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Fragen & Antworten:
Liebe und Beziehung

Frage Nr. 34231 von 24.11.2021

Hallo liebes Lilli Team,

ich beziehe mich nochmals auf 34117. Vielen Dank erstmal für diese ausführliche Antwort! Es ging mir nach dem Lesen gleich besser... ich habe inzwischen auch noch intensiver hier auf der Seite herumgelesen und auch gesehen, wie viele Fragen ihr schon zum Vaginismus beantwortet habt. Mit den Fragerinnen konnte ich mich gut identifizieren und noch den einen oder anderen Tipp für mich mitnehmen. Toll auch, dass ihr geschaut habt nach Studien bezüglich der Wirkung meiner Medikamente. Natürlich plane ich, diese irgendwann abzusetzen. Aber eine Zeitlang waren die Schmerzen in der Scheide auch ohne Provokation so stark, dass ich meinem Beruf nicht mehr nachkommen konnte. Und ich habe Angst, wieder in so eine Situation zu kommen und möchte deshalb die Medikamente erst absetzen, wenn cih "ganz gesund" bin und somit keine "Gefahr" mehr droht.

Ihr habt geschrieben, dass nun mein Freund dran sei mit dem Lernen (auch wenn ich natürlich auch noch viel weiterarbeiten muss, noch ist es ja trotz des Meilensteins noch ein weiter Weg). Das stimmt schon, und ich habe auch das Gefühl, dass er prinzipiell dafür offen ist und das Buch, das ihr für ihn empfohlen habt auch kaufen wird. Jedoch merke ich innerlich, dass er zweifelt. Er ist ja kein "Teenie" mehr sondern fast vierzig, schließlich bin ich ja auch nicht mehr ganz jung... Und bisher war eben seine Erfahrung mit den Ex- Freundinnen, dass deren Vaginen genug Druck bieten konnten für seine Befriedigung, obwohl er ja bei sich selbst mit so viel Händedruck arbeitet....

Ich spüre irgendwie seinen Zwiespalt, mich einerseits weiter unterstützen zu wollen und für mich auch an sich selbst zu arbeiten, aber dann doch nicht ganz glaubt, dass ich wirklich keinen Einfluss auf sein Empfinden habe, weil er ja mit den Exfreundinnen anderes erlebt hat. Die waren "eng" genug und die eine "weite" konnte so anspannen, dass er was gespürt hat....

Versteht ihr was ich meine? Ich weiß jetzt nicht, wie ich ihn unterstützen kann diesen Zwiespalt aufzulösen.... ein kurzes googeln ergab nämlich zu allem Übel, dass die Frau einen Einfluss habe.... Auf einer postpartum Schwangerschaftsseite stand, dass der Levator Ani Muskel dafür verantwortlich sei und dass dieser nach der Ausweitung durch die Geburt so trainiert werden kann, dass es wieder "eng" und für den Partner lustvoll wird. Es sei denn, selbiger ist abgerissen, dann bleibt es lose... Nun, also müsste ich nur meinen Levator Ani trainieren und dann würde ich so eng wie die anderen? Aber wie gesagt, mir tun Beckenbodenkräftigungen weh und die Ostheopathin riet mir ab.

Also meine Rückfrage ist ganz konkret:
1) Mit welchem Argument könnte ich ihn vollends überzeugen, dass ich wirklich keinen Einfluss darauf habe? Weil es glatte Muskulatur ist und die nicht willentlich gesteuert werden kann?

2) Oder ist es einfach so, dass man von Natur aus "eng" oder "weit" ist und darauf eh keinen Einfluss hat und ich eben einfach Pech habe und zu den weiten gehöre? (Was ja auch ein Argument wäre)

Danke schonmal!

Unsere Antwort

Ich antworte mal etwas anders, als du es vielleicht erwarten würdest:

Nehmen wir einfach mal an, du hast einen Einfluss auf sein Erleben beim Geschlechtsverkehr. Also: wenn du sehr doll anspannst, spürt er mehr.

Dann haben wir noch weitere Faktoren: Deine Physiotherapeutin rät dir stark vom Anspannen ab. Du merkst auch selbst, dass dir das Anspannen weh tut. Du gehst davon aus, dass es dir eher schadet als nützt.

Wofür entscheidest du dich dann? Nimmst du in Kauf, dass du leidest, weil er dann etwas mehr spürt beim Geschlechtsverkehr? Oder setzt du dich dafür ein, dass ihr andere Wege findet?

Tatsache ist: Dein Freund kann und muss lernen, was und wieviel er in deiner Vagina spürt. Dadurch, dass er älter wird, geht eine gewisse Sensibilität zurück, und er muss die Fähigkeit üben, gut zu spüren. Dafür waren die ganzen Übungstipps, die ich dir angegeben habe. Freilich sagt er, die Frauen früher waren schmaler gebaut. Das hören wir in der sexualtherapeutischen Praxis viel. Das heisst einfach: Er hat mehr gespürt und meinte, sie sei schmaler. Glaub mir: Wenn es bei dir brennt, während der Penis in der Vagina ist, ist es in deiner Vagina sehr eng.

Du wirst im Internet vieles lesen darüber, dass die Vaginen von Frauen weiter oder zu weit werden. Das ist ganz selten der Fall, zum Beispiel nach Geburten. Viel häufiger ist aber dass die Männer nicht (mehr) so viel spüren.

Und nun nochmal zurück zu dem, was ich eingangs geschrieben habe: Du bist schnell bereit, das Problem bei dir zu sehen. Und du lässt dich beirren durch das, was dein Freund sagt. Meine dringende Empfehlung aus sexualtherapeutischer Sicht ist, dass du das Problem bei deinem Freund siehst. Zeig ihm doch mal diesen Text und diesen Text als Argumentation, dass er jetzt unbedingt mit dem Üben beginnen soll.

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Frage Nr. 34128 von 16.11.2021

Hallo liebes Lilli-Team.
Danke für Eure Arbeit.

Meine jetztige Freundin(W37) ist die erste Freundin, die ich(M27)je hatte und auch die erste, mit der ich Sex hatte.
Ich liebe sie über alles, wir haben eine sehr zärtliche, von Nähe geprägte Beziehung und wir reden über eigentlich alles offen und ehrlich.

Das Problem:
Sie nimmt seit einigen Jahren SSRI-Antidepressivia und weitere Medikamente, die ihre Empfindsamkeit reduzieren, sodass der Sex für sie keine wirkliche Bereicherung darstellt. Ich habe öfters eher das Gefühl, dass wir Sex haben, damit ich befriedigt werde. Ich habe halt noch das Verlangen nach viel und aufregendem Sex - mit IHR, wohlgemerkt.

Wir sprachen über das, was los ist und sie sagte mir, dass ihr der Sex früher viel mehr Spaß gemacht hat, vor allem, wo sie noch Bauchtanz gemacht hat und sie, laut ihrer Aussage, deshalb auch viel mehr gespürt hat.
Sie versichert mir stets, dass es nicht mit mir, meiner Anatomie, der Technik, meiner Hingabe und Zuwendung zu tun hat.

Sie verspricht mir deshalb nun seit mittlerweile 6 Monaten, dass sie an ihrem Beckenboden arbeiten wolle (beim Trampolinspringen hat sie Inkontinenzprobleme), woraufhin ich uns die Bücher von der Frau Schiftan (lG, ich finde die Bücher super) gekauft und nachdem ich sie gelesen, ihr hingelegt habe.

