Frage Nr. 38931 von 06.10.2024
Hallo
Ist es möglich, dass man tätlichen Personen nicht ansieht, dass sie hinter verschlossenen Türen sexualisierte Gewalt ausüben?
Also dass sie nach aussen freundlich, zuvorkommend und wie „gute“ Menschen wirken? Und allenfalls auch zwischen Taten liebevoll sind?
Können Täter:innen sich positiv verändern und ist es trotzdem okay als Betroffene:r nicht auf Annäherungsversuche einzugehen bzw. keine nahe Beziehung mehr zu dem Elternteil zu wollen?
Unsere Antwort
Ja, es ist sogar in der Regel so, dass man Menschen nicht ansieht, dass sie hinter verschlossenen Türen gewalttätig sind. Und es kommt häufig vor, dass sie zwischen Gewalttaten freundlich sind.
Das kann für deren Opfer sehr verwirrend sein, weil das freundliche Verhalten nicht zu der Gewalt passt, die sie erleben.
Ja, es ist okay, wenn du Distanz wahren möchtest. Selbst wenn sich Täter*innen positiv verändern, darfst du so viel Abstand haben, wie sich für dich stimmig anfühlt. Die Person sollte das respektieren.
Es kann gut sein, dass jemand davon spricht sich verändert zu haben. Wichtig ist aber das Verhalten der Person und nicht, was sie sagt.
Es klingt als hättest du Gewalt erlebt. Hast du eine gute Begleitung zum Verarbeiten? Wir empfehlen, dass du da nicht allein durch musst. Mit einer Fachperson als Begleitung geht vieles leichter. Bitte schau dazu in unsere Adressliste.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38828 von 20.09.2024
Hallo Lilli
Ich habe eine Frage, wie ich so etwas einordnen kann:
Als Medizinstudentin hatte ich in der Unterassistenz bei der Eintrittsuntersuchung eines älteren Mannes die Sensibilität grob geprüft, wie es Standard ist (ich fahre über beide Arme, dann über beide Beine und frage ob er es spürt und auf beiden Seiten gleich).
Dieser Mann sagte bei den Beinen er sei sich unsicher. Also wiederholte ich die Untersuchung. Er sei sich immer noch unsicher. Nach etwa dem dritten Mal fing er an zu lachen und sagte, er geniesse es gerade einfach.
Ich dachte mir nicht viel dabei, ausser dass mir das sehr unangenehm war als junge Frau, die in der Vergangenheit Schwieriges erlebt hat. Im Nachhinein frage ich mich, ob das anzüglich war?
Es erinnert mich an die Schule, wo ein Junge auch immer Körperkontakt suchte und ich meinte, das gehöre zu einer Freundschaft und zum „nett sein“ dazu, das zuzulassen, auch wenn es mir unangenehm war ständig berührt zu werden und ich kein romantisches/ sexuelles Interesse hatte.
Das ist alles nicht „schlimm“. Aber es ist jemand, der mir in dem Moment näher kommt als mir lieb wäre und wo ich mich nicht wohl/ sicher fühle.
Ich frage mich auch, wie man mit so etwas umgehen kann in der Situation, ohne ein grosses Aufhebens zu machen.
Danke. :)
Unsere Antwort
Das Verhalten des Mannes war unangemessen. Du hast das selbst gemerkt: es war dir sehr unangenehm. Er hat die Situation sexualisiert. Man kann hier von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz sprechen Persönlich kannst du dir überlegen, wie du diese Erfahrung langfristig für dich selbst einordnest. Nimmst du es persönlich als private Erfahrung, schüchterst du dich eventuell selbst ein. Das kann dazu führen, dass dir körperliche Untersuchungen schwer fallen oder du unsicher wirst.
Zu deinem Beruf als Ärztin gehört die körperliche Untersuchung. Diese braucht deine professionelle Haltung. Wir sind der Meinung, dass sexualisiertes oder anderweitig übergriffiges Verhalten nicht nur von Patient*innen bereits im Studium thematisiert werden müsste. Sicher sollte es die Arbeitgeberschaft tun. Sie hat ihre Angestellten vor Übergriffen zu schützen. Eine Ärztin, die sexuelle Belästigung erwarten und ertragen muss, weil es keine Regeln dazu gibt, ist nicht wirklich arbeitsfähig. Du müsstest wissen, ob du in solchen Situationen die Untersuchung abbrechen sollst und wie du den Patienten zurechtweisen kannst. Möglicherweise gibt es an deinem Arbeitsplatz bereits solche Regeln und Richtlinien. Schliesslich ist bekannt, dass Ärzt*innen immer wieder sexuelle Belästigung erleben. Dazu gibt es etliche Untersuchungen. In der Schweiz gibt es remed, ein Unterstützungsnetzwerk für Ärztinnen und Ärzte. Dahin kannst du dich wenden, wenn du im professionellen Setting in eine Krise gerätst.
Lass dich nicht einschüchtern. Sexuelle Belästigung wirst du nicht verhindern können. Du musst sie aber auch nicht ertragen. Einerseits kannst du an deiner Professionalität arbeiten und selbst lernen, eindeutig und klar aufzutreten und deine Arbeitsschritte anzukündigen und begründen. Andererseits ist es die Pflicht deiner Arbeitgeber, dir ein Arbeitsfeld zu bieten, indem du arbeitsfähig bist. Wahrscheinlich wirst du Kolleg*innen treffen, die "alles nicht so schlimm" finden oder behaupten, ihnen passiere so etwas nicht. Diese Kolleg*innen sind nicht hilfreich. Sie tragen dazu bei, dass die Arbeitsatmosphäre für Einige belastend wird und dass übergriffiges Verhalten verschwiegen wird. Das ermutigt allerdings nur die Übergreifer*innen.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38786 von 14.09.2024
Guten Morgen -
Prinzipiell habe ich keinen Zugang zu meinen Gefühlen (Alexithymie). Stamme aus einem puritanische. Elternhaus in der es keine körperlichen Berührungen gab.
Das nervt mich jetzt extrem: ich empfinde körperliche Nähe und Berührungen zunehmend unangenehm - nicht nur fremde sondern auch eigene (also mich selbst zu berühren) ich bin zwar in Therapie, komme aber nicht weiter - es wird eher schlimmer.
Was tun?
Unsere Antwort
Es tut mir leid, dass du damit zu kämpfen hast. Es klingt so, als hättest du in deiner Kindheit nicht das bekommen, was du brauchtest. Wahrscheinlich hängt das auch mit deinem heutigen Erleben zusammen.
