinden, also sexuelle Erregung mit Schmerzen und Verletzung. Und mit den entsetzlichen Gefühlen von damals. Da kommt es also zu einem Wiedererleben des traumatischen Erlebens von damals.

Möglich wäre auch, dass du dir deine Sexualität aus irgend einem Grund nicht erlaubt hast, oder dass du in Zusammenhang mit sexueller Erregung schlimme Gefühle und Gedanken erlebt hast. Es kann sein, dass du Aggression gegenüber deinem Geschlecht und der sexuellen Erregung entwickelt hast, und dass du dir daher Verletzungen zufügst.

Um das alles besser zu verstehen und zu überwinden, empfehle ich dir fachliche Unterstützung. Du könntest dich dazu bei einer Opferhilfeberatungsstelle melden.

 

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Frage Nr. 37672 von 06.01.2024

Hallo
Ich bin weiblich, 24.

Ich habe seit ich 11 bin mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen.
Seit etwa einem Jahr habe ich „Flashbacks“ von sexualisierter Gewalt durch meinen Vater.
Seit langem plagen mich schlimme Albträume und ich habe Angst vor Männern sowie eine sehr extreme Schreckreaktion.
Ich habe mich als Jugendliche ausschliesslich zu Gewaltfantasien befriedigt und als Kind schon mit Puppen solche Szenarien gespielt.
Es gab auch emotionale zT auch körperliche „Gewalt“ in meiner Kindheit.

Zunächst habe ich das alles weggeschoben, „es kann nicht stimmen“. Aber mein Körper hat mir schon lange Zeichen gegeben. Ich glaube, es war nicht sicher für mich, in dem Umfeld der Realität bewusst zu sein.

Kann man sich erst viele Jahre später explizit wieder an Ereignisse erinnern? Wie sehr kann man dem glauben?
Und wie kann ich das alles hinter mir lassen?

Unsere Antwort

Ja, es ist normal, dass du erst Jahre oder Jahrzehnte später Erinnerungen hast. Bitte lies dazu diesen Text über die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse.

Nimm das Auftreten der Flashbacks erstmal als Zeichen dafür, dass da etwas ernst genommen und verarbeitet werden will. Heute weisst du eins sicher: Du hast als Kind schlimme Gewalt erlitten. Damit du die verarbeiten und ein glücklicher Mensch werden kannst, empfehle ich dir fachliche Begleitung. Die Fachperson kann dir unter anderem helfen, die Flashbacks genauer zu analysieren und klarer zu erkennen, was wirklich war.

Gut möglich, dass die Flashbacks klare Bilder dessen sind, was passiert ist. Was auch immer dein Vater dir angetan hat, es kann mit sexueller Erregung einhergehen. Das wäre eine Erklärung dafür, dass du Gewalt und Sexualität in der Fantasie verbindest.

Möglich ist auch, dass physische und körperliche Gewalt bei dir so starke Emotionen ausgelöst haben, dass dadurch sexuelle Erregung ausgelöst wurde. Schau dir bitte diesen Text über sexuelle Erregung an, da siehst du, dass es dazu keine schönen Gefühle und nicht unbedingt sexuelle Stimulation braucht. Das Gehirn kann dann Bilder weiterentwickeln.

Wenn du ein schlimmes, traumatisches Erlebnis gehabt hast und später daran leidest, ist es empfehlenswert, dass du dich damit auseinandersetzt, das Erlebte von allen Seiten noch mal anschaust, dir eine neue Meinung darüber bildest und es als Teil deiner Geschichte einordnest. So kannst du damit abschliessen und wieder in die Zukunft blicken. Viele fühlen sich dann sogar gestärkt und in mancher Hinsicht reifer als vor dem schlimmen Erlebnis. So eine Verarbeitung kann wenige Tage bis mehrere Jahre dauern.

Für die Verarbeitung sind Gespräche sehr wichtig. Eine Fachperson kann dir dabei helfen, zum Beispiel ein*e Psychotherapeut*in. Du kannst dich auch an eine Opferhilfeberatungsstelle wenden. Das kannst du auch, wenn das traumatische Ereignis oder die traumatischen Ereignisse schon lange Zeit zurück liegen.

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Frage Nr. 37636 von 18.11.2023

Darf man nach einer weisheitszahn op oral sex haben? Ich hatte gestern eine weisheitszahn op, alle vier Zähne wurden auf einmal entfernt, und mein Freund will jetzt das ich ihm eine blase, ich hab irgendwann nachgegeben und es gemacht, jetzt tun die Wunden noch mehr weh und hören nicht auf zu bluten . Zum Zahnarzt kann ich nicht mit dem ist ja voll peinlich.