Leider passiert nichts und ich weiß, dass man einen Menschen nicht ändern oder zu etwas zwingen kann.
Aber irgendwie ist es doch enttäuschend und auch verletztend (ich bin sehr sensibel), weil ich mir dann denke, dass es ihr doch nicht so wichtig ist.

Dazu kommt für mich das Problem, dass sie mir mittlerweile von 16 Männern erzählt hat, mit denen sie Sex hatte, während sie noch "fit" und gesund war und ihr der Sex mehr gab, obwohl sie immer wieder betont, dass das alles keine Bedeutung hat im Vergleich zu der Liebe, die sie mir mich empfindet, was ich ihr auch glaube.
Nur jedes Mal, wenn sie eine Geschichte aus ihrer Vergangenheit erzählt, frage ich mich, ob jeder darin vorkommende Mann auch mit ihr Sex hatte und in den Genuss kam, der mir sozusagen verwehrt bleibt.

Jetzt habe ich die Idee, dass sie mir einmal von allen Männern kurz erzählt,mit denen sie was hatte, damit mich dieser Zweifel und die Eifersucht in Ruhe lassen, wenn sie mal wieder was aus ihrem eigentlich spannenden Leben erzählt.

Was ich aber eigentlich glaube ist, dass, wenn wir ähnlich guten Sex hätten, mich das nicht stören würde, was früher gewesen ist.
Aber auch hier, so glaube ich, ist sie am Zug und ich würde sie gerne dabei unterstützen, weil sie mir menschlich so ungemein wichtig ist.

Sie hat mir auchmal gesagt, dass ich mich ruhig mit anderen Frauen ausprobieren soll.
Das will icheigentlich nicht, zum einen, weil ich weiß, dass es sie doch verletzten würde und zum anderen will ich nur schönen Sex mit ihr, weil wir es sind, die diese emotionale Verbindung haben, und da irwelche ONS oder Affären dem nicht nahekämen.
Und gleichzeitig merke ich, dass meine Sehnsüchte nach schönem Sex immer wieder dazu führen, dass ich mir dann doch Sex mit anderen vorstelle, weil mein Kopf weiß, dass das mit meiner Freundin nicht klappt und dementsprechend die Fantasien nicht funktionieren.

Was kann ich tun? Wie kann ich einen Umgang mit dieser Sache finden?
Was könnte ich meiner Freindin mit aufn Weg geben?
Mich quält das oben Beschriebene schon sehr lange und gleichzeitig mache ich mir Vorwürfe, dass ich scheinbar so "sexfixiert" bin, was aber eigentlich nicht stimmt, weil das Schönste für mich eigentlich das Kopf-an-Kopf-Liegen auf der Couch ist.

Vielen Dank für das,was Ihr tut, allein die Möglichkeit, seinen Schmerz mal von der Seele zu schreiben, tut gut.
Ich hoffe nur, die Ausführen sind nicht zu lang

Unsere Antwort

Es ist ok, dass du gern viel und aufregenden Sex haben möchtest. Du bist deshalb nicht «sexfixiert». Du kümmerst dich ganz einfach um etwas, das dir wichtig sind. Die spannende Frage ist, wie du das am besten machen kannst. Denn wenn es um Lebensbereiche geht, die beide Partner betreffen und die den Einsatz von beiden brauchen, ist es oft gar nicht so einfach, rauszufinden, wer was kann, soll oder sogar muss. Oder eben auch nicht.

Paarsex ist ein gutes Beispiel für einen Lebensbereich, für den es beide braucht. Es geht um die Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten von beiden. Weil man bei diesen Dingen oft unterschiedlich denkt und unterwegs ist, ist es manchmal ganz schön knifflig, sich einig zu werden. 

Im Moment scheint es eine ziemlich lange Liste von Dingen zu geben, die deine Freundin deiner Ansicht nach tun müsste, damit euer Sexleben gut ist. Gleichzeitig scheint in ihrem Leben viel los zu sein. Da kann so eine Liste ziemlich einschüchternd oder sogar belastend sein.

Du schreibst, dass du weisst, dass man Menschen nicht ändern kann und Grenzen respektieren soll. Etwas zu wissen und es dann auch zu leben, sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Es ist menschlich, dass du enttäuscht bist, wenn deine Wünsche nicht erfüllt werden. Es ist aber ganz wichtig, dass jeder Mensch selbst für sein Leben verantwortlich ist und auch bleiben darf. Weil wenn aus Wünschen, Ansprüche und Forderungen werden, dann ist das heikel.

Ich habe einen Vorschlag: Mach eine Liste mit allen Dingen, die es aktuell anzupacken gäbe. Frag dich dann, wer jeweils für diese Dinge zuständig ist. Was liegt in deiner Verantwortung? Was liegt in der Verantwortung deiner Freundin? Was liegt gemeinsam in eurer geteilten Verantwortung? Vermutlich wirst du einige Dinge finden, die zwar stark euch beide betreffen, die aber in der Verantwortung deiner Freundin liegen. Beispielsweise, wenn es um den Körper deiner Freundin geht. Solche Themen sind in einer Beziehung oft ziemlich Knacknüsse. Denn nur weil man von etwas stark betroffen ist, heisst es nicht, dass man auch Kontrolle darüber hat oder die Kontrolle darüber übernehmen darf.

Es ist gut, dass du dich über die Themen deiner Freundin informiert hast. Ich bin sicher, dass es dir dabei nicht nur um dein Glück ging, sondern ganz stark auch um ihres. Jetzt ist es wichtig, dass die Entscheidung, was sie mit deinen Ideen und Vorschlägen macht, trotz allem bei ihr bleibt.

Es ist immer leichter, über fremde Probleme nachzudenken und Vorschläge zu fremden Herausforderungen zu machen, als wenn man selbst direkt verantwortlich ist. Du magst die Kurse und Bücher, die du vorschlägst, als Hilfe verstehen. Wenn sie zu einem Signal an deine Freundin werden, das sagt «Hey, es wäre doch ganz leicht» oder «Hier, das musst du unbedingt noch tun», dann nimmst du deine Freundin, vielleicht ohne es zu merken, nicht ernst. Denn wenn sie etwas ganz leicht ändern könnte und wollte, dann hätte sie es vermutlich schon getan. Die beste Unterstützung ist im Leben manchmal viel sanfter und passiver, als wir glauben. Zuhören und einfach nur Dasein helfen oft mehr, als viele Änderungsvorschläge zu machen und Meinungen zu teilen. Ausser natürlich, man wird danach gefragt.

Was aber heisst das für dich, für dein Glück und für deine Wünsche? Weil die sind auch wichtig! Überleg dir, was du selbst tun kannst, damit es dir mit deiner Sexualität gut geht. Sexualität kannst du nicht nur mit deiner Freundin leben, sondern auch mit dir selbst. Es kann spannend sein, mehr über die die eigene Solosexualität zu lernen. Dazu brauchst du niemanden, ausser dich selbst.

Überleg dir sorgfältig, wo deine Grenzen liegen, was eure Sexualität angeht. Wenn man im Leben nicht das bekommt, was man sich eigentlich wünscht, dann muss man sich fragen, mit was man denn im Minimum leben kann. Das heisst nicht, dass das dann für immer so bleibt, aber nicht alles lässt sich hinbiegen. Besonders dann nicht, wenn die andere Person anders sein müsste.

Mehr Gedanken zum Thema Wünsche und Bedürfnisse in Beziehungen findest du in diesem Text.