Ich weiß aber viel zu wenig über dich, um dir da wirklich weiterhelfen zu können. Hast du denn in deiner Therapie schon darüber gesprochen, dass das ein Problem für dich ist? Es würde Sinn machen, mal gemeinsam mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten genau zu besprechen, welche Berührungen das sind und was daran unangenehm ist. Und dann könntet ihr eventuell weitere Schritte überlegen. Ich weiß nicht, was für eine Art Therapie du machst, aber eventuell könnte auch eine zusätzliche Körpertherapie sinnvoll sein.
Vielleicht möchtest du auch mal einige unserer Texte lesen, zum Beispiel:
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38783 von 13.09.2024
Zu Nr. 38693
Ich habe nun einen weiteren Termin abgemacht, um ein besseres Gefühl zu bekommen. Ich fühlte mich aber beim letzten auch sehr wie ein Kind in der Art, wie ich angesprochen wurde, und das hat mir nicht so gepasst.
Aber es ist scheinbar sehr schwierig, überhaupt einen Therapieplatz zu bekommen; Ich habe mehrere angefragt und es kommen nur Absagen.
Gerade habe ich grosse Mühe mit dem Gefühl, ein schrecklicher Mensch zu sein. Dass ich nur Schaden anrichte und anderen wehtue, dadurch dass ich erinnere/ nicht vergesse/ nicht darüber hinwegsehe.
Ich weiss, dass das nicht rational ist, aber es fühlt sich so stark danach an. Das verstärkt auch das Gefühl dass ich gar keine Existenzberechtigung habe, nie hätte geboren werden sollen und eigentlich einfach eine grosse Belastung bin: Für dir Familie (emotional und finanziell) aber auch für die Gesellschaft (das Gesundheitssystem).
In mir tut es einfach alles so weh.
Unsere Antwort
Ja, es ist schwierig einen Therapieplatz zu finden. Trotzdem sollte er passen. Mir scheint, du bist eine mutige Frau. Und deine Therapeutin ist hoffentlich eine gut ausgebildete Fachperson. Du fühlst dich jetzt verkindlicht. Könntest du nicht (freundlich) sagen: «Die Art wie Sie mit mir sprechen, weckt in mir das Gefühl, ein Kind zu sein. Ich kann dann nicht gut als erwachsenen Frau antworten.» Du nimmst ja mit der Therapie eine Dienstleistung in Anspruch. Bei jeder Dienstleistung steuert man selbst am besten ein wenig mit. Damit das Setting dann für beide passt.
Bei dir steht gerade das Gefühl "ein schrecklicher Mensch zu sein" im Vordergrund. Und du hast schon erkannt, dass du das nicht bist! Nur haben deine Gefühle diese Informationen noch nicht verstanden. Das ist normal. Gefühle entstehen ohne Denken. Mit dem Denken kannst du den Sinn deiner Gefühle erkennen. Der Weg, den Gefühlen Selbstverständnis beizubringen, ist meistens länger.
Kannst du deiner Therapeutin nicht vorschlagen, dass sie sich mit dir zusammen um den Transfer der Einsicht in die Gefühle kümmert? Dann hättet Ihr was ganz Konkretes zu tun. Wenn deine Gefühle fühlen können, dass das "schreckliche-Mensch-Gefühl" in früheren Beziehungen entstanden ist, werden sie ruhiger werden. Und du wirst dir dann selbst mit mehr Wertschätzung begegnen können. Wahrscheinlich kannst du die Therapeutin dann gut gebrauchen, wenn du verstehen und fühlen willst, wie man wertschätzt und zugewandt bleibt. Wenn man Wertschätzung lange vermisst hat, braucht es oft eine Zeit von Trauer und Schmerz, bis man selbst wertschätzend zu sich selbst sein kann. Auch da könnte die Therapeutin hilfreich sein.
Nimm also deine Therapeutin nicht einfach so wie sie ist, sondern überleg dir immer wieder, was du brauchst und was du ändern willst. Manches wird die Therapeutin können. Manchmal wird sie dich auch falsch verstehen. Manchmal hat sie vielleicht eine andere Meinung als du. Versuch ohne Streit, aber mit starkem Einsatz für dich selbst, deine Therapie zu formen. Wenn du merkst, dass die Therapeutin deine Mitarbeit nicht akzeptieren kann, solltest du dich auf den anstrengenden Weg eines Therapeutinnenwechsels machen. Pass gut auf, dass du einen Wechsel in dir nicht als dein persönliches Scheitern ablegst. Das ist falsch - sagt deine Vernunft. In dem Fall hätte eine Beziehung nicht gepasst. Das gibt es oft.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38782 von 13.09.2024
welches sind die konsequenzen wenn man das schutzalter missachtet?
Unsere Antwort
Das Schutzalter ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich geregelt. In diesem Text kannst du nachlesen, welche Gesetze in der Schweiz gelten. Für Deutschland und Österreich gelten andere Gesetze. Darüber kannst du hier bei Wikipedia nachlesen. Die deutsche Rechtslage bekommst du auf zanzu.de einfach erklärt.