Unsere Antwort

Du hast die Frage am Samstag gestellt. Heute ist Montag. Ich hoffe, dass die Blutung aufgehört hat und du die Schmerzen unter Kontrolle hast. Wenn nicht, dann würde ich raten, dass du sofort zum zahnärztlichen Notfall gehst. Ich bin keine Zahnärztin, aber es könnte sein, dass bei den Wunden irgendetwas gerissen ist. Das muss behandelt werden. 

Ich verstehe, dass dir das peinlich ist, zu erzählen, dass du deinem Freund einen Blowjob gegeben hast. Ich würde es erzählen, weil es einfach die Ärzt*innen informiert, über das was passiert ist. Deine Gesundheit steht hier im Vordergrund, sie ist das Allerwichtigste. Sie ist viel wichtiger als Peinlichkeitsgefühle. Ich kann dir sagen: Peinlichkeitsgefühle gehen wieder vorbei. Wenn du aber gar nichts erzählen möchtest, geht das auch. Die Ärzt*innen werden dich trotzdem behandeln. 

Ich frage mich, was deinem Freund durch den Kopf gegangen ist — vor, während und nach dem Blowjob. Er wusste ja, dass du Schmerzen hattest und vier Wunden im Mund. Das hat ihn nicht daran gehindert, darauf zu drängen, dass du ihm einen Blowjob geben sollst. Hinzu kommt, dass er dein "Nein" nicht respektiert hat. Dir ist wahrscheinlich bewusst, dass das übergriffiges Verhalten ist. Und du spürst wahrscheinlich, dass das einfach nicht okay ist. Wie geht es dir jetzt damit, dass dein Freund deine Bedürfnisse so missachtet hat?

Ich hoffe, du hast eine Vertrauensperson, mit der du über deine Beziehung reden kannst. Unser Fragefenster ist jetzt bis Ende des Jahres zu, aber du kannst dich gerne wieder melden, wenn es Anfang Januar wieder offen ist. Gib dann einfach die Nummer dieser Frage an.

Wenn du gegenüber deinem Freund besser für deine Bedürfnisse einstehen möchtest, interessieren dich vielleicht diese Tipps

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Frage Nr. 37582 von 06.11.2023

ich wurde mit 15 vergewaltigt, jetzt bin ich 23, ist es zu spät, etwas zu tun?

Unsere Antwort

Es ist nicht zu spät, wenn du gegen die Täterschaft noch eine Strafanzeige machen möchtest.

In der Schweiz bist du mit 15 Jahren noch im Schutzalter. Für sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 StGB Schweiz) ist die Höchststrafe 5 Jahre Gefängnis. Danach bemisst sich die Verjährungsfrist (Art. 97 StGB Schweiz). Sie beträgt 15 Jahre. Da Strafverfahren lange dauern, solltest du dich bald entscheiden. 

Wir raten dir, dich von einer spezialisierten Opferberatungsstelle begleiten zu lassen. Sie informieren dich über deine Rechte im Strafverfahren und allfällige Ansprüche nach dem Opferhilfegesetz. Alle Berater*innen sind gut ausgebildet. Das hilft, dass du deine Erinnerungen an die Vergewaltigung erträgst und vor Gericht aussagen kannst. Auch wenn du dich gegen eine Strafanzeige entscheidest, lohnt sich eine Beratung. Möglicherweise könntest du z.B. einen Beitrag zu einer Psychotherapie erhalten.

  

 

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Frage Nr. 37538 von 31.10.2023

Liebe Lilli,
Wie können Menschen Terror wie in Israel ertragen?
Das übertrifft meine menschliche Vorstellungskraft, wenn Menschen mit Messern und Co erstochen und erschossen werden.
Meine Frage ist, weshalb wird das immer schlimmer?
Ich habe mal gehört, dass im Moment von solchen Extremsituationen der Körper in einen Modus wechselt und körpereigenes Morphium herstellt. Dazu kommen Unwirklichkeitsgefühle auf psychischer Ebene (,, wie in einem Film")
Stimmt das?
Wie reagiert der Mensch auf Extremsituationen? Das ZNS regelt sich so, dass ein Mensch in dem Moment keine Schmerzen mehr wahrnehmen kann, weil die körpereigenen Morphine es verhindern?