Ein anderes Thema ist die sexuelle Vergangenheit von deiner Freundin. Es ist nicht fair, wenn du ihr diese Vergangenheit vorwirfst und darin rum stocherst. Jeder Mensch hat ein Recht auf eine Vergangenheit und auf Privatsphäre. Vielleicht erhoffst du dir, dass du Frieden mit der Vergangenheit deiner Freundin findest, wenn ihr alle Männer durchgeht, zu denen deine Freundin Kontakt hatte. Aber erstens schuldet dir deine Freundin diese Art Offenheit nicht und zweitens ist offen, ob durch diese Kontrolle deine Ängste und Zweifel weggehen. Kontrolle hilft nämlich selten richtig gut gegen Angst und Eifersucht. Weil man nie alles kontrollieren kann, dreht man sich schnell im Kreis und Ängste und negative Fantasien werden noch grösser.

Was gut gegen Eifersucht hilft, ist Selbstsicherheit. Wir haben ganz viele Beratungstexte zu diesem Thema.

Du schreibst, dass dich die früheren Partner deiner Freundin nicht stören würden, wenn ihr ähnlich guten Sex hättet. Ich zweifle, dass das so einfach ist. Mit dem Vergleichen ist es nämlich ein bisschen wie mit dem Kontrollieren. Man denkt, dass es eine gute Idee ist, aber wenn man es dann macht, hat man nicht besonders viel davon. Oft wird es sogar noch unangenehmer. Du und deine Freundin führen eure ganz eigene Beziehung. Deine Freundin ist mit dir zusammen und nicht mit jemand anderem. Wenn du dich und euer Sexleben mit anderen vergleichst, dann ist es schwierig, das zu spüren und zu geniessen, was ihr tatsächlich habt.

Du und deine Freundin sprechen offenbar auch über das Thema andere Partner. Da ist es gut, wenn ihr beide ganz klar wisst, was ihr wirklich wollt und das offen kommuniziert. Sonst gerät ihr in eine offene Beziehungssituation, ohne euch wirklich sicher zu sein, dass das zu euren Bedürfnissen passt.

Wenn ich dich richtig verstehe, dann möchtest du treu sein, bist aber unsicher, weil du Fantasien hast, in denen andere Frauen vorkommen. Solche Fantasien zu haben ist in Ordnung. Deine Gedanken und deine Fantasien gehören dir. Sie können ganz wichtig sein für deine sexuelle Erregung. Es ist also etwas Gutes, dass du sie hast. Entscheidend ist, dass du weisst, was Fantasie ist und was du wirklich tun willst. Und ich denke, das kannst du.

Du schreibst, dass die Fantasien mit deiner Freundin nicht funktionieren, weil dein Kopf sagt, dass der Sex mit ihr nicht klappt. Hier ist es wichtig, dass du weisst, dass du keine bestimmten Fantasien haben musst. Fantasien sind auch etwas anderes, als Erinnerungen oder Pläne. Du musst dir nicht deine Freundin vorstellen, wenn du das nicht möchtest. Kann es sein, dass du vielleicht sehr hohe Erwartungen hast an diese Fantasien? Lies doch mal die Infos über Fantasien in diesem Text.

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Frage Nr. 33364 von 11.07.2021

Spielt der Altersunterschied eine Rolle in der Beziehung?
Wir sind 17 Jahre auseinander, 26 und 42 Jahre alt

Unsere Antwort

Deine Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn du die jüngere Person bist, dann hat dein*e Partner*in 17 Jahre mehr Lebenserfahrung und vielleicht auch mehr sexuelle Erfahrungen machen können. Ob sich eine Person über eigene Bedürfnisse und Grenzen bewusst ist, darüber sagt das Alter manchmal wenig aus.

Wichtig ist immer, offen darüber zu sprechen wie das Miteinander und Freiräume in der Gegenwart gestaltet werden können. Und es kann auch wichtig sein, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Hat die jüngere Person beispielsweise einen Kinderwunsch, die ältere Person hat mit dieser Lebensplanung aber vielleicht schon abgeschlossen? Möchte eine Person in eine weit entfernte Stadt ziehen, die andere Person aber vielleicht lieber in der Nähe der Eltern bleiben, um diese im Alter zu unterstützen? 

Es gibt also durchaus Themen, die nach der ersten Phase der Verliebtheit wichtig sein können, um ein gemeinsames Lebensprojekt zu entwickeln. Das trifft aber auf alle Beziehungen zu, unabhängig von Altersunterschieden. Falls du konkrete Fragen oder vielleicht Sorgen hast, die dich zum Thema Altersunterschied bewegen, dann teile sie uns gerne mit. Vielleicht interessiert dich auch unser Kapitel Tipps für bessere Liebesbeziehungen.

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Frage Nr. 33146 von 22.06.2021

Ich bin 59 Jahre männlich und meine Frau 58. nach der Geburt unseres Sohnes vor 25 Jahren hatte sie immer weniger Lust auf Sex mit mir. Vor 20 Jahren hat sie es nun völlig eingestellt Geschlechtsverkehr mit mir zu haben. Dabei befriedigt sie mich nur noch mit der Hand, bis ich ein Samenerguss habe. Oralverkehr lehnt sie auch ab. wäre mal was anderes als immer Hand anlegen.

Verstehe es nicht das sie keine Lust auf Geschlechtsverkehr hat, konnte es früher kaum erwarten mir die Kleider vom Körper zu entfernen und mit mir Geschlechtsverkehr zu haben. Bei mir dauert es auch immer länger, bis der Penis, beim Bearbeiten mit der Hand steif wird.

Dauert es dann mal länger bis er steif wird, beschimpft sie mich das ich nun endlich kommen soll, manchmal hört sie dabei auf und ich befriedige mich dann weiter bis zum Höhepunkt selbst . Manchmal dauert es bis zu 3-4 Wochen bis sie mir wieder den Penis in die Hand nimmt und mich befriedigt. Mache es mir bei so langer Wartezeit dann selber. Immer muss ich fragen, ob sie mich mit der Hand befriedigt, Sex will sie auf keinen Fall. Hab schon oft überlegt ob ich mir eine künstliche Scheide im Sexshop holen soll. Hab sie darauf angesprochen hat nicht reagiert.

Auch zu einen Sexualtherapie will sie nicht. Frauenarzt geht sie auch seit längeren nicht mehr. Zum Rücken-und Fußmassage kommt es öfters wenn es ihr weh tut nach der Arbeit. Aber auch weiteres Streicheln am Körper lehnt sie ab. Besonders Intimbereich und Brust. Hab sie auch schon gefragt ob sie denn bei sich keine Selbstbefriedigung macht? Nein hat keine Lust darauf, Und ob es Sie nicht stört wenn ich mich selber befriedige. Nein soll ich machen!! Schaut dabei nicht zu. Mache es im Bett.
Bitte um Eure Hilfe Danke!
Nur Selbstbefriedigung und Handanlegen von der Ehefrau ist langweilig und nicht schön!

Unsere Antwort

Deine Frau möchte keinen Sex mit dir. Du bist unzufrieden. Weiss deine Frau, wie unglücklich und unzufrieden du bist? Wenn sie es nicht weiss: Sag es ihr bitte. Vielleicht ist sie bereit, etwas zu tun, wenn du ihr klipp und klar sagst, wie sehr du leidest.

Wenn sie es weiss und trotzdem nichts macht, hat sie vielleicht überhaupt keine Hoffnung, dass ihr irgend etwas helfen könnte. Da könntest du ihr sagen, dass sie etwas machen kann. Sie kann lernen, mehr Spass am Geschlechtsverkehr zu haben. Da gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel das Buch "Coming soon", oder eine Sexualtherapie nach Sexocorporel-Ansatz. Frag sie doch mal, warum sie nichts machen möchte.