Das Schutzalter soll Kinder und Jugendliche vor sexuellen Erfahrungen schützen, die sie emotional überfordern oder nicht gut für ihre sexuelle Entwicklung sind. Wird das Schutzalter missachtet, kann das auch schwerwiegende psychische Folgen für die minderjährige Person haben.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38776 von 11.09.2024
Woran weiß man ob man wirklich belästigt wurde, oder ob man es sich nur einbildet? Ich habe eine Erinnerung wo mein Vater betrunken war und mich im bekleideten Intimbereich berührt hat. Das ganze ist viele Jahre her. Ich war da elf oder 12 Jahre. Als ich ihn am nächsten Tag darauf ansprach konnte er sich nicht mehr erinnern. Ich hatte auch mal eine Situation wo ein Mitschüler mir mitten im Pausenhof die Hose runter ziehen wollte, was ihm nicht gelungen war. Er hat dann am nächsten Morgen gesagt "Ich würde irgendwann mit einem Mann ficken." Da war ich etwa zehn, oder elf. Ich wollte es meiner Lehrerin sagen, aber sie hat mir nicht zugehört. Der Junge ist später von der Schule geflogen weil er auch andere Kinder angefasst hat Mit 15 Jahren hat mir dann ein jüngerer Junge im Schwimmbad an den Po gefasst und ich habe gehört das sein Kumpel gefragt hat warum er mir nicht an die Brust gefasst hat. Ich war an dem Tag mit meinem Vater im Schwimmbad und ich wollte nicht mit ihm drüber sprechen, weil ich dachte er glaubt mir wieder nicht. Außerdem waren die beiden zu jung für eine Anzeige. Heute Abend habe ich meinen Vater mit offener Hose dastehen sehen wie er den Sonnenuntergang beobachtet hat. Es war ihm ziemlich unangenehm das ich ihn gesehen habe. Ich weiß auch nicht ob er in den Garten gewinkelt hat oder was anderes. Ich habe nicht so genau hingeschaut und bin wieder woanders hin gegangen. Stimmen meine Erinnerungen und wie soll ich damit umgehen? ( weiblich 29)
Unsere Antwort
Wir können nicht beurteilen, ob deine Erinnerungen stimmen. Wir können dir aber bestätigen, dass die Situationen, die du beschreibst, sexuelle Belästigungen sind. Das Verhalten der Belästiger waren direkt und absichtlich gegen dich gerichtet. Du wurdest körperlich gegen deinen Willen berührt und mit Worten beleidigt. Ob dein Vater dich gestern Abend belästigen wollte, kannst nur du selbst wissen. Wichtig ist: Bei Belästigungen zählt das eigene Gefühl und die eigene Wahrnehmung mehr als die Meinung der anderen. Du wolltest einer Lehrerin von Belästigungen erzählen, sie hat nicht zugehört. Später bekamst du allerdings eine Bestätigung für deine Wahrnehmung. Der Junge wurde wegen sexueller Belästigungen von der Schule verwiesen. Du hast einen Vater erlebt, der sich nicht erinnern konnte. Das ermutigt nicht, mit ihm über sexuelle Belästigung zu reden. Leider gibt es immer noch viele Menschen, die sich nicht erinnern, nicht zuhören oder nicht glauben, wenn sie von sexuellen Belästigungen hören. Eben darum ist es wichtig, dass du deinem Gefühl vertraust.
Du fragst, was du machen kannst. Wenn sich jemand Anderer zum belästigen entschieden hat, wirst du das kaum verhindern können. Du bist ja keine Hellseherin. Du hast für strafbares Verhalten Anderer keine Verantwortung. Du wirst aber wissen, wann und wie du belästigt wurdest. Und du wirst lernen können, darauf zu reagieren. Ziel ist dabei deine mentale Gesundheit und dein Wohlbefinden. In unserem Text «Was tun bei sexueller Belästigung?» beschreiben wir, welche Arten von Belästigungen strafbar sind und was du konkret tun kannst. Zudem würden wir dir raten, dich um dein Selbstwertgefühl und deine Eigenständigkeit zu kümmern, damit du deine Haltung bewahren kannst, auch wenn Andere anderer Meinung sind. Kleine Hinweise dazu geben dir vielleicht diese beiden Infotexte: «Eigenständigkeit in Beziehungen» und «Wie löse ich mich von meiner Kindheit».
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38771 von 09.09.2024
Danke für die Antwort zu meiner Frage Nr. 38754. Es entlastet mich sehr.
Ich merke, dass ich langsam an den Dingen zerbreche, da ich keine „Therapie/einen „Ort“ habe und nirgends angeschlossen bin, jedoch wage ich es nicht mehr mich jemanden anzuvertrauen (ausser hier), denn mein Hintergrund ist komplex und ich belaste Therapeuten zu sehr, dass ich es alleine trage… Ich weiss schlicht nicht mehr weiter und habe schon sehr viel ausprobiert. Selbst einer Trauma-Station war ich „zu viel/zu komplex“…. Das ist sehr hart weiter zu machen, an sich zu glauben, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und alles weiter zu „ertragen“… Allein.
Liebe Grüsse
Unsere Antwort
Wir sind sehr froh, dass dich unsere Antwort entlastet hat. Und wir sind gern bereit, dir noch einige Antworten zu geben. Gleichzeitig wünschen wir uns von dir, dass du nicht aufgibst. Grundsätzlich denken wir nämlich, dass eine persönliche Begleitung genauer auf dich eingehen kann, als wir das können. Darum fänden wir einen Therapieplatz gut.
Du scheinst schon einige Erfahrung gemacht zu haben. Vielleicht haben dich deine Erfahrungen entmutigt. Also braucht es andere Lösungen. Überleg du doch mal, was du brauchst um zu vertrauen. Vielleicht ist dir direkter Kontakt zu nah. Dann könntest du dich durch eine Opferhilfeberatungsstelle telefonisch und sogar anonym beraten lassen. Oder du telefonierst mit der Dargebotene Hand (Tel. 143). Auch Psychotherapie könntest du online oder am Telefon machen. Du möchtest ja lernen, dich für dich selbst erträglich zu machen. Vielleicht geht das mit Kunsttherapie oder Körpertherapie besser.
Heute möchten wir dich vor allem zur weiteren Suche ermuntern. Du schreibst immer wieder über Komplexität. Dass dein Leben und deine Lebenserfahrung ein ganzer Kosmos ist, der viele Facetten hat, ist sicher. Es scheint den bisherigen Therapeut*innen zusammen mit dir noch nicht gelungen zu sein, diesen Kosmos interessant zu machen und seine Vielseitigkeit und Vielfältigkeit zu studieren. Dass du für deine ganze Person einen Platz findest, wünschen wir dir sehr.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38770 von 09.09.2024
Ich habe mich soeben gefragt, ob ich mir belastende Erfarungen teilweise einbilde. Ich habe in meinem Leben einige belastende Erfahrungen gemacht und habe manchmal das Gefühl ich bilde mir dies nur ein oder es ist mir nicht passiert (es fühlt sich nicht so an, als wäre es mir passiert). Macht das Gehirn dies zum Schutz?
Unsere Antwort
Es ist gut möglich, dass du dich auf diese Weise vom Erlebten distanzierst. Du schaffst also einen Abstand zwischen dir und deinen belastenden Erfahrungen.
Mit der Hilfe von Fachpersonen kannst du deine belastenden Erfahrungen integrieren und sauber in deiner Erinnerung ablegen. Hast du dafür bereits Begleitung?