Unsere Antwort

Du schreibst: «der Terror… übertrifft meine menschliche Vorstellungskraft.» Genau das Übersteigen unserer Bewältigungsfähigkeiten beschreibt die Traumatisierung.

Wir haben für solche Lebenserfahrungen Überlebens-Hilfen. Während eines Angriffs hilft die Stressanalgesie. Hier werden körpereigene Opioide ausgeschüttet, die für einige Zeit die Schmerzwahrnehmung unterbinden. Dieser Vorgang erklärt, das sich manche Menschen trotz lebensbedrohlicher Verletzungen aus einer Gefahrenzone retten können. Opioide können auch in anderen Stresssituationen ausgeschüttet werden. Zum Beispiel bei hoher sportlicher Belastung. Auch hier erlebt der Körper Stress, der allerdings nicht lebensbedrohlich ist.

Andere Überlebenshilfen für bedrohliche Situationen sind der Kampf, die Flucht, das Erstarren und das Ohnmächtigwerden. In der Psychotraumatologie spricht man von den vier F’s: Fight, Flight, Freeze und Faint. In bedrohlichen Gefahrensituationen reagiert unser Körper zu unserem Schutz schneller als wir denken können. Bevor wir bewusst entschieden haben, haben wir uns schon gewehrt (Fight) oder sind weggerannt (Flight). Es kann aber auch passieren, dass wir handlungsunfähig werden. Opfer von Gewalttaten berichten davon, dass sie sich wie eingefroren gefühlt haben (Freeze) oder sogar bewusstlos (Faint) geworden sind.

Unser Körper hat zwar die beschriebenen Überlebenshilfen vorgesehen. Allerdings heisst das nicht, dass wir deswegen vor Schäden durch Gewalt geschützt sind.

Wenn Menschen so schwere Gewalttaten wie Terrorakte erleben, können sie ein posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) entwickeln. Das PTBS zeigt sich Tage bis Monate nach der Gewalttat. Ein Symptom ist die Übererregung. Die Gewalttat wird vom Körper immer wieder ohne innere Vorbereitung durchlebt. Dies nennt man Flashbacks. Der Körper reagiert dann in ‚normalen’ Belastungssituation so als sei er in Lebensgefahr. Er ist in ständiger Alarmbereitschaft, was sich in Unruhe, Angst, Schreckhaftigkeit, aber auch in Reizbarkeit und plötzlicher Aggression zeigen kann. Auch Schlaflosigkeit und Alpträume können die Folge sein. Zur Vermeidung der Übererregung kann es auch zu vermeidendem Verhalten kommen. Alles, was irgendwie an die Gewalterfahrung erinnern könnte wird umgangen. Ein weiteres Symptom ist die emotionale Betäubung, die sich in Gleichgültigkeit oder Teilnahmlosigkeit zeigen kann. Oft ist damit der Rückzug von Familie und Freund*innen verbunden. 

Auch das Gefühl der Unwirklichkeit ist ein typisches Symptom der PTBS. Die erlebte Gewalt überschreitet die bisherigen Lebenserfahrungen. Als Gedanke kann «das kann doch nicht wahr sein» auftauchen. Der Körper kann so tun, als sei es nicht wahr. Dann nimmt die Person ihr Umfeld «wie in einem Film» wahr.

Die Folgen von Gewalt, die sich als Symptome im PTSB zeigen, wiederholen eigentlich immer die Überlebensreaktionen der vier F's. Für viele Opfer von Gewalt fühlt sich das so an, als höre die Gewalt niemals auf. Oft werden sie deswegen von ihrer Umgebung nicht verstanden. 

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Frage Nr. 37531 von 29.10.2023

Hi liebe Lilli

Danke für diese Seite.
Ich finde sie irgendwie richtig toll, auch wenn die Bilder teilweise komisch sind, aber sie passen irgendwie zu den Themen.

Ich habe diese Seite entdeckt und mir heute ausführlich angeschaut und gedacht, wie gut und wieviel Arbeit darin steckt.

Ich bin 23 Jahre alt und bin w.

Ich habe im Internet nach Antworten gesucht und jetzt bin ich hier.

Ich weiß nicht genau ob ich richtig bin und die Fragen richtig formuliere oder ob sie passen, aber ich probiere es einfach mal.