Vielleicht ist es ihr auch egal, wie sehr du leidest. Vielleicht ist eure Beziehung nicht so gut. Dann wäre eine Paartherapie sinnvoll. In einer Paartherapie könntet ihr auch schauen, wie ihr die sexuellen Problem und die Beziehungsprobleme auf eine möglichst gute Weise löst.

Du fragst dich, ob du eine künstliche Vagina kaufen sollst. Ja, das ist sicher eine gute Idee. Schau mal, was du für dich machen kannst, dass es dir besser geht. Du hast 20 Jahre lang etwas mitgemacht, das nicht schön ist. Ich finde, du könntest dein Selbstbewusstsein etwas aufbauen. Ich empfehle dir das Buch Klappt's?. Das ist für Männer sehr aufbauend. Ausserdem stehen darin Übungstipps, wie du besser zum Orgasmus kommen kannst.

Stell dir vor, ein anderer Mann würde zu seiner Frau gehen und sagen: "Schau, ich habe dich nicht geheiratet, dass wir wie Wohngemeinschafts-Partner miteinander leben. Ich will von einer Beziehung mehr. Ich will Zärtlichkeit und Sexualität. Wenn du das nicht möchtest, suche ich nach einer Lösung für mich selbst. Das heisst, dass ich vielleicht eine Aussenbeziehung eingehen werde. Und wenn du das nicht willst, ist wohl die Trennung die einzige Lösung."

Es ist oft so, dass ein Ehepartner erst dann bereit ist, etwas zu tun, wenn der andere ein Ultimatum setzt. Zum Beispiel: "Entweder wir machen eine Paartherapie, oder ich gehe". Aber so ein Ultimatum setzt du erst, wenn du auch bereit bist, wirklich Konsequenzen zu ziehen.

Überleg dir, warum du ihr so etwas nicht sagst. Was holst du dir aus der Beziehung, dass du immer noch mit ihr zusammen bist? Was wäre, wenn du die Beziehung nicht mehr hättest? Mangelt es dir an Selbstsicherheit? Vielleicht könntest du auch ein Coaching oder eine Therapie brauchen?

Überleg dir: Du bist 59. Du hast vielleicht noch viele Jahre Leben vor dir. Es lohnt sich nicht, länger unglücklich zu sein.

Vielleicht möchtest du uns nochmal schreiben, falls du nicht weiterkommst. Gib dann einfach die Nummer dieser Frage an.

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Frage Nr. 33077 von 16.06.2021

Liebes Lilli-Team

Ich (m24) hatte noch nie eine Beziehung, noch keinen Sex, noch keinen Kuss. Das nagt zusehends an mir und ich bin hin und her gerissen.

Einerseits die eine Seite von mir, welche so schnell wie möglich Sex möchte. Da swipe ich mich dann rasend durch Online Dating Profile, fühle mich danach aber schlecht, weil ich so oberflächlich bin und nur das eine möchte. Es fühlt sich im Nachhinein falsch gegenüber all diesen Menschen an, diese einfach so schnell nach rechts oder links zu wischen. Häufig endet so eine Phase dann in einem Pornokonsum, weil ich da den "Sex" bekomme. Leider führen die Bilder zu einer Fixierung aufs Äussere und einem so grossen Gefälle zwischen dem was ich da anschaue und dem was ich selber schon erlebt habe. Die Lust auf schnellen Sex kommt vielleicht auch von den Pornos, ich weiss gar nicht ob ich als so unerfahrene Person überhaupt für so unverbindlichen Sex gemacht bin.

Andererseits die romantische Seite, welche sagt, dass es schon gut kommen wird und ich zuerst mit mir klarkommen (im Reinen sein) muss bevor ich mit einer anderen Person etwas erleben kann. Die Seite, welche sich eine Beziehung wünscht, wie sie so viele andere haben. Diese Seite ist unglücklich über die "Rückfälle" der ersten Seite, wäre so gern einfach der schüchterne Junge, dem die schöne Frau per Zufall dann doch begegnet. Irgendwie fände ich es schön, Schritt für Schritt mit einer Frau die verschieden Sachen (Küsse, Sex und Beziehung) zu entdecken. Viele Frauen sind vielleicht schon erfahrener als ich. Ich hoffe, dass es eine Frau gibt, welche all diese Sachen langsam mit mir entdecken könnte. Nur denke ich jeweils, dass alle diese coolen und hübschen Frauen sich nicht auf einen Anfänger wie mich einlassen wollen.

Ich sehe so oft, so viele schöne Frauen in der Stadt, auf dem Zug, im Tram. Oft kommt es mir aber vor, sie würden mich gar nicht wirklich bemerken und seien "zu cool" und würden mir die kalte Schulter zeigen, weil sie mein Verlangen spüren und sie das abschreckt. Vielleicht sieht man mir meine Unerfahrenheit also an. Ich glaube manchmal hätte ich den Mut eine Frau anzusprechen, es hindern mich dann zum Teil die Gedanken an meine erste Seite, welche mir sagt:

-Nach solchen Sachen die du da gemacht hast (Pornos und rasendes Swipen) hast du es gar nicht verdient eine Freundin zu haben. Du kannst ja gar nich mehr ehrlich sein und wenn du ihr von diesen Sachen erzählen würdest, wäre das sehr schlimm für sie.

Ich habe deshalb mehrere Fragen und bin froh, wenn ihr mir ein paar davon evt. beantworten könntet:
- Kann eine Frau meine Handlungen verstehen und sogar akzeptieren? (Ich denke es gibt doch auch Frauen, welche ähnliche Sorgen haben)
- Würde sie meine Einsamkeit, die Pornos und das Swipen verstehen können?
- Bevor ich eine Frau anspreche: Wird sie mir mit Blickkontakt oder so Signale senden, dass ich auf sie zugehen darf/kann?

Merci vielmal schon jetzt für eure Antwort und liebe Grüsse

Unsere Antwort

Toll, wie du beschreibst, was in dir vorgeht. Du beobachtest dich genau und kannst sehr gut beschreiben, wonach du dich sehnst. Du scheinst auch wirklich sehr viel Anstand und Achtung vor Frauen zu haben und kannst zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden.

Andererseits schreibst du wirklich ziemlich abwertend über dich selbst. Wie wär's mit der Haltung: "Ich bin ein junger attraktiver Mann, der Lust auf Sex hat. Bisher hab ich noch keinen Weg gefunden, dieser Lust Ausdruck zu verleihen, aber ich will mich darum kümmern."?

Aus deiner Beschreibung scheint es mir so, als überwiegt dein Wunsch nach einem langsamen Entdecken. Bei unverbindlichem Sex hast du eher Zweifel, ob das etwas für dich ist. Und das ist okay so. Unverbindlicher Sex kann dich trotzdem in der Fantasie begeistern. Und vielleicht willst du das später noch ausprobieren, wenn du andere Erfahrungen gemacht hast. Das steht dir weiter offen.

Die gute Nachricht ist: Es gibt Frauen, die Lust auf langsames Entdecken haben. Darauf kannst du dich verlassen. Selbst wenn eine Frau mehr Erfahrung hat, kannst du es ihr schmackhaft machen, sich mit dir langsam vorzutasten. Wie könnte das gehen? Viele Frauen schätzen es, wenn ihre Partner offen und ehrlich sind mit dem, was sie sich wünschen.