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38754 von 06.09.2024
Liebes Lilli-Team
Aufgrund eines Umzuges benötigte ich Möbel aus dem Tessin, wo auch mein Onkel wohnt. Mein Vater kam auch mit. Unser Verhältnis ist komplex (…), jedoch war ich sehr dankbar über die unerwartete Hilfe. Während des Umzugs kam es zu Übergriffen seitens meines Onkels. Ich bin zudem von meiner Vergangenheit komplex traumatisiert. Ich lächelte noch, Hauptsache man mag mich. Mein Vater bekam es mit, aber nur die harmlosen Dinge und riet mir kein Kleid zu tragen, wenn wir das nächste Mal ins Tessin gehen. Ich habe schwere Bulimie im anorektischen Bereich die sich stark verschlimmerte, aber das Ganze kam erst Tage danach wieder „Hoch“, als man die „harmlosen“ Dinge erfragte, da auch der Umzug alles abverlangte. Ich kann mich selbst nicht mehr ertragen. Ich lächelte, tat alles, wie kann man nur? Und ich denke, ich kann mich auch weiterhin nicht abgrenzen und bin in einer Abhängigkeit… Ein „Ausstieg“ ist unmöglich, das vorne weg… Ich weiss wirklich nicht weiter…
Jeder kleine Tipp würde mir helfen.
Ganz lieben Dank.
Unsere Antwort
Du schreibst von einer komplexen Beziehung zu deinem Vater. Zu dem Onkel scheint sie ebenso schwierig zu sein. Unser Wunsch für dich wäre, dass du solche Situationen gar nicht mehr erlebst. Und wenn doch, dass Leute da wären, die klar sehen und benennen, was du erlebst. Dein Kleid ist nicht das Probelm. Dein Onkel begeht Straftaten. Ich gehe davon aus, dass du in psychotherapeutischer Behandlung bist. Falls nicht, lege ich dir die Opferhilfestellen ans Herz. Dort findest du persönliche Beratung. Es werden dir aber auch Psychotherapeut*innen vermittelt. Auch juristische Schritte und finanzielle Wiedergutmachung könnten geprüft werden. Auf jeden Fall solltest du dich psychotherapeutisch begleiten lassen, damit du lernst dich zu ertragen.
Du hast dir wohl ein Standard-Lächeln angewöhnt, um die Lebenserfahrung erträglich zu machen. Inzwischen erleben dich wahrscheinlich viele Leute als Sonnenschein. Du hast dich so für andere erträglich gemacht, für dich selbst steigert sich die Unerträglichkeit eher. Du verbannst die Spannungen, die entstehen, in deine Innenwelt. Dazu kommt, dass man dich mit deinem Lächeln nicht mehr so gut lesen kann. Dadurch fühlst du dich manchmal/oft/immer nicht gut genug verstanden.
Ich finde, es wird Zeit, dass du unterscheiden lernst, wer die Untaten begeht und wer unter ihnen leidet. Auch wenn du noch in Abhängigkeiten steckst und dir einen Ausstieg nicht vorstellen kannst. Lass dich zumindest von einer Beraterin oder Therapeutin begleiten. Du hast viel ertragen. Überleg mal, ob du deine Kraft etwas sturer als jetzt für dich selbst nutzen kannst. Vielleicht findest du einige Tipps im Kapitel «Verarbeitung von Trauma und Gewalt».
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38753 von 06.09.2024
Warum haben Männer Gewaltphantasien gegen Frauen im Internet? Sollte es erlaubt sein als Meinung? Was sind die Gründe warum Männer Gewaltphantasien haben.
Unsere Antwort
Gewaltfantasien sind keine Meinung und sollten nicht toleriert werden. Man kann sich sogar strafbar machen, wenn man bestimmte Gewaltfantasien ins Internet stellt. Und das ist auch gut so, denn Gewaltfantasien gegen Frauen können gefährlich sein. Denn sie entmenschlichen Frauen, verherrlichen Gewalt und können sogar zu realen gewalttätigen Handlungen führen.
Es gibt verschiedene Gründe, warum manche Männer solche Fantasien entwickeln und im Internet äussern. Zum einen haben viele Menschen immer noch die Vorstellung, dass Männer stark und dominant sind und über Frauen stehen. Das gibt manchen Männern das Gefühl, Macht über Frauen zu haben und sie kontrollieren zu wollen, manchmal sogar mit Gewalt. Es kommt auch vor, dass Männer sich machtlos fühlen. Gewaltfantasien geben ihnen dann wieder ein Gefühl von Macht und Kontrolle. Es kann auch sein, dass Männer aus anderen Gründen frustriert sind und Frauen zum Sündenbock machen.
Gerade im Internet fühlen sich viele Männer sicher, Dinge zu schreiben, die sie ausserhalb des Internets nie sagen würden. Im Internet können sie ihre Gedanken anonym äussern und fürchten dabei keine Konsequenzen. Wenn sie dann auf andere Männer treffen, die ähnliche Gedanken haben und ähnliche Dinge schreiben, fühlen sie sich vielleicht sogar in ihrem Verhalten bestätigt und radikalisieren sich.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38737 von 04.09.2024
Ich habe in den letzten Wochen häufig das Gefühl gehabt, dass belastende Erinnerungen nicht ein Teil meiner Biografie sind. Ich fühlte mich teilweise auch abgetrennt von der Umgebung und in meiner eigenen Welt "gefangen", was sich belastend anfühlte. Wie kann ich mit solchen Zuständen umgehen? Gibt es eine Möglichkeit diese zu reduzieren?
Unsere Antwort
Du kannst zunächst mal verstehen, dass du dich aus deinem Gefängnis entlassen müsstest, wenn sich was ändern soll. Dazu gehört das Studium deiner Gefühle. Wenn die belastenden Erinnerungen Teil deiner Biografie wären, hast du vielleicht Erfahrungen gemacht, die andere nicht gemacht haben. Dann wäre das Gefühl, von der Umgebung abgetrennt zu sein, eigentlich eine logische Folge. Wenn du dich dauernd hinterfragst, kann es auch zu Entfremdungs-Gefühlen kommen. Wenn du denkst, dein Innenleben denkt sich die belastenden Erinnerungen aus, um dich zu schädigen, wirst du dich auch von den Anderen getrennt fühlen. Du wirst denken, dass niemand so fühlt wie du. Alle Menschen, die ähnliche Gedanken haben, werden sich entfremdet fühlen. Wenn du akzeptierst, dass du fühlst wie ein Mensch, ist vielleicht die erste Gefängnistür schon offen?
Wenn die belastenden Erinnerungen schon weit zurück liegen, ist es vielleicht gar nicht mehr so wichtig, herauszufinden, was daran wahr ist und was nicht? Viel wichtiger könnte sein, dich um dein heutiges Wohlbefinden zu kümmern. Falls dich die Erinnerungen immer wieder als Geister verfolgen und bedrohlich sind, könntest du lernen, dass keine aktuelle Gefahr besteht. Hilf dir, dich zu beruhigen. Es ist anstrengend und herausfordernd genug, immer wieder mit Erinnerungsgeistern umzugehen. Wenn du Früher von Heute unterscheiden lernst, wirst du dich hoffentlich nicht mehr so gefangen fühlen.