Ich lebe jetzt seit einem Jahr alleine. Es fühlt sich einsam an. Ich bin in ein anderes Bundesland gezogen und habe kein Kontakt mehr zu meiner Familie.
Ich habe mich hier eingelebt und gehe Arbeiten, aber Freunde habe ich hier noch nicht. Es ist total schwer jemanden kennen zu lernen, aber ich habe nette Kolleginnen, aber ich glaube die finden mich komisch, aber meine beiden Chefs sind sehr nett und die finden mich glaube ich, nicht komisch.

Ich habe kein Kontakt zu meiner Familie, weil es immer schwierig war und wir hatten oft Streit. Es ist zum Schluss eskaliert, mein Vater hat mir weh getan und der hat mir ständig weh getan und meiner Mutter auch, aber die hat nie was getan.
Und dann bin ich geplant weg.
Und jetzt wo ich alleine lebe spüre ich irgendwie sehr, wieviel falsch gelaufen ist und wie gemein meine Eltern waren.

Jetzt habe ich gedacht, ich versuche einfach mit mir selbst gut auszukommen und ein gutes Gefühl tu meinem Körper zu haben. Wie geht das? Ich meine auch mit Berührungen mit sich selbst.
Ich hatte noch nie Sexualität (außer von früher kenne ich nur, das mein Opa mich in mein Intimbereich angefasst hat und ich sollte ihn, obwohl es verboten war, aber der isr dann gestorben als ich 14 war und dann hat ds aufgehört, aber gehört das auch zu Sexualität?)

Ich traue mich irgendwie nicht, mich unten zu berühren, eigentlich denke ich dann an früher, mit dem Opa, wenn ich an Sexualität denke oder an Intimität mit sich selbst.
Eigentlich ist das auch verboten, sich unten zu berühren, das hat meine Mutter mal gesagt. Die Religion erlaubt es nicht. Kennt ihr das auch?
Aber ich bin jetzt nicht mehr religiös.
Ich könnte es versuchen, habe hier schon viel gelesen unter den Infos, aber irgendwie habe ich sorge, das ich doch etwas falsches tue.
Kann das sein?
Ich weiß nicht ob ich es richtig beschreibe. Also jetzt bin ich schon froh und glücklich einfach hier zu sein und meine Wohnung habe ich jetzt auch schön, das war viel Arbeit, ich habe auch noch nicht alles, aber ich mache immer Stück für Stück weiter. Und wichtig ist das ich gut mit der Arbeit klar komme.

Ich habe das hier nicht alles alleine geschafft, meine alte Chefin hat mir geholfen, mit der neuen Arbeit und der neuen Wohnung.
Ich habe bei ihr in der Praxis gearbeitet und jetzt arbeite ich hier in einer Zahnarztpraxis und die hat mir geholfen hier mit der Wohnung und der neuen Stelle, die kennt die hier.
Aber sie wohnt nicht hier. Manchmal schreibe ich mit ihr.

Ich bin einerseits froh woanders ein neues Leben zu haben, anderseits fühlt es sich einsam an. Ist das normal?
Ich komme schon gut zurecht, aber ich spüre irgendwie jetzt einfach nur Alltag und eine warme Wohnung aber irgendwie spüre ich auch erschöpft sein. Ich will einfach nur etwas gutes fühlen. Ich hatte immer gehofft raus zukommen und alleine zu leben, jetzt tue ich das und bin auch froh, aber es ist auch komisch.
Habt ihr Tipps damit es anders wird?
Jetzt schicke ich einfach mal diese Nachricht ab und ich warte einfach ob ich Antwort bekomme.

Danke! Viele liebe Grüße

Unsere Antwort

Zuallererst möchte ich dir sagen, wie beeindruckt ich von dir bin. Es ist toll, wie du dein Leben in die Hand nimmst und selbst aktiv etwas für dich tun willst. Du hast viel Schlimmes erlebt. Dein Opa hat dich sexuell missbraucht. Auch dein Vater hat dir Gewalt angetan. Wenn Menschen so etwas erleben, ist es oft schwer für sie, sich selbst Gutes zu tun. Aber du hast dich entschlossen, umzuziehen und dir ein eigenes Leben aufzubauen. Du willst eine gute Beziehung zu dir selbst. Dass du schon so weit bist, zeigt eine große innere Stärke. Ich hoffe, du bist deshalb stolz auf dich.

Und ja, es ist völlig normal, dass sich dein neues Leben manchmal noch einsam oder komisch anfühlt. Und auch, dass du erschöpft bist, ist sehr verständlich. Diesen neuen Anfang zu schaffen, ist ein echter Kraftakt gewesen. 