Ich lese in deiner Beschreibung, dass du dir als Verführer nicht so viel zutraust. Wie kannst du dich in einer aktiveren Rolle sehen – Ein Mann, der sich bemerkbar macht bei den Frauen, die ihm gefallen? Wie wär das? Du hast mit deiner Fantasie eine tolle Ressource, die du nutzen kannst. Was könntest du dir anstelle vom schüchternen Jungen vorstellen? Wie sieht ein Szenario aus, in dem du beim Verführen Erfolg hast? Damit kannst du dich regelmässig beschäftigen. Stell dir vor, es läuft gut. Das stärkt dein Selbstvertrauen. Mehr Tipps dazu findest du in unseren Texten «Wieviel Selbstsicherheit braucht ein Mann für das Verführen?» und «Selbstsicherer werden: Tipps für Männer».

Auf die Gefahr hin, dass ich dein Bild von Frauen nachhaltig erschüttere: Es gibt genug Frauen, die genau wie du schonmal auf Dating-Apps unterwegs waren und die sich Pornos anschauen, weil sie jetzt richtig Bock auf schnell verfügbaren Sex haben. Ausserdem musst du dich einer Frau nicht auf diese Weise offenbaren, wenn du das nicht möchtest. Für eine gute Beziehung braucht es keine völlige Transparenz. Was möchtest du erzählen und was nicht? Und wann würdest du es erzählen wollen?

Mein Tipp: Häng dich nicht so sehr an den abwertenden Gedankenspiralen auf, sondern tu etwas, damit du dich gut in deiner Haut fühlst. Dazu gehört auch, solchen negativen Gedanken nicht so viel Raum zu überlassen. Was könnte dir sonst noch helfen?

Wieso wünschst du dir eindeutige Signale, bevor du auf eine Frau zugehst? Damit du dir Aufregung und Unsicherheit ersparst? Das wird leider nicht funktionieren. Solche Gefühle gehören einfach dazu. Und du mutest ihr ja nichts zu, wenn du einfach nur nett mit ihr in Kontakt kommst. Kannst du dir vorstellen, dass sie es schätzt, dass du das Gespräch mit ihr suchst, sich sogar darüber freut, dass du Zeit mit ihr verbringen möchtest?

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Frage Nr. 32496 von 23.03.2021

Ich (31) w, bin seit 15 Monaten in einer festenBeziehung. Gestern hatten wir ein längeres Gespräch. Bei uns ist das Thema zusammenziehen in Planung, aber es kommt nicht so richtig voran.

Ich habe ihn schon öfters gefragt, ob er sich das überhaupt genauso wünscht wie ich, da er oft sehr ambivalent reagiert. Ich habe ihm gesagt, das ich mir wünsche, das er das Thema etwas ernster nimmt falls wir da einen gemeinsamen konsens haben. Ich habe auch klar gemacht, das eine Beziehung auf Dauer in getrennten Wohnungen nicht für mich in Frage kommt. Ich habe den inneren -starken- Wunsch mit einem Menschen, den ich Liebe anzukommen und etwas gemeinsames aufzubauen. Ich sehe das auch irgendwie als Zeichen von Sicherheit und Verbindlichkeit in einer Beziehung, auch das man ähnliche Ziele hat.

Er meinte daraufhin zu mir ,das er das verstehe, aber das ich aufhören solle die Beziehung zu (über) analysieren und das sich viele Sachen mit der Zeit schon ergeben würden. Der Spass in einer Beziehung sei doch erstmal wichtiger. Ich verstehe das nicht. Ich finde mit 31 kann man sich durchaus langsam Gedanken machen über die Zukunft. Sehe ich das falsch?

Unsere Antwort

Ihr seid in diesem Punkt offenbar unterschiedlicher Meinung. Das bedeutet nicht, dass eine*r von euch falsch liegt. Du siehst es so und er sieht es anders. Ihm sind andere Dinge wichtig als dir. Wie gehst du nun damit um? Es ist eine schwierige Aufgabe, das zu respektieren, was eine andere Person sagt, auch wenn du es nicht gern hörst.

Du kannst dich nun fragen, was für dich die Folgen sind. Ist dir das Zusammenziehen so wichtig, dass du nicht länger mit seiner unklaren Aussage warten willst? Wärst du bereit, dich von ihm zu trennen, wenn er nicht mitmacht? Was heisst «auf Dauer in getrennten Wohnungen»? Wie lange bist du bereit zu warten, ob Zusammenziehen doch für ihn in Frage kommt? 1 Monat, 6 Monate, 1 Jahr? Wie kannst du ihm Lust darauf machen, mit dir zu wohnen? Dazu empfehle ich dir auch unseren Text «Wie stehe ich in meiner Beziehung für meine Bedürfnisse ein?».

Muss er es sich wirklich genauso sehr wünschen wie du, damit du zufrieden bist? So, wie du seine Reaktion beschreibst, wünscht er es sich offenbar nicht so sehr wie du. Das muss aber nicht heissen, dass er die Beziehung zu dir nicht so sehr will. Menschen können unterschiedliche Vorstellungen von Beziehungen haben und es trotzdem sehr ernst miteinander meinen. Vielleicht interessiert dich dazu unser Text «Ich will eine andere Art von Beziehung – was tun?».

Du beschreibst, was für dich hinter dem Zusammenziehen steht. In welchen anderen Bereichen kannst du Sicherheit und Verbindlichkeit und «etwas gemeinsames aufbauen» verwirklichen? Gibt es da andere Bereiche, wo ihr euch eher einig werdet?

Ich finde, du beschreibst sehr klar, dass du ein «Jein» bei ihm wahrnimmst. Er sagt zwar oberflächlich ja zum Zusammenziehen, aber er blockiert die Entwicklung auch dadurch, dass er sich nicht dafür einsetzt. Was glaubst du, steckt hinter seinem «Jein»? Was kommt dir da spontan in den Sinn? Wie stehen Spass und Zusammenziehen für ihn im Widerspruch? Was wünscht er sich für eure gemeinsame Zukunft? Was bedeutet Zusammenziehen für ihn? Du könntest seinen Gründen fürs Nicht-Zusammenziehen in einem offenen Gespräch mit Neugier begegnen. Vielleicht ergeben sich daraus ganz neue Möglichkeiten für eure gemeinsame Zukunft.

Je genauer ihr eure Absichten und Wünsche kennt, desto eher findet ihr eine Lösung, die euch beide zufriedenstellt. Wichtig ist dabei, dass ihr auch Dinge aussprecht, die wichtig sind, aber dem anderen vielleicht nicht gefallen. Dazu interessiert dich vielleicht auch unser Text «Wieso ist Eigenständigkeit wichtig für eine gute Liebesbeziehung?».

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Frage Nr. 32143 von 18.02.2021

Liebes Lilli-Team,

zuerst einmal vielen Dank für eure wertvolle Arbeit! Ich (27, weiblich) schaue jetzt schon seit ein paar Jahren immer wieder mal rein und finde wirklich toll, was ihr macht.

Selbst eine Frage gestellt habe ich aber noch nie... das obwohl sich schon seit langer Zeit viele Fragen zum Thema Liebe und Sexualität in meinem Herzen angestaut haben. Ich denke aber immer, ich sollte fähig sein, alleine damit klar zu werden. Nun habe ich meine Meinung geändert... ich möchte meine Gedanken und Fragen mit anderen teilen und mich dadurch befreien! Und wer weiss, vielleicht kann es sogar auch anderen Menschen helfen, denen es ähnlich geht. Mein Text ist etwas lang geworden, bitte entschuldigt mich dafür.

Euch zu schreiben hat mich folgendes motiviert: ich bin jetzt seit über zwei Jahren in einer gesunden Beziehung mit einem liebenswerten und respektvollen Mann. Eine seiner großen Stärken ist Ehrlichkeit und er hat ein großes Bedürfnis nach Transparenz und somit auch nach Kommunikation.