Vielleicht hast du jetzt das Prinzip verstanden. Das, was du erinnerst, darf nicht mit aller Kraft weggedrückt werden. Sonst kommt es durch die Hintertür wieder rein. Wenn du dich trotz belastender Erinnerungen handlungsfähig hältst, bleibst du beweglicher. Am besten gelingt dir eine solche Arbeit in einer ermutigenden Psychotherapie, in der du hoffentlich schon bist.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38736 von 04.09.2024
Ich habe vor gut einem Monat ein Erlebnis gehabt, dass ich kurz vor dem Einschlafen einen inneren Anteil hatte, welcher zu mir sprach. Ich bekam riesen Angst, da ich diesen Anteil nicht kannte. Ich hatte anschliessend grosse Angst vor einer Psychose. Ich habe mir seit diesem Tag viele Videos und Beiträge zum Thema Psychosen und Früherkennung angeschaut. Die Tage nach diesem Erlebnis waren schrecklich, da ich häufiger Panikattacken hatte, nicht ganz da war und panische Angst hatte die Kontrolle zu verlieren und mit meinem bisherigen Leben nicht mehr weiterfahren zu können. Ich habe Angst, etwas zu tun, an das ich mich nicht mehr erinnern kann oder dass Menschen mein Verhalten bemerken und sich von mir abwenden. Ich kontrolliere auch regelmässig meine Wahrnehumg und erkundige mich bei meiner Umgebung. Wie kann ich mit dieser Angst vor einem Kontrollverlust umgehen umgehen?
Unsere Antwort
Wenn du von einem inneren Anteil sprichst, gehe ich davon aus, dass du bereits psychotherapeutische Erfahrungen gemacht hast. Es gibt mehrere psychotherapeutische Methoden, die mit ‚Teilen‘ arbeiten, z.B. die Egostate-Therapie. Bei dieser Teile-Arbeit geht es darum, die verschiedenen Haltungen und Meinungen, sowie widerstreitende Gefühle kennen zu lernen und bewusst zu machen. Das Ziel ist immer, die eigene Vielseitigkeit zu akzeptieren, damit die eigene Innenwelt nicht grosse Angst oder sogar Panik auslöst.
Ziel ist es nicht, jeden möglichen Aspekt zu kennen. Du entwickelst dich über dein ganzes Leben. Darum wirst du immer neue Seiten von dir kennen lernen. Falls du schon in einer Psychotherapie bist, besprich deine Erfahrung bitte mit deiner Psychotherapeutin. Falls nicht, steigere deine Angst bitte nicht mit vertiefter Internetrecherche! Auch die kontrollierende Dauerbeobachtung ist nicht hilfreich. Du kannst das einfacher haben. Melde dich bei einer ambulanten psychiatrischen Institution und lass dich durch eine professionelle Diagnose beruhigen. Wir raten dir unbedingt zu professioneller Begleitung, damit du nicht in einen Teufelskreis gerätst, in dem sich deine Angst immer mehr steigert und du immer verzweifelter um Kontrolle kämpfst. Hilf mit, dich zu akzeptieren und auf deine Verlässlichkeit zu vertrauen.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38693 von 29.08.2024
Hallo, danke für eure Antwort auf Frage Nr.38598.
Ich möchte mich um mein eigenes Leben kümmern. Ich war auch bereits bei einem Vorgespräch für eine Traumatherapie. Doch die Therapeutin hat im Vorgespräch bereits gefragt, ob ich ihr sagen könne, was genau passiert sei. Das hat mich überfordert und etwas abgeschreckt.
Ich möchte mich emanzipieren, vielleicht hinschauen und an mir arbeiten. Ich finde die Diskrepanz sehr schwierig Zwischen dem, was in mir los ist und Geschenken/ lieben Nachrichten, die ich vermehrt bekomme, seit ich mich etwas distanziert habe. Einerseits gibt mir das Gefühl, ich sollte dankbar sein und ich bin schlecht, weil ich diese Erinnerungen habe. Dass alles nicht wahr sein kann.
Andererseits weiss ich nicht, ob das schon fast manipulativ ist, so viel geschenkt zu kriegen, denn selbst abgesehen von den Erinnerungen an sexuelle Handlungen, die ich manchmal anzweifle, gab es viel schreien, körperliche „Strafen“, Bedrohung und Erniedrigung.
Ich habe auch Angst, dass er herausfindet, dass ich darüber nachdenke oder sogar Dinge schreibe. Ich habe (irrationale) Angst vor ihm, obwohl ich weiss, dass ich erwachsen bin und auf mich aufpassen kann. Ich versuche mich auch daran (mein Alter, dass ich weggezogen bin etc.) zu erinnern, wenn die Bilder/ Erinnerungen schlimm sind.
Kommt es oft vor, dass man an eigenen Erinnerungen/ am eigenen Verstand zweifelt, wenn man so Dinge erlebt hat?
Und ist es normal, dass gleich beim Vorgespräch nach Details der Ereignisse gefragt wird?
Danke vielmals für eure wertvolle Arbeit!
Unsere Antwort
Super, dass du dich um dein eigenes Leben kümmern und emanzipieren willst. Hut ab, was du alles schon machst. Super, dass du eine Traumatherapie machen willst! Ich unterstütze das alles voll und ganz.
Bei einer Traumatherapie ist es wichtig, dass du ein gutes Gefühl über die Therapeutin hast. So wie ich das verstehe, hat sie dich gefragt, ob du ihr sagen könntest, was genau passiert ist. Sie hat aber nicht verlangt, dass du es erzählst, oder? Wie ist sie damit umgegangen, dass du überfordert warst? Es kann immer mal wieder vorkommen, dass jemand eine Frage stellt, die dich überfordert. Und, ja, es kann vorkommen, dass man im Vorgespräch gefragt wird, ob man Details erzählen kann. Wichtig ist dann, dass du mitteilst, dass dich das überfordert. Das sollte die Fachperson respektieren und feinfühlig damit umgehen. Ich würde der Fachperson eine Chance geben und sie einige Sitzungen lang austesten.