Dir scheint unsere Seite ja zu gefallen – vielen Dank für dein Lob! Ich empfehle dir daher, mal ein wenig in unseren Texten herumzulesen. Wir haben nämlich ganz viel geschrieben dazu, was man machen kann, wenn man (sexuelle) Gewalt erlebt hat. Schau doch mal hier:

Deine eigene Sexualität zu entdecken, ist eine tolle Idee. Die Selbstbefriedigung ist ein guter Weg, um ein besseres Körpergefühl zu bekommen und Lust und Genuss zu erleben. Es ist absolut normal, sich selbst zu berühren und sexuell zu erregen! Daran ist nichts falsch. Auch zur Selbstbefriedigung haben wir schon richtig viele Tipps geschrieben:

Lies dich doch mal ein bisschen da durch. Und wenn du weitere Fragen hast, stell sie uns gern.

Ich empfehle dir außerdem, dir eine Psychotherapie zu suchen. Und zwar nicht, weil du irgendwie krank bist, sondern weil du es verdienst, dass dich jemand dabei unterstützt, deine Erlebnisse zu verarbeiten und dir ein gutes Leben aufzubauen. Dafür kann eine Therapie sehr nützlich sein.

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Frage Nr. 37521 von 27.10.2023

Hallo ich bin m (23)ich habe eine Frage zu häuslicher Gewalt auf der Welt? Ich habe auf Wikipedia gelesen, dass in Russland sehr viel häusliche Gewalt es gibt und 14.000 Frauen dort jährlich daran sterben, wieso ist das so? In der Schweiz, Österreich und Deutschland sind es knapp über 200 getötete Frauen pro Jahr wieso ist das so? Wie kann es sein dass in Russland so viele Frauen an Gewalt durch ihren Mann sterben?

Unsere Antwort

Wesentlich für die Verbreitung von Häuslicher Gewalt ist die politische, gesellschaftlich und/oder persönliche Toleranz von Gewalt. Häusliche Gewalt wird von der Regierung in Russland offensichtlich nicht als gefährliches Verbrechen angesehen. Erst 2017 wurde in einem Gesetz Gewalt unter nahen Angehörigen entkriminalisiert. Wenn die körperliche Gewalt nicht zu bleibenden Folgen führt, wird sie nicht mehr als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit geahndet. Die Abgeordnete, die dieses Gesetz initiierte, vertrat die Haltung, ein Gefängnisaufenthalt wegen einem «Klaps» störe den Familienfrieden. Teile der Bevölkerung scheinen diese Sichtweise zu teilen, wie eine Umfrage zeigt. Allerdings bewerten immerhin 70% der jungen Erwachsenen häusliche Gewalt als schwere Straftat. Allerdings lehnen nur 43% der Senior*innen häusliche Gewalt ab. In manchen wissenschaftlichen Artikeln wird auch der hohe Alkoholkonsum als Förderer von häuslicher Gewalt angegeben. 

Grundsätzlich ist häusliche Gewalt ein weltweites grosses Problem. Darum beschloss der Europarat 2011 die Istanbul-Konvention. Wenn ein Staat diese Konvention unterschreibt, verpflichtet er sich, Massnahmen zur wirksamen Verhütung und Bekämpfung häuslicher Gewalt einzurichten. Russland hat nicht unterschrieben. In der Schweiz und anderen europäischen Ländern ist der Prozess, wirksame Massnahmen einzurichten und umzusetzen, noch nicht abgeschlossen. Allerdings sind sich alle gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen einig, dass häusliche Gewalt in einer Gesellschaft nicht toleriert werden darf und jede Gewalttat als Straftat zu bewerten ist. Im Netzwerk Recherche erhältst du mehr Informationen zu Feminiziden.

Wenn eine Regierung bestimmte Formen von Gewalt toleriert, wird sie keine Gesetze schaffen und keine Strafen vorsehen. Wenn eine Gesellschaft Gewalt toleriert, wird sie Gewaltakte rechtfertigen und die Täterschaft entschuldigen oder sogar verstehen. Wenn eine einzelne Person Gewalt toleriert, wird sie Beschuldigungen zurückweisen und sich rechtfertigen. Dies alles führt zur Beschuldigung der Opfer, die neben dem Schaden, den sie erleiden, auch noch die Verantwortung zugeschoben bekommen. Gegen Gewalt hilft also nur eine eindeutige und klare Haltung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Der notwendige Aufwand dafür ist gross. Die Istanbul-Konvention bietet dafür einen Rahmen. Länder, die diesen Rahmen nicht nutzen, bieten geschlechtsspezifischer Gewalt weniger Grenzen. Bedenken müssen wir auch, dass wir das genaue Ausmass der Häuslichen Gewalt in Russland nicht kennen. Wir gehen davon aus, dass Wikipedia gut recherchiert hat.