Als ich einmal mehrere Wochen im Ausland war (das war noch in unserem ersten Jahr), hat er mir gebeichtet, dass er einen Porno angeschaut hatte. Er war gerade in einer schwierigen Situation, sehr unter Druck und das sei einfach so passiert. Er wollte es mir unbedingt sagen, weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Zunächst hat mich das sehr wütend gemacht und verletzt. Als wir uns dann wiedergesehen haben, wollte er mit mir darüber reden. Er hat mir respektvoll erklärt, dass es nichts mit meinem Wert zu tun hat oder mit der Liebe, die er für mich empfindet. Das dürfte man nicht zu hoch halten. Männer seien halt visuell erregbar und das verhelfe ihnen zur Befriedigung. Ich schätze es sehr, dass er so offen mit mir darüber gesprochen hat und verstehe das alles sehr gut. Aber es fällt mir unheimlich schwer, mich dabei nicht verletzt zu fühlen.

Später wollte er wieder mal darüber reden. Wieder als ich länger weg war. Ich habe aber schnell abgeblockt und versucht ihm zu erklären, dass ich mich dabei nicht wohl fühle und lieber nicht darüber diskutieren möchte. So. Dieses verletzte Gefühl kommt aber auch oft im Alltag vor. Zum Beispiel wenn wir zusammen einen Film schauen. Das klingt vielleicht unnormal, aber ich fühle mich sehr sehr schlecht, wenn Szenen kommen, in denen attraktive Frauen nackt (und als Lustobjekte) zu sehen sind. Wahnsinnig schlecht. (Ich finde es übrigens auch fies, dass aller Serien und so auf die männliche Sexualität ausgerichtet sind. Nie kommen Szenen vor, die aus der Perspektive der weiblichen Sexualität gemacht, bzw. für uns Frauen "antörnend" sind). Es fühlt sich für mich dann so an, als ob mich gerade jemand hintergeht und vor allem fremdgeht.

Diese Reaktion ist bestimmt total übertrieben. Verständlich ist sie aber. Denn was Sexualität betrifft, habe ich eine ziemlich schwierige Vergangenheit. Schon zuhause habe ich mitbekommen, dass Männer neben ihrer Frau auch auf andere Frauen stehen und sich sexuell zu ihnen angezogen fühlen. Zudem habe ich als junges Mädchen mehrmals erlebt, dass mich viel ältere Männer mit ekligen Augen angeguckt haben und sogar versucht haben, an mich ranzukommen. Was die Liebe betrifft, hatte ich auch fast von Anfang an schlechte Erfahrungen mit Männern. Bis ich meinen jetzigen Freund kennengelernt habe, war ich nur mit Männern "zusammen", die mich betrogen haben. Sie "mochten" mich zwar. Sie sagten, ich sei ein "toller Mensch", wollten aber IMMER nur das Eine von mir und ließen mich dann im Stich. Und während wir zusammen waren, machten sie regelmäßig sexuelle Kommentare über andere Frauen. Einmal hat einer auf einer Abschlussfeier mit mir Schluss gemacht und gleich danach vor meinen Augen eine andere auf den Schoß genommen und mit ihr geflirtet.

Ich habe mir dann immer wieder gesagt, dass ich ab jetzt NUR noch einen guten Menschen zum Freund haben möchte. Und jedes Mal war es die totale Enttäuschung. Ich habe dann gemerkt, dass ich dringend an meiner Selbstakzeptanz- und liebe arbeiten muss. Das habe ich getan. Intensiv und über längere Zeit. Eines Tages habe ich mir gesagt: so. Jetzt fühlt es sich gut an. Ich liebe mich jetzt genug, um auch von jemand anderem geliebt zu werden. Und bald darauf habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt, der nichts, aber auch gar nichts mit den früheren Männern in meinem Leben zu tu hat. Dafür bin ich dankbar. Aber wie gesagt habe ich immer noch dieses Problem. Und schäme mich dafür. Ich sehe, dass ich gelassener werden sollte. Und vor allem selbstbewusster! Aber ich übe das schon seit so langer Zeit... ich habe all eure Artikel dazu gelesen und noch mehr. Aber irgendwie habe ich es noch nicht ganz geschafft.

Und eben dieses Problem mit anderen Frauen. Ich bin zum Beispiel auch eifersüchtig auf seine Praktikantinnen. Und habe Angst, dass er sich in sie verliebt. Oder sie attraktiv findet. Das schmerzt mich, ich fühle mich dann ganz klein, unfähig und nicht liebenswert. Ich weiss, dass es ungesund für uns beide ist. Schließlich wirkt sich das auch auf meine sexuelle Lust aus, denn diese Gefühle sind sehr abtörnend. Habt ihr Tipps für mich, wie ich das ändern kann? Wie kann ich gelassenerer werden? Wie kann ich mir mit ihm Filme anschauen und mich dabei gut fühlen? Wie kriege ich diese verdammten Minderwertigkeitskomplexe ein für alle mal weg?

Ich freue mich über jeden Tipp von euch.

Vielen vielen Dank im Voraus und viele Grüße!

Unsere Antwort

Vielen Dank für dein Lob. Das freut uns sehr! smiley

Danke auch für deine ausführliche Beschreibung. So können wir dir viel besser helfen. Und es ist beeindruckend, was du schon alles geschafft hast. Es ist eine grosse Aufgabe, sich von alten Mustern zu lösen und da bist du schon weit gekommen. Es ist auch eine gute Idee, dass du dir Unterstützung suchst. Du musst das nicht ganz allein schaffen.

Ich sehe in deinen Beschreibungen, dass du deine Gedanken und Gefühle sehr stark ablehnst, wenn es um Pornos oder andere Frauen geht. Ich würde dir raten, sie neutral zu beobachten und zu akzeptieren.

Ja, es beschäftigt dich, wenn er Pornos schaut und wenn er Kontakt mit Praktikantinnen hat. Ja, du hast Angst, dass er sich verliebt. Ja, du fühlst dich dann "ganz klein, unfähig und nicht liebenswert". Und trotzdem hast du die volle Entscheidungsmacht, wie du dann damit umgehst. Du kannst viel besser Einfluss nehmen, wenn du zuerst akzeptierst, wie es ist.

Da kann eine Angst aus der Vergangenheit sein, aber du entscheidest dich diesem Mann hier und heute zu vertrauen. Oder du entscheidest dich, mit ihm Dinge zu vereinbaren, die es euch leichter machen. Du schenkst deinen Gedanken und Gefühlen Aufmerksamkeit, aber du lässt sie nicht über dein Leben bestimmen. Wenn du merkst, dass du da allein nicht weiterkommst, kannst du dir Unterstützung suchen.

Du beschreibst sehr klar, welchen Einfluss deine Vergangenheit hat. Die kannst du nicht entfernen. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Geschichte. Du brauchst dich nicht anders fühlen, als du es tust. Darauf hast du keinen Einfluss. Aber du kannst deinen Umgang verändern. Dein Verhalten liegt in deiner Hand.

Ich empfehle dir auch unseren Text "Kleine Freiheiten halten die Beziehung spannend".

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Frage Nr. 32039 von 01.02.2021

Sehr geehrtes Lilli-Team. Ich habe ein großes Problem. Im Oktober machte mein Freund schluss aufgrund doofer Gedanken. Er musste immer an mich und jemand anderes denken, mit dem ich davor zusammen war. Nach 3 Monaten Treffen kamen wir wieder zusammen und alles war super.