Was du sonst schreibst, passt sehr in das Erleben von Menschen, die durch die Eltern gequält und manipuliert wurden – und immer noch werden. Im eigenen Kopf wird höchste emotionale Verwirrung und Zerrissenheit erzeugt, und man traut sich selbst, seinem Erleben und seinen Erinnerungen nicht mehr. Du schreibst geradezu, als ob er Macht über deinen Kopf hätte – und dieses Gefühl ist auch typisch. Es ist wirklich umso wichtiger, dass du eine Traumatherapie machst, in der du die Stärke und Klarheit erreichen kannst, dich von deiner Kindheit und deinem Elternhaus zu emanzipieren.
Schreib uns einfach, wenn du wieder irgendwo anstehst. Gib dann bitte wieder die Fragenummer an.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38683 von 26.08.2024
Ich bin in letzter Zeit etwas verunsichert. Es tauchen bei mir vermehrt belastende Erinnerungen und belastende Gefühle auf. Teilweise tauchen auch nur Gefühle auf, welche ich nicht zuordnen kann. Wie kann ich diese Gefühle verstehen oder zuordnen lernen?
Ich habe das Gefühl, dass es bestimmte Gefühle und Erinnerungen gibt, welche nicht zugänglich sind. Wie kann ich dazu Zugang erhalten?
Ich fange demnächst eine Traumatherapie an. Kann ich die Ereignisse, bei welchen Gefühle und Erinnerungen vorhanden sind dennoch bearbeiten, auch wenn es allenfalls Dinge gibt, zu welchen ich noch keinen Zugang habe?
Unsere Antwort
Belastende Lebenserfahrungen und Traumatisierungen prägen sich auf verschiedenen Ebenen in das Gedächtnis ein. Einige Erfahrungen wirst du bewusst erinnern können. Sie sind in der Abteilung episodisches Gedächtnis abgelegt und bleiben dort für lange Zeit. Du wirst dich an Ort, Zeit und Verlauf der Episode ebenso erinnern wie an das, was gesagt wurde, wie dein Körper sich gefühlt hat und was du gesehen hast. Die gesamte Szene ergibt einen Sinn und gehört zu deiner Lebensgeschichte.
Du erlebst jetzt, dass es auch noch reine Gefühlserinnerungen gibt. Du ahnst Belastungen, hast dazu aber nicht die episodischen Erinnerungen, die aus den Gefühlen eine Lebensgeschichte machen. Es kann gut sein, dass die Gefühle, für die es keine Geschichte gibt, zu deinen bereits bekannten traumatisierenden Erfahrungen gehören. Möglicherweise sind sie bei Ereignissen entstanden, die du inzwischen vergessen hast. Oder du bereitest dich innerlich auf die Traumatherapie vor. Dein Gedächtnis kennt ja den ersten Termin für diese Therapie bereits. Jetzt ist es vielleicht auf der Suche. Wir raten dir, zunächst deine bestehenden Erinnerungen zu bearbeiten. Ziel deiner Therapie ist ja, dein Leiden zu beenden und deine Gefühle zu beruhigen.
Wenn du anstrebst, für die belastenden Gefühlen ohne Erinnerung biografische Szenen zu suchen, gerätst du ins zweifeln. Gedanken wie «Wahrscheinlich war alles noch viel schlimmer» oder «Wenn ich nicht genau weiss, was passiert ist, wird meine Therapie nicht erfolgreich sein können» machen dein Selbstbewusstsein und dein Selbstwertgefühl unsicher. Selbstunsicherheit kennst du wahrscheinlich heute schon. In deiner Therapie kannst du lernen, dich selbst zu verstehen und zu akzeptieren, dass dein Gedächtnis einige Sachen erinnert und (das meiste) vergisst. Vielleicht interessiert dich auch unser Infotext «Wie werden traumatische Erlebnisse verarbeitet?»
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38668 von 23.08.2024
Wie kann ich Flash Backs verarbeiten und warum treten sie jetzt plötzlich häufiger auf? Ich bin 61 und wurde als Kind von meinen Eltern Misshandelt und gefoltert. Was soll der Befund F62.0 genau bedeuten? Warum jetzt die ganzen Jahre ging es einigermaßen. Ich habe es zwar nie lange an einer Arbeit ausgehalten, das länste Arbeitsverhältnis waren 3 Jahre, ich hab fast immer allein gearbeitet. Meine Beziehungen haben auch nie lange gehalten. Aber ich hab einigermaßen gelebt habe halt sehr viel gearbeitet manchmal 16- 18 std. Habe 4 Häuser gebaut, ich musste immer nur etwas zu arbeiten haben dann ging es mir gut. Dann hab ich viel extreme Sachen gemach wie Fallschirmspringen oder Bungee Jumping. Aber jetzt geht das alles nicht mehr ich hab auch ständig Suizidgedanken kann nachts kaum schlafen. Ich halt das bald nicht mehr aus. Was kann ich noch tun. Bei Therapien war ich schon, warum hört das nicht auf??????????????????????????????????????????????ß Danke
Unsere Antwort
Ich verstehe deine Verzweiflung. Gleichzeitig sage ich: Hut ab, du hast wirklich viel gemeistert im Leben bis jetzt!
F62.0 kann man als Diagnose geben, wenn eine Person eine sogenannte komplexe Traumafolgestörung (k-PTBS) hat. Das ist eine häufige Diagnose nach anhaltenden Missbrauchserfahrungen in der Kindheit. Darunter können ganz unterschiedliche emotionale, zwischenmenschliche und auch körperliche Probleme fallen. Du merkst selbst, dass das Leben nicht einfach war. Du musstest Strategien entwickeln, um gut durchs Leben zu kommen. Arbeiten hat dir geholfen.
Und jetzt melden sich die Erinnerungen als Flashbacks. Die können sich irgendwann im Verlauf des Lebens melden – vielleicht, weil irgend eine Strategie nicht mehr so gut klappt, vielleicht, weil wir sensibler werden, vielleicht, weil die Zeit einfach reif dazu ist. Es kann auch sein, dass du stabilere Phasen hast, wo du gut zurecht kommst, und dann wenig stabile, in denen du Unterstützung brauchst.
Daher empfehle ich dir unbedingt eine Therapie. Ja, du hast schon Therapien gemacht, aber es braucht einfach jetzt wieder eine. Du sagst wahrscheinlich auch nicht: "Wieso denn schon wieder? Ich war schon oft beim Arzt", wenn du heute zum Arzt gehen musst. Ich sehe die Traumaverarbeiten ein bisschen wie eine Zwiebel: Bei jeder neuen Therapie kommt eine tiefere Schicht dran. Du kommst immer weiter.