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Frage Nr. 37379 von 08.09.2023

Servus Lilli Team,
Ich bin männlich und 21 Jahre alt. Ich hab schon immer ein problem mit ängsten und zwängen. Naja ich hab in meiner Kindheit schlechte erfahrungen mit anderen jungs gemacht 1st (wurde als kind gezwungen jemanden einen runterzuh*len) und 2ts hab mich sehr minderwertig gefühlt weil viele damals schon sehr trainiert und ich total dünn hatte da n problem damit. Und nutzte wenn ich davon niedergeschlagen war immer die damalige selbtbefriedigung zum entspannen (war da so 8-10 jahre alt) wusste auf jeden fall nicht was sex ist. Irgendwann als ich wieder einen neuen in der Klasse hatte paar jahre später bekam ich flashbacks und hatte angst schwul zu sein. Das viel dann wieder weg, alle jahre gut immer interesse an mädls nie mehr drüber nachgedacht. Mit 16 kahm der in meine klasse aus der grundschulzeit und hatte wieder angst auf einmal schwul zu werden. Das hörte nach der Schulzeit auf, und jetz hab ich immer wieder mal so komische gefühle die ich nicht zuordnen kann ob ich mich angezogen fühle von einem kumpel oder arbeitkollegen. Das ist aber nicht damit vergleichbar wie wenn ich eine tolle frau sehe. Ich mache mich so verrückt damit ob ich bisexuell bin, das is schon richtig zwanghaft ich weis nicht was ich machen soll. Würde einfach mein leben mit frauen geniesen wollen ich hab auch keine lust auf eine bisexuelle erfahrung.

Unsere Antwort

Grundsätzlich ist es so, dass deine sexuelle Orientierung nicht in den Stein gemeisselt ist. Es gibt Menschen, die sich ausschliesslich von Männern oder Frauen angezogen fühlen. Andere fühlen sich gleich stark von Männern und Frauen angezogen. Manche fantasieren von den einen, würden aber keinen Sex mit ihnen haben wollen. Und so weiter. Das ist alles möglich. Und auch das kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Wichtig ist, dass du selbst entscheidest, welche sexuellen Erfahrungen du mit wem machen möchtest. Und auch, welche Bezeichnung du für deine sexuelle Orientierung wählst. Wenn du dich nicht bisexuell nennen möchtest, dann nenn dich nicht so. Wenn du dich hetero nennen möchtest, dann nenne dich so. Höre dabei darauf, was du möchtest, und womit du dich wohlfühlst. Du schreibst, dass du keine Lust auf eine bisexuelle Erfahrung hast, dann musst du auch keine machen.

Lies dazu bitte undbedingt auch den Text «Schwul, lesbisch, hetero – das ist nicht wie schwarz und weiss».

Du scheinst deine Angst davor, bisexuell zu sein, mit dem sexuellen Übergriff in Verbindung zu setzen, den du als Kind erlebt hast. Ich kann mir vorstellen, dass du damals auch sexuelle Erregung erlebt hast. War das so? Das wäre nämlich völlig normal. Es kann sein, dass du bei einem sexuellen Übergriff sexuelle Erregung erlebt hast, auch wenn du das was passiert ist, gar nicht wolltest. Das liegt daran, dass sexuelle Erregung mit einem Reflex im Körper beginnt, den du nicht bewusst steuern kannst. Und dieser Reflex kann auch durch starke unangenehme Gefühle wie grosse Angst ausgelöst werden. Falls es dir damals auch so ging, dann lies bitte diesen Text. Dort haben wir das etwas genauer beschrieben. 

Es kann auch sein, dass die damals erlebte Erregung Einzug in deine sexuellen Fantasien gefunden hat. Auch wenn du den Gedanken an Männer mit sexueller Erregung verbindest, heisst das noch lange nicht, dass du Sex mit Männern haben möchtest. Das schreiben wir auch in dem ersten Text, auf den ich dich oben verlinkt habe. Hierzu interessiert dich vielleicht auch der Text «Wie komme ich mit meinen sexuellen Fantasien besser klar?».

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