Dann nach 3 Wochen beichtete er mir, dass er wieder diese Gedanken habe und schilderte sie mir. Es ging um einen Streit: Er sagte mir Gerüchte über mich und dass er sich vor mir ekle, wenn er diese höre. Ich war so sauer und verletzt, dass ich sagte sie seien wahr um ihn auch zu verletzen. Wir haben uns nach dem Streit damals allerdings wieder vertragen.

Ich erklärte Ihm also dass damals das gelogen war und eine Kurzschlussreaktion war auf seinen Satz. Dazu hat er mir nie wirklich gesagt, dass er solche Probleme hat. Jetzt möchte er eine Beziehungspause von 5 Wochen um zu reflektieren und um sich zu entscheiden ob er nochmals Vertrauen aufbauen will oder nicht.

Ich weiß nicht was ich tun soll, es tut mir so weh. Wie kann ich ihn davon überzeugen, dass das mit uns Sinn hat und wir beide Scheiße gebaut haben? Was soll ich machen?
Herzliche Grüße w/17

Unsere Antwort

Ich verstehe deine Frage nicht ganz. Konkret verstehe ich diesen Teil nicht: «Dann nach 3 Wochen beichtete er mir, dass er wieder diese Gedanken habe und schilderte sie mir. Es ging um einen Streit: Er sagte mir Gerüchte über mich und dass er sich vor mir ekle, wenn er diese höre». «Diese Gedanken» - dabei geht es doch um die Vorstellung von dir und einem anderen. Was verstehe ich falsch? Ich verstehe auch diesen Satz nicht: «Dazu hat er mir nie wirklich gesagt, dass er solche Probleme hat.» Welche Probleme? Und: Inwiefern hat er Scheisse gebaut? Darüber schreibst du eigentlich nichts. Ich weiss über ihn nur, dass er unsicher und eifersüchtig war. Vielleicht möchtest du uns nochmal schreiben und das genauer erklären.

Ich probiere die Frage mal zu beantworten mit dem, was ich denke, zu verstehen: Offenbar hast du etwas gesagt, was du jetzt bereust. Und offenbar hast du ihn angelogen. Offenbar sieht er das als Vertrauensbruch.

Lügen ist tatsächlich ein Vertrauensbruch. Diese Erfahrung kann dir zeigen, dass sich Lügen nicht auszahlt – egal wie sauer und verletzt du bist. Du kannst ihm sagen, dass du deine Lektion gelernt hast und nicht mehr lügen wirst. Das sagst du ihm aber bitte nur, wenn dir das wirklich ernst ist! Denn sonst ist das ja wieder eine Lüge. Nicht deine Worte allein werden sein Vertrauen in dich stärken. Sondern es wird grösser, wenn er merkt, dass du dich wirklich so verhältst, wie du ihm das gesagt hast. Du kannst das Vertrauen also nur mit der Zeit, mit deinem Verhalten wieder aufbauen.

Du kannst ihn auch nicht davon überzeugen, dass es mit dir Sinn macht. Im Gegenteil: Wenn du das probierst, wird er es wahrscheinlich als Druck erleben. Ich denke, du musst ihn nicht überzeugen davon, dass du Scheisse gebaut hast. Das weiss er selbst. Das Beste, was du machen kannst, ist, seinen Wunsch nach der Beziehungspause zu respektieren. Lass ihm den Raum und die Zeit.

Schau mal was du mit der Antwort anfangen kannst. Falls du uns dazu noch etwas schreiben möchtest, gib bitte die Nummer dieser Frage an.

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Frage Nr. 31824 von 11.01.2021

Ich, w, 29 und mein Freund, m, 31 sind seit ca 2 Jahren in einer sehr wechselhaften Beziehung. Er hat eine Leidenschaft für bestimmte sexuelle Praktiken wie z.B. BDSM, die ich nicht teile. Abgesehen davon ist der "normale" Sex innig und schön.

Persönliche Probleme (schwere Erkrankungen von Angehörigen, Depressionen, Burnout, Schulden) bringen uns immer wieder an Grenzen. Wir haben eine sehr destruktive Streitkultur mit vielen Vorwürfen und sehr viel Wut entwickelt. Wir schaffen es immer uns aber wieder zu vertragen, besser zu kommunizieren, aufeinander einzugehen, Nähe zu schaffen.

Weihnachten haben wir getrennt verbracht. Während dieser Zeit haben wir uns gestritten. Nachdem er zurück war, hat er erzählt, dass er sich ohne Rücksprache sexuell ausgelebt hat. Er hatte vorher seine Bedürfnisse klar kommuniziert, auf die ich aus verschiedenen Gründen nicht eingehen wollte und konnte. Klar war für mich aber, dass nichts ohne Rücksprache unternommen wird.

Zuerst war ich wütend, jetzt bin ich traurig, fühle mich hintergangen und betrogen. Im Moment habe ich kein Vertrauen mehr. Meine Bedingung für alles weitere ist ein gemeinsames Therapiegespräch. Er sieht das anders und fordert zuerst ein Bekenntnis zu dieser Beziehung, zu unserer Liebe und mehr Nähe. Ich fühle mich damit sehr unwohl, möchte den weiteren Verlauf dieser Beziehung gerne offen lassen und Nähe kommt für mich im Moment überhaupt nicht in Frage. Ich weiß gerade nicht weiter. Mir fehlt ein Weg, eine Richtung, ein Lösungsvorschlag der für uns beide funktioniert.

Macht diese Beziehung Sinn wenn wir so toxisch aufeinander wirken? Ergibt es Sinn, wenn ein Partner seine Bedürfnisse so zurück stecken muss? Wie lernen wir mit der Wut umzugehen? Müssen Nähe und Vertrauen die Basis für eine gemeinsame Therapie sein? Ich würd mich über ein bisschen Reflexion von außen freuen, weil ich aufgrund der "heiklen" Thematik das nicht mit meinen Kolleginnen besprechen möchte.

Unsere Antwort

Nein, ich rate dir nicht, deinem Freund zu vertrauen. Schau mal, wie sich das liest: Er hintergeht dich und möchte dann, dass du dich zur Beziehung, zu Liebe und Nähe bekennst. Mal ganz ehrlich: Wenn du das tust, wie ernst kann er dich dann nehmen? Und was versteht er von Liebe und Nähe, wenn sie beinhalten, dass er so mit dir umgehen kann?

Wut hat ihre Gründe. Ein toxischer Umgang hat seine Gründe. In einer guten Paartherapie können diese aufgedeckt werden. Nein, ich finde nicht, dass Nähe und Vertrauen die Basis für die Therapie sind. Im Gegenteil: Wenn wirklich Nähe und Vertrauen bestehen, ist keine Paartherapie nötig. Nähe und Vertrauen können ein Therapieziel sein. Die Therapie kann aber auch verdeutlichen, dass die Beziehung keine Zukunft hat. Eine gute Paartherapie anerkennt den offenen Ausgang und anerkennt die Trennung als Option.

Nein, eine Beziehung, in der eine Person ihre Bedürfnisse so zurückstecken muss, macht keinen Sinn. Allerdings: Niemand sagt dir, dass du das musst. Und wenn du genau hinschaust, merkst du auch, dass du nicht einfach «deine Bedürfnisse» zurücksteckst. Sondern du steckst bestimmte Bedürfnisse zu Kosten anderer zurück. Sehr oft ist es so, dass man das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbehauptung zu Kosten des Bedürfnisses nach Harmonie und Nicht-Allein-Sein-Müssen zurücksteckt. Sei dir bewusst, dass das dein Entscheid ist. Du bist aus freien Stücken in dieser Beziehung.