Ich empfehle dir, dich bei einer Beratungsstelle für Gewaltopfer zu melden und von deinem Erleben und deiner Verzweiflung zu erzählen. Dort kann man dir helfen, eine gute Theapie zu finden. Wenn du in Deutschland lebst, kannst du über diesen Link Beratungsstellen finden, in Österreich über diesen Link. Auf opferhilfe-schweiz.ch findest du Links zu Beratungsstellen in der Schweiz.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38665 von 23.08.2024
Hi Lili
Ich habe folgendes Problem:
Ich habe mich vor einem Monat von meinem Ex getrennt. Er hat mir am nächsten morgen einfach wieder geschrieben, als ob alles normal wäre. Ich habe ihm erneut erklärt, dass ich mich getrennt habe. Anschliessend machte er mir Vorwürfe und meinte er hätte von der Arbeit gehen müssen, da er weinen müsse. Ich finde dies sehr kommisch, da er zuvor sehr wenig erreichbar war und in der Beziehung nicht geantwortet hat. Ich habe ihn dann blockiert, da ich Abstand gewinnen wollte. Als ich gestern gedacht habe, ich könnte ihn entblockieren meldete er sich wieder. Meine Freundin sagte ihm, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Er versuchte es dann auch über sie an mich näher ran zu kommen. Ich bin bis jetzt nicht auf ihn eingegangen. Sowohl meine Freundin, als auch ich, haben ihn blockiert gehabt. Ich habe nun Angst, dass er versucht, mich über andere Wege zu erreichen. Hättest du einen Rat?
Unsere Antwort
Am besten lässt du ihn blockiert. Wenn er einen Weg über Andere finden sollte, bleibe eindeutig: du wünschst keinen weiteren Kontakt. Ändere dein Verhalten nicht, auch wenn er immer neue Wege sucht, dich zu kontaktieren. Versuche selbst ruhig zu bleiben. Es könnte ja sein, dass dein Ex Zeit braucht, bis er die Trennung akzeptieren kann. Wenn ihr zeitweise ein gute Beziehung hattet, kannst du vielleicht etwas nachsichtig sein, Betone aber immer ganz klar: Du erwartest, dass er dich respektiert. Sollte seine Kontaktaufnahmen belästigend werden, zögere nicht, dir Hilfe zu holen und dich zu wehren. Wir haben einen ausführlichen Infotext zu Stalking geschrieben, der die Handlungsmöglichkeiten aufzählt. Vielleicht gibt dir auch unser Text «Wie rede ich über Trennung» weitere Ideen, wie du dich verhalten kannst.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38648 von 22.08.2024
Ich erlebte vor kurzer Zeit Mobbing an der Schule. Alles begann als ich bei einer Gruppenarbeit erst kurz davor informiert wurde und gesagt habe, dass ich nicht informiert wurde. Der Mobber hat auch während der Arbeit nie mit mir gesprochen, sondern getuschelt über mich. Ich habe dann erlebt, wie er mich als dumm beschimpft hat und mir die Schuld gegeben hat, als ich mit ihm das Gespräch gesucht habe, um die Arbeit zu beenden. Die anderen Gruppenmitglieder fanden das Ganze einfach mühsam. Ich hatte dann ein Gespräch mit der Schulleitung, bei der mir der Mobber die Schuld gab und meinte, es brauche immer zwei. Er sei nicht bereit sich zu entschuldigen, obwohl ich mich entschuldigt habe, falls ich ihn gekränkt hätte. Er versprach es nicht mehr zu tun, bewarf mich aber weiterhin mit Essen. Als ich der Schulleitung sagte, ich könne unter solchen Umständen keine Prüfungen schreiben, meinten sie, es werde Erziehungsmassnahmen geben, da mein Fehlen von der Prüfung nicht in Ordung sei, obwohl ich mich abgemeldet habe. Sie meinten, sie werden sich einsetzten und ich sollte lernen zu vertrauen. Für den Mobber hatte die ganze Geschichte keine Konsequenzen. Mir wurde gesagt, dass sie über ein Klassenwechsel nachdenken müssen und falls dieser vollzogen werden sollte, ist dies die letzte Bitte, welcher sie nachgehen. Ich hatte das Gefühl lästig zu sein. Ich habe dann die Schule gewechselt, da ich nicht mehr vertrauen konnte. Habe ich etwas falsch gemacht? Weshalb wird der Täter so stark geschützt?
Unsere Antwort
Manchmal gibt es nur die Möglichkeit die Schule zu wechseln. Das finden wir nicht richtig. Aber leider sind manche Schulleitungen nicht bereit, in ihren Schulen eine Anti-Mobbing-Charta oder Massnahmen zur Konfliktlösung zu entwickeln. Und wenn die Struktur von Mobbing nicht erkannt wird, bekommt oft die mobbende Partei recht. Die achtet von Anfang an darauf, dass sie keine Formfehler macht. In deinem Fall schrieb der Mobber seine Prüfung. Du warst diejenige, die konsequent ihr Recht vertreten hat, die ein Konfliktgespräch gesucht hat, die bereit war sich zu entschuldigen und aufgrund der Störung nicht zur Prüfung kam. Das war mühsam; vor allem für dich. Wenn bei der Schulleitung in einem solchen Konflikt nicht das "Mobbing-Lämpchen" aufleuchtet, sehen sie den Konflikt nicht strukturell, sondern nur formell an. Du warst nicht in der Prüfung. Bei dir wird an Erziehungsmassnahmen gedacht. Sie fühlen sich dann grosszügig, wenn sie dir einen Klassenwechsel anbieten. All das gibt dem Mobber Auftrieb und ermutigt ihn, dich weiterhin zu plagen. Du hast nichts falsch gemacht, sondern bist nicht verstanden worden.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38626 von 19.08.2024
Ich beziehe mich auf die Frage/Antwort Nr. 38605 von 16.08.202. Ich habe das Gefühl gehabt, etwas falsch gemacht zu haben, da sich die ganze Schule nachher gegen sich gewendet hat, nicht nur einzelne Personen. Die Klasse hat mich ignoriert und von den anderen Schülern wurde ich persönlich oder über Facebook beleidigt. Ich wurde als dumm, dick und hässlich beschimpft und habe das Gefühl ich hätte das alles aufhalten können, wenn ich mich nicht komisch gekleidet hätte oder kommisch gewesen wäre. Ich habe mich dann auch versucht anzupassen. In der Klasse wurde es besser aber von der Schule wurde ich noch immer belächelt. Ich habe seit diesem Erlebnis Schuldgefühle und das Gefühl, dass es meine Schuld war. Es tauchen auch immer wieder Erinnerungen auf. Wie kann ich damit umgehen?