Ich sage immer: «in einer Beziehung gibt es kein Wir, sondern nur ein Ich». Es hat einen guten Grund, warum dir ein Lösungsvorschlag fehlt, der für euch beide funktioniert. Ihr seid keine Einheit, kein Eins. Ganz im Gegenteil. Daher: Sorge dafür, dass du eine Lösung findest, die für dich am ehesten stimmt. Ich kann dir jetzt schon sagen, dass die nicht einfach sein wird – denn die Optionen sind alle nicht leicht. Er wird dich nicht unterstützen. Was dir hilft, ist deine eigene Stärke und Eigenständigkeit. Dazu bitte ich dich, diesen Text über Eigenständigkeit zu lesen.

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Frage Nr. 31655 von 12.12.2020

Hallo,
Erstmal vielen lieben Dank für diese Seite und euren Rat!!
Ich bin w/23, und seit 1,5 Jahren in einer Beziehung mit einem tollen Mann.

Das ist die erste ernste, längere Beziehung, die ich führe und ich bin überzeugt, dass mein Freund und ich ein sehr ähnliches Fundament haben und sich daraus eine lange Beziehung entwickeln könnte.

Aber ich merke, dass es für mich schwierig ist, mich emotional auf die Beziehung einzulassen. Ich bin extrem schnell verletzt, meine Gefühle sind oft ein grosses Up und Down und ich habe das Gefühl, ich bin unterbewusst schon darauf programmiert, dass ich irgendwie verletzt werde, suche nach Fehlern, bilde sie mir manchmal auch ein. Versetze mich oft selber in eine Opferrolle, obwohl mein Freund mir nie etwas Böses wollen würde.

Wie kann ich mehr emotionale Konstanz erreichen? Dieses "Fehlersuchen" aufhören und mich auf die Realität konzentrieren?

Unsere Antwort

Du schreibst, dass du extrem schnell verletzt bist. Was machst du dann? Und wie kümmerst du dich um dich selbst, wenn du verletzt bist?

Es ist eine gute Idee, dass du Verantwortung für deine Gefühle übernimmst. Es ist deine Aufgabe, dich wieder zu regulieren. Fachpersonen nennen das Emotionsregulation. Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Emotionen angemessen zu regulieren. Das fällt insbesondere in engen Beziehungen auf.

Du hast schon vieles aufgedeckt. Du siehst, dass sich bei dir alte Gefühle mit der Gegenwart vermischen. Und du hast ein klares Anliegen: Du willst lernen, wie du deine Gefühle besser steuern kannst und die Realität sehen kannst.

Es gibt viele Übungen und Gewohnheiten, die dir dabei helfen können, einen besseren Umgang mit deinen Gefühlen zu lernen. Zum Beispiel kannst du bei Meditationen lernen, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu schaffen. So kannst du besser entscheiden, wie du reagierst. Es gibt auch verschiedene Techniken, wie du deine Gefühle mehr im Körper spüren kannst. Es hilft auch, wenn du deine Gefühle klar benennen kannst. Es gibt zu dem Thema unglaublich viel. Ich empfehle dir besonders über das vegetative Nervensystem zu arbeiten. Dazu könnte dich das Buch «Der Selbstheilungsnerv: So bringt der Vagus-Nerv Psyche und Körper ins Gleichgewicht» von Stanley Rosenberg interessieren.

Ich kann aus der Ferne nicht einschätzen, wie weitreichend das Problem ist. Hast du eine Idee, woher es kommt, dass du so schnell verletzt bist? Hast du Erfahrungen gemacht, die das erklären könnten? Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dir Unterstützung bei einer Fachperson zu holen? Traumatherapeut*innen sind gut ausgebildet, um ihre Klient*innen bei der Emotionsregulation zu unterstützen.

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Frage Nr. 31615 von 09.12.2020

Liebes Lilli - Team, ihr habt mir schon so oft geholfen, vielen Dank!

Aber dennoch habe ich heute ein neues Problem, ich weiß nicht mehr, ob ich noch mit meinem Freund glücklich bin. Wir sind seit fast 2 Jahren zusammen, aber es ist nicht mehr wie am Anfang. Ich bin 19 und er 20. Wenn ich zum Beispiel mal ein Problem habe, sagt er immer nur, dass ich zu sehr übertreibe und meine Probleme unnötig sind. Er unterstützt mich einfach nicht mehr, das Gefühl vom Verstanden werden und vor allem das Gefühl der Geborgenheit ist schon lange nicht mehr da..

Ich liebe ihn noch, aber ich glaube, ich halte es nicht mehr länger aus.. Nur ich habe Angst, dass wenn ich schluss mache, ich ganz alleine bin und er mit einer Freundin zusammen kommt, mit der er schon mal was hatte..

Unsere Antwort

Es freut mich, dass wir dir schon oft helfen konnten. Vielen Dank für die Rückmeldung.

Was ist deine Frage? Fragst du, ob du dich trennen solltest? Da du keine Frage stellst, kann ich nur vermuten. Ich schreibe dir mal meine Gedanken auf.

Wenn ich deine Frage lese, fallen mir deine Erwartungen an eine Liebesbeziehung auf. Viele Menschen haben ähnliche Erwartungen an Liebesbeziehungen wie du. Sie wünschen sich, dass immer jemand da ist, der sie bestätigt. Diese Person sagt uns ausschliesslich, dass wir toll und liebenswert sind. Das wäre schon schön. Aber die Realität sieht anders aus. Unsere Partner zeigen uns auch all die Seiten an uns, die wir lieber nicht sehen wollen. Partner sind nicht immer einer Meinung und sie finden den anderen auch nicht immer toll. Die Erwartungen an Liebesbeziehungen sind also unrealistisch und führen zwangsläufig zu Enttäuschung und Frust.

Nehmen wir an, du denkst, es ist dauerhaft die Aufgabe deines Partners, dir ein Gefühl von Geborgenheit und Verstandenwerden zu geben. Dann würde ich dir widersprechen. Diese Ansprüche kann kein Mensch erfüllen und sie machen dich auf Dauer unglücklich. «Sei immer verständnisvoll und für mich da» ist kein Wunsch, der in Erfüllung gehen kann. Was sind Wünsche, die dein Freund erfüllen kann? Ich empfehle dir dazu unseren Text «Wie stehe ich in meiner Beziehung für meine Bedürfnisse ein?». Mit erfüllbaren Wünschen könnt ihr euch auseinandersetzen. Ihr könnt herausfinden, welche Wünsche er bereitwillig erfüllt und welche nicht. Ebenso kannst du dich damit auseinandersetzen, welche seiner Wünsche du bereitwillig erfüllst und welche nicht.

Liebesbeziehungen sind besser, wenn ihr beide auf eigenen Beinen steht. Wie gehst du gerade mit deinen Problemen um? Aus deiner Frage scheint es mir so, als würdest du dich mit deinen Problemen etwas auf deinem Freund abstützen. Und du gibst sehr viel auf seine Meinung zu deinen Problemen. Das, was er über deine Probleme denkt, ist nichts weiter als seine Meinung zu deinen Problemen. Du entscheidest, was du von seiner Meinung hältst. Wichtig ist: Was denkst du über deine Probleme? Und wie möchtest du sie lösen? Hast du dafür noch andere Ansprechpersonen als deinen Freund? Ich empfehle dir sehr unseren Text «Wieso ist Eigenständigkeit wichtig für eine gute Liebesbeziehung?».

Wenn du ernsthaft über eine Trennung nachdenkst, empfehle ich dir ausserdem unseren Text «Wie entscheide ich mich zum Schlussmachen?».

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