Unsere Antwort
Du kannst die Schuldgefühle nicht einfach abstellen. Schuldgefühle entstehen nämlich nicht nur, wenn du etwas Falsches tust oder andere verletzt. Leider können sie besonders lästig werden, wenn du zu Unrecht beschuldigt wirst. Dann fängst du an nachzudenken. Du fragst dich, warum dich die Anderen so behandeln. Du studierst, was du für Kleidung trägst, wie du dich verhältst, wie du auf andere wirken könntest. Und schon bis du in der Schuldgefühl-Falle gelandet. Einerseits entstehen dadurch Ideen, dass z.B. Anpassung eine Lösung sein könnte. Andererseits kannst du aber auch grundsätzlich ins Zweifeln geraten. Und wenn die mobbende Gruppe nicht aufhört, wirst du auch Angst bekommen. Schon macht sich das Schuldgefühl wieder auf die Suche nach Lösungen. Dabei ist die eine Frage: «Was kann ich tun, damit das aufhört?», immer wieder aber wird aber auch die Frage: «Habe ich vielleicht doch etwas falsch gemacht und mit meinem Verhalten das Mobbing verursacht?» auftauchen.
Die Schuldgefühle ignorieren geht nicht, weil sie da sind und dich quälen. Du hast richtig beobachtet, dass eine mobbende Gruppe Anpassung fordert. In deiner Klasse hat deine Anpassung geklappt, weil die Schulkolleg*innen dich persönlich kennen. Sie haben offensichtlich genügend Mitgefühl, dass sie dich jetzt in Ruhe lassen. Mit der ganzen Schule bist du nicht so persönlich bekannt werden. Es steht dir eine Gruppe gegenüber, die dich nicht kennt und darum auch wenig oder kein Mitleid fühlt. Es scheint unter den Schüler*innen ein Gruppendruck entstanden zu sein. Viele machen beim Mobben mit, um dazuzugehören, weil es viele tun und weil sie selbst nicht nachdenken oder mitfühlen. Sie trauen sich auch mehr, weil sie sich in der grossen Schulgruppe verstecken können und wahrscheinlich niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist leider oft so. Unserer Meinung nach ist es Aufgabe der Schule eine Anti-Mobbing-Kultur zu pflegen. Dazu gehört, dass jede*r Schüler*in wissen sollte wie sich Mobbing-Opfer fühlen. Dazu gehört auch eine Nulltoleranz gegenüber Bleidigungen, Body-Shaming und Beschimpfungen.
Dein Schuldgefühl kann vielleicht einsehen, dass eine Gruppe unter Gruppendruck Dinge tut und sagt, die falsch, verletzend und vielleicht kriminell sind. Die Schuld trägt daran jeder Einzelne der Gruppe, auch wenn niemand zur Rechenschaft gezogen wird. Möglicherweise erleichtert dich diese Einsicht.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38623 von 19.08.2024
Ich beziehe mich auf die Frage 38602, in der es um das Thema belastende Erinnerungen geht. Ich erlebe in letzter Zeit häufig, dass die Bilder an belastende Ereignisse immer wieder ins Gedächnis kommen. Ich merke auch erst langsam, wie belastend es war. Ist es also ein gutes Zeichen, wenn ich wieder Zugang zu Belastungen erhalte?
Unsere Antwort
Es ist so, wie ich es in der letzten Antwort geschrieben habe: Es ist weder ein gutes noch ein schlechtes Zeichen, es ist einfach. Manche Leute gehen durchs Leben, ohne sich an ein bestimmtes belastendes Ereignis zu erinnern, und es geht ihnen gut dabei. Andere erinnern sich nicht, und sie merken aber trotzdem, dass etwas in ihrem Leben nicht stimmt. In diesem Fall ist es gut, wenn der Zugang zu den Belastungen wieder möglich wird. Wenn sich diese Erinnerungen melden, wird es möglich, sie zu verarbeiten und sauber im chronologischen Gedächtnis, d.h. in der Vergangenheit, abzulegen. Das machst du am besten in einer Traumatherapie. Ich bitte dich, dass du dich bei einer Beratungsstelle der Opferhilfe meldest. Dort kann man deine Situation mit dir besprechen und dir helfen, eine Therapeutin zu finden.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema
Frage Nr. 38618 von 19.08.2024
Zunächst einmal vielen herzlichen Dank für die ausführliche Antwort zur Frage Frage Nr. 38582 vom 13.08.2024! Es hilft, dass ich die Situation jemand anderem erzählen konnte. Ich habe momentan Schuldgefühle, mache mir Selbstvorwürfe und habe auch von meinem Umfeld Vorwürfe erhalten. Ich hatte auch das Gefühl, als ich die Therapie verlassen habe, etwas Falsches zu machen und habe mir selber die Schuld an allem gegeben. Die Therapeutin meinte auch, dass ich die Übungen zuhause machen muss, ansonsten merke sie es. Ich habe die Übungen immer gemacht und hatte Angst etwas flasch zu machen. Wie kann ich mit diesen falschen Schuldgefühlen umgehen? Danke für eure Antwort!
Unsere Antwort
Du kannst diese Gefühle nicht einfach abschaffen. Du kannst aber das ernst nehmen, was du über deine Therapie geschrieben hast. Deine Therapeutin hat dir auf verschiedene Weise eingetrichtert, dass du ohne sie keinen Therapieerfolg haben wirst. Sie behauptet auch, dass sie merkt, wie du geübt hast. Sie ist sehr von ihrer eigenen Wirkung und ihren Fähigkeiten überzeugt und lässt nichts anderes gelten. Deine Meinung schon mal gar nicht. Zudem hast du sie mit deinem Abbruch enttäuscht. Und sie hat dir Angst gemacht. Deine Therapeutin war nicht mit dir zufrieden! Da ist es doch ganz verständlich, wenn du jetzt Schuldgefühle hast. Dir gelingt es noch nicht, dich darin zu bestärken, dass du richtig gehandelt hast. Du weisst aber, dass die Therapie dir nicht gut tat. Darum musstest du abbrechen. Deine Therapeutin hat dir den Abbruch sehr schwer gemacht. Das war falsch. Jetzt musst du nämlich ganz allein einen Weg finden, wieder selbstsicher und zufrieden zu werden. Wir sind gern bereit, dich zu weiterhin in deiner Entscheidung zu bestärken.